Kolja Zydatiss, Gastautor / 31.01.2018 / 06:00 / Foto: Tim Maxeiner / 8 / Seite ausdrucken

Serie Klimawandel (3): Kulturkämpfe auf dünnem Eis

Das Klima hat sich schon immer gewandelt. In der Erdgeschichte gab es Phasen mit Vergletscherungen bis in gemäßigte Breiten, aber auch Warmzeiten, in denen die Lebensräume tropischer Arten bis in die Polargebiete reichten. Treiber der Klimaveränderungen waren Schwankungen der Treibhausgas-Konzentration, in der jüngeren Erdgeschichte auch himmelsmechanisch bedingte Veränderungen der Menge an Sonnenenergie, die auf die Erde trifft (andere Faktoren wie Vulkanstaub oder der bei Klimaskeptikern beliebte Sonnenfleckenzyklus fallen im Vergleich dazu kaum ins Gewicht).

Vor etwa 12.000 Jahren begannen die Menschen, die Treibhausgaskonzentration in der Atmosphäre signifikant zu erhöhen, erst durch die Landwirtschaft, dann durch die Nutzung fossiler Brennstoffe. Letztere waren bisher für die Menschheit ein Segen. Sie ermöglichten einen enormen Wohlstands- und Entwicklungssprung, der sich u.a. in besserer Gesundheit, Ernährung und einer erheblichen Verbesserung unserer Fähigkeit, uns vor den Launen der Natur zu schützen, niederschlug.

Allerdings haben unsere Emissionen einen Erwärmungstrend ausgelöst. Auch dieser war bisher für die Menschheit insgesamt vorteilhaft, hat er doch das Eintreten in die nächste Kaltzeit verhindert (niemand kann ernsthaft eine Welt wie im Jungpleistozän wollen, als ein kilometerdicker Eisschild Berlin bedeckte und Rentiere an der Côte d’Azur grasten).

Der anthropogene Klimawandel ist keine Abweichung von den Schwankungen, die im Rahmen der natürlichen Variabilität seit Jahrmillionen auftreten (die Erde ist immer noch unterdurchschnittlich kalt!). Auch von der Geschwindigkeit her ist der aktuelle Wandel nicht ungewöhnlich (rasante Klimaveränderungen treten auch von Natur aus auf, die sogenannte Misox-Schwankung vor 8.200 Jahren etwa brachte einen globalen Temperatursturz von circa drei Grad Celsius innerhalb von 150 Jahren).

Ein klimatisches Gleichgewicht gab es nie

Die globale Erwärmung kann also nicht als Störung des „natürlichen Gleichgewichts“ betrachtet werden. Ein solches Gleichgewicht gab es nie. Der anthropogene Klimawandel ist nicht in erster Linie ein Problem für die Natur, sondern für den Menschen. Das liegt an der umfangreichen physischen Infrastruktur (Städte, landwirtschaftliche Flächen), die wir in Küstennähe geschaffen haben und die durch den steigenden Meeresspiegel bedroht ist.

Eine rationale Antwort auf die globale Erwärmung könnte aus Maßnahmen zum Schutz küstennaher Gebiete und einem längerfristigen Engagement im Bereich der Entwicklung, Verbesserung und breiten Implementierung emissionsarmer Energieerzeugungstechnologien bestehen. Rationale Stimmen sind in der aktuellen Debatte jedoch rar. In tonangebenden westlichen Kreisen dominiert eine Sichtweise, die den Klimawandel als verwerfliche menschliche Störung der vermeintlich „harmonischen“ Natur, oder gar als eine Art „Strafe“ für die menschliche Hybris, zeichnet.

Befördert wird diese Sicht durch den faktenfreien Alarmismus von Umweltschützern und einigen „aktivistisch“ gepolten Wissenschaftlern, bzw. von Journalisten, die deren Behauptungen und Weltsicht unkritisch übernehmen. So wurde kürzlich ein verhungernder Eisbär zum „Gesicht des Klimawandels“ stilisiert, obwohl sein Gesundheitszustand höchstwahrscheinlich nichts mit dem Klimawandel zu tun hatte und die Gesamtpopulation der Eisbären seit den 1950er Jahren zunimmt. Als letzten Herbst der Hurrikan Irma die USA traf, sprach die Boulevardzeitung B.Z. von der „Rache der Erde“. Die Tatsache, dass die Anzahl der Hurrikane, die das Festland der USA erreichen, seit dem späten 19. Jahrhundert leicht abgenommen hat, blieb unerwähnt.

Es lässt sich ein interessantes Paradoxon beobachten: Einerseits gilt die globale Erwärmung vielen als apokalyptische Bedrohung; „Klimaskeptiker“ bzw. „-leugner“ werden moralisch stigmatisiert und müssen um Ruf und Karriere bangen. Andererseits werden, objektiv betrachtet, kaum wirksame Maßnahmen zum Schutz des Klimas ergriffen. Wie Thilo Spahl kürzlich schrieb, sind die regelmäßig stattfindenden „Klimagipfel“ im Wesentlichen Symbolpolitik. Im jüngsten Pariser Abkommen (aus dem US-Präsident Donald Trump, begleitet von weltweiter Empörung, ausgestiegen ist) einigten sich 192 Staaten auf bescheidene Reduktionsziele, die ohnehin nicht verbindlich sind. Selbst bei kompletter Einhaltung aller Vereinbarungen ergäbe sich laut einer Studie des MIT nur eine Reduktion der Klimaerwärmung um 0,2 Grad Celsius.

Dieser Beitrag erschien auch in Novo. Dort finden Sie auch zusätzliche Grafiken.

 

Serie Klimawandel (1): Die letzten 500 Millionen Jahre

Serie Klimawandel (2): Menschengemachter Klimawandel

Serie Klimawandel (4): Klimamoral

Serie Klimawandel (5): Ambitionierter denken

Foto: Tim Maxeiner

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Leserpost (8)
Sabine Schönfelder / 31.01.2018

Im Prinzip geht es auch garnicht um das Klima. Es ist ein Vehikel, mit der sich eine Wirschafts- und Politiklobby etablierte,  die phantastische Erfolge vorweisen kann. Durch gnadenlose Propaganda ist ein Zeitgeist entstanden, der den Alt68ern Macht und einer Ökoindustrie viel Geld in die Taschen gespült hat- und zwar nachhaltig! Al Gore könnte uns genaueres erzählen…...und Fakten stören da nur.

Thomas Rießinger / 31.01.2018

Wenn “der anthropogene Klimawandel ... keine Abweichung von den Schwankungen, die im Rahmen der natürlichen Variabilität seit Jahrmillionen auftreten”, ist, und wenn “auch von der Geschwindigkeit her ... der aktuelle Wandel nicht ungewöhnlich” ist - warum sollte er dann überhaupt anthropogen sein und nicht einfach eine natürliche Schwankung?

Jürgen Schnerr / 31.01.2018

Neulich war ich in einem bekannten Museum in der Nähe. Dort gab es auch eine Sonderschau zum Klima auf der Erde. Sehr sachlich und ohne Effekthascherei wurde dort dargestellt, dass wir derzeit immer noch im Grunde in einer Eiszeitphase leben und die totale Vergletscherung der Pole eine Ausnahme zumindest in den letzten 100 Millionen Jahren darstellt. Insofern sind die Darstellungen verschiedener Autoren hier sicher unbeabsichtigt voll bestätigt worden. Nicht das Klima ist menschengemacht, sondern das hier herausgestellte Problem der ungebremsten Überbevölkerung. Und letzteres macht den Menschen Probleme auf der Erde. Es ist für einen normalen Mitteleuropäer schwer nachzuvollziehen, dass potentielle Eltern Kinder ohne Ende in die Welt setzen und sich keinerlei Gedanken darüber machen, wie die zu bilden und zu ernähren sind. Und einflussreiche Kreise wie der Papst, der Islam und wer weiß ich noch mehr bestärken sie darin auch noch, indem sie gegen Aufklärung und Verhütung wettern.

Uwe Schmitz / 31.01.2018

Ich bin da nahezu gänzlich bei Ihnen, einzig bei der Eisschicht über Berlin (regional begrenzt) würde ich nicht widersprechen wollen ;-)

Roland Müller / 31.01.2018

Die Durchschnittstemperatur auf diesem Planeten war aber schon öfter erheblich niedriger als heute und das trotz einer viel höheren Konzentration an sogenannten Treibhausgasen, wenn es diese denn überhaupt gibt und nicht nur ein Hirngespinst von ökoreligiösen Phantasten ist.

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