Kolja Zydatiss, Gastautor / 29.01.2018 / 06:15 / Foto: Tim Maxeiner / 20 / Seite ausdrucken

Serie Klimawandel (1): Die letzten 500 Millionen Jahre

Der Klimawandel ist ein umstrittenes Thema. Ständig hören wir Aussagen wie:

„Treibhausgasemissionen erwärmen die Erde.“

„Früher gab es viel weniger CO2.“

„Die Erde war früher viel kälter.“

„Die Gletscher schmelzen.“

Aber auch:

„CO2 ist natürlich.“

„Früher gab es viel mehr CO2.“

„Die Erde war früher viel wärmer.“

„Wir leben in einer Eiszeit.“

Das Problem: Jede dieser Aussagen ist wahr. Doch der Reihe nach.

Tatsächlich ist das Klima der Erde höchst variabel. Es gab Eiszeiten und Wärmeperioden, in denen Palmen an den Polarkreisen wuchsen, möglicherweise auch „Schneeball Erde“ genannte Phasen, in denen nahezu die gesamte Erdoberfläche mit Gletschern bedeckt war. Am besten untersucht sind die letzten 500 Millionen Jahre. Für diesen Zeitraum, der ungefähr dem Phanerozoikum entspricht (also dem erdgeschichtlichen Zeitalter, in dem komplexe Lebensformen entstanden sind), können Wissenschaftler recht genaue Rekonstruktionen des Klimas erstellen. Sie nutzen dazu sogenannte „Proxies“ wie Baumringe, Ozeansedimente oder Eisbohrkerne.

Ein Blick auf die Temperaturverlaufsrekonstruktion zeigt, dass wir in einer unterdurchschnittlich kalten Zeit leben, einem sogenannten „Eiszeitalter“. Damit sind Zeiträume gemeint, in denen mindestens ein Pol ganzjährig vergletschert ist. Eis an den Polen ist, erdgeschichtlich betrachtet, die Ausnahme. Meist war es hierfür zu warm. Innerhalb eines Eiszeitalters wechseln sich sogenannte Kaltzeiten (auch „Glaziale“ genannt) und Warmzeiten („Interglaziale“) ab. Erstere sind von durchschnittlich tieferen Temperaturen und umfangreichen Vergletscherungen in den gemäßigten Breiten geprägt. Wenn umgangssprachlich von einer „Eiszeit“ die Rede ist, ist meist eine solche Kaltzeit gemeint. Die letzte war Tummelplatz von Mammuts, Säbelzahnkatzen und Riesenhirschen und endete vor circa 12.000 Jahren.

Zusammenfassend kann man sagen: Wir leben heute in einer relativ warmen Periode (Interglazial) einer sehr kalten Periode (Eiszeitalter). Vor 100 Millionen Jahren, in der Kreidezeit, sah die Erde noch sehr anders aus. New York hatte das Klima von Florida. In höheren Breiten waren die Unterschiede zu heute noch größer. Fossilienfunde belegen, dass Krokodile und Schildkröten nördlich des Polarkreises lebten. Nirgendwo, nicht einmal an den Polen (!), war die Durchschnittstemperatur niedriger als null Grad Celsius. Da das Wasser nicht in Gletschern gebunden war, lag der Meeresspiegel bis zu 200 Meter höher als heute.

Der Abwärtstrend begann vor circa 50 Millionen Jahren

Der Abwärtstrend, der in das aktuelle Eiszeitalter führte, begann vor circa 50 Millionen Jahren. Die Gründe dafür sind umstritten, eine gängige Theorie geht davon aus, dass die Ausbreitung und spätere Sedimentierung des Süßwasserfarns Azolla der Atmosphäre beträchtliche Mengen des Treibhausgases CO2 entzog. In den letzten zwölf Millionen Jahren ist der Temperaturabfall stärker geworden, gipfelnd in einer schnellen Folge immer intensiverer Glaziale, die die letzten drei Millionen Jahre prägten.

Dass das Klima so kalt und volatil geworden ist, liegt laut aktuellem Forschungsstand an der Plattentektonik. Vor etwa 40 bis 50 Millionen Jahren rammte die indische Platte in die eurasische Platte. Es entstanden das Hochland von Tibet und die Gebirge Himalaja, Pamir und Karakorum, zusammen auch „Dach der Welt“ oder „dritter Pol“ genannt. Erdgeschichtlich betrachtet sind Berge, die bis an den Rand der Stratosphäre reichen, eine Anomalie. Die Auffaltung der Felsmassen hat eine außergewöhnliche klimatische Epoche eingeleitet, denn sie hat die Verwitterung silikatreicher Gesteine wie Granit erheblich verstärkt. Bei diesem Prozess wird Calcium freigesetzt. Das Calcium reagiert zu Calciumcarbonat (dem Hauptbestandteil von Kalkstein) und entzieht dabei der Atmosphäre CO2.

Durch die Bildung der innerasiatischen Gebirge ist die (ohnehin rückläufige) CO2-Konzentration stark abgesunken. Der Rückgang des Treibhausgases hat das Klima nicht nur abgekühlt. Er hat es auch anfälliger für leichte Variationen des solaren Energieeintrags gemacht. Auf den serbischen Mathematiker Milutin Milanković (1879–1958) geht die Entdeckung zurück, dass zyklische himmelsmechanische Schwankungen die Verteilung der Sonnenenergie auf der Erde periodisch verändern.

Diese sogenannten Milanković-Zyklen hat es schon immer gegeben. Klimatisch relevant sind sie erst seit etwa drei Millionen Jahren, denn in einer Welt mit abnehmendem CO2-Gehalt ist die Wärmeverteilung zunehmend beeinträchtigt. Die Folge ist ein periodischer Eisaufbau an den Polen, der die immer wiederkehrenden Glaziale verursacht. Lange Zeit folgten diese einem 41.000-Jahr-Zyklus, der mit der Schwankung der Erdachsen-Neigung in Zusammenhang gebracht wird. Vor etwa 1,2 Millionen Jahren erfolgte aus bislang ungeklärten Gründen ein „Umspringen“ auf einen 100.000-Jahr-Zyklus, der mit Veränderungen der Exzentrizität der Erdbahn zusammenhängt.

Dieser Beitrag erschien auch in Novo. Dort finden Sie auch zusätzliche Grafiken.

 

Serie Klimawandel (2): Menschengemachter Klimawandel

Serie Klimawandel (3): Kulturkämpfe auf dünnem Eis

Serie Klimawandel (4): Klimamoral

Serie Klimawandel (5): Ambitionierter denken

Foto: Tim Maxeiner

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost (20)
s.Braun / 29.01.2018

Der Gedanke, daß WIR das Erdklima ändern könnten, ist genau so irrwitzig, wie die Annahme, daß ein Tsunami die Britischen Inseln überrollt, wenn Jemand in die Nordsee pinkelt !

Bernhard Keim / 29.01.2018

Dass es immer Klimawandel gegeben hat, predige ich seit Jahren, aber was folgt daraus? Dass wir uns auf die Folgen einstellen müssen unabhängig davon, ob dieser nun von Menschen gemacht ist oder nicht. Er findet statt. Das Problem mit den Klimaskeptikern ist ja nicht, dass sie Unrecht hätten, sondern dass dort oftmals eine Haltung gepredigt wird, als könne man so weitermachen wie bisher. Fossile Brennstoffe sind endlich. Abgesehen davon freue ich mich über jede Tonne Energie, die wir nicht bei irgendwelchen Autokraten oder Diktatoren einkaufen müssen. Denn auch das ist ein Problem der Abhängigkeit von fossilen Energien: wir finanzieren damit Herrschaftsformen, die sich keiner von uns persönlich wünscht. Auch wenn der Mensch mit seinen fossilen Energien nicht zur globalen Erwärmung beitragen sollte, sie findet dennoch statt. Auch der Umweltschutzgedanke erfreut sich dadurch wachsender Beliebtheit. Auch nicht schlecht, es sei den man findet Gefallen an all dem Plastik das durch Landschaft Flatter und Meere schwappt. Öl ist zu kostbar um es zu verheizen oder für irgendeinen Unsinn einzusetzen, der die Umwelt belastet.

Bruno Kehrein / 29.01.2018

Danke für diesen wunderbaren Artikel. Wahrscheinlich werden die CO2-Deppen noch ein paar Jahre durchhalten, bevor der ganze Dogmatikerquatsch zusammenbricht. Die irrsinnigen Milliardensummen sind dann allerdings verballert. CO2 ist jedenfalls mein Lieblingsgas! Die Vernünfigen sollten eine Pro-COzwo-Initiative gründen. In den Fußgängerzonen könnten als C und O verkleidete Aktivisten auftreten - C mit zwei Ärmchen und zwei Beinchen - O mit zwei Ärmchen (die beiden Beinchen müßten natürlich unsichtbar sein): hüpfend und fröhlich skandierend: “Pro COzwo”, “Pro COzwo”, “Pro COzwo” ... Das würde jedenfalls ein wenig Spaß in die unseelige Weltretter-Szene bringen!

Rüdiger Kuth / 29.01.2018

Ja, das böse CO2. Normal geht doch die Reihenfolge in den Naturwissenschaft so: Theorie - Versuch - Beweis - Definition. Außer der Theorie ist man uns bis heute alle anderen Schritte schuldig geblieben

Martin Landvoigt / 29.01.2018

Anmerkungen zum Artikel und bisherigen Kommentaren: Bis auf einige Punkte, über deren Richtigkeit man streiten kann, ein gelungener Artikel, der vieles grade rückt. Es gab nie ein konstantes Klima, und auch der Wandel ist in Geschwindigkeit und Richtung nicht klar bestimmbar. Ein aktueller Alarmismus ist vor diesem Hintergrund absurd sachlich unbegründet. Sich über Krümel aufzuregen, wenn man eine Unkorrektheit gefunden hat, würde nur dann zielführend sein, wenn damit die Grundaussage hinfällig würde. Aber das tut sie nicht. Der Begriff Treibhauseffekt ist irreführend, denn die Wirkungen von Gewächshäusern, die den den Wind abhalten, hat mit dem Strahlungstransport nichts zu tun. Dennoch kann man schlicht festhalten, dass sich der Begriff eingebürgert hat. Das Prinzip ist durch die Strahlungstransportgleichung auch genau beschreiben und kann in einfachen Modellen - z.B. MODTRAN - und der Vergleich mit Messungen als gesichert gelten. Das aber sind keine Globalen Circulation Models (GCM), die ungeeignet sind, den realen Klimaverlauf vorherzusagen. Ein informierter Mensch sollte bei breit angelegten Nachforschungen ebenso stets zu dem Ergebnis kommen, dass ‘Klimaschutz’ reiner Unsinn ist, aber nicht erfordert, die dahinter liegende Physik zu negieren. Der CO2 - Anteil hat eine Wirkung auf die mittlere Erdtemperatur. Nur kann man sich nicht sicher sein, wie groß dieser Anteil neben vielen anderen Faktoren ist , die letztlich ein schwer bestimmbar komplexes System ergeben. Entsprechend zeigen die GCM-Modelle im Forecast auch keine Deckung mit der Realität.

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Kolja Zydatiss, Gastautor / 10.05.2018 / 06:15 / 33

Die Verschwörungs-Nervensägen

Als ich zur Uni ging, liefen sie in jeder Kiffer-WG. Die Rede ist von den „Zeitgeist“-Filmen. Wie Dan-Brown-Romane galoppieren die auf Dokumentation getrimmten YouTube-Videos durch…/ mehr

Kolja Zydatiss, Gastautor / 18.04.2018 / 06:25 / 12

200 Jahre Frankenstein

1818 erschien der Roman „Frankenstein oder Der moderne Prometheus“ der gerade einmal 20-jährigen Mary Shelley. Das Buch handelt von dem Wissenschaftler Viktor Frankenstein, der ein…/ mehr

Kolja Zydatiss, Gastautor / 02.02.2018 / 06:20 / 17

Serie Klimawandel (5): Ambitionierter denken

Sowohl die Öko-Ideologen als auch die Skeptiker erweisen der Menschheit einen Bärendienst. Es geht nicht um politische Profilierung, sondern darum, ergebnissoffen eine Kombination von Maßnahmen…/ mehr

Kolja Zydatiss, Gastautor / 01.02.2018 / 06:00 / 5

Serie Klimawandel (4): Klimamoral

 Seit Jahren inszeniert sich die deutsche Regierungschefin Angela Merkel als „Klimakanzlerin“. Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich die deutsche Energiewende jedoch als teure, symbolische Wohlfühlaktion, die…/ mehr

Kolja Zydatiss, Gastautor / 31.01.2018 / 06:00 / 8

Serie Klimawandel (3): Kulturkämpfe auf dünnem Eis

Das Klima hat sich schon immer gewandelt. In der Erdgeschichte gab es Phasen mit Vergletscherungen bis in gemäßigte Breiten, aber auch Warmzeiten, in denen die…/ mehr

Kolja Zydatiss, Gastautor / 30.01.2018 / 06:00 / 15

Serie Klimawandel (2): Menschengemachter Klimawandel

Unser Wissen über die Milanković-Zyklen ermöglicht uns, Vorhersagen über die zukünftige Entwicklung des Klimas zu treffen. Nach dem aktuellen Zyklus hätte vor etwa 5.000 Jahren…/ mehr

Kolja Zydatiss, Gastautor / 28.10.2017 / 06:17 / 15

Das Leben ist lebensgefährlich

Von Kolja Zydatiss. Treffen sich zwei Planeten im Weltall. Sagt der eine zum anderen: „Siehst schlecht aus.“ Sagt der andere: „Ja, ich habe Homo sapiens.“…/ mehr

Kolja Zydatiss, Gastautor / 15.10.2017 / 16:10 / 12

Die Klima-Kanzlerin läuft auf einen Eisberg

Von Kolja Zydatiss. Seit 2012 analysiert die Unternehmensberatung McKinsey im Halbjahresrhythmus den Status der deutschen Energiewende. Die aktuellen Daten sind ernüchternd. Bei 9 von 14…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com