Gastautor / 22.02.2016 / 14:00 / 15 / Seite ausdrucken

Schuld und Erlösung: zur religiösen Dimension der aktuellen Krise

Von Alexander Meschnig

I. Erstaunen darüber wie sich ein Land auflöst

„Es gibt keine moralische Pflicht zur Selbstzerstörung“, so Peter Sloterdijk Ende Januar 2016 in einem Interview mit dem Cicero. Es scheint, als ob dieses Gebot in Deutschland keine Gültigkeit mehr besitzt. Vor ein paar Tagen konnte man lesen, dass die Länder der Balkanroute sich darauf verständigt haben Flüchtlinge ab sofort koordiniert an die deutsche Grenze zu bringen. Von Mazedonien aus werden nun Iraker, Afghanen und Syrer (oder alle die sich dafür ausgeben) per Zug umstandslos und unbürokratisch in Richtung Deutschland transportiert. Die „Züge der Hoffnung“, so der SPIEGEL auf dem Höhepunkt der Flüchtlingseuphorie des vergangenen Jahres, werden sich schnell füllen, denn es wird sich herumsprechen, dass die Reise nach Germany nun ohne größere finanzielle oder organisatorische Probleme zu bewältigen ist. Die 2016 von offizieller Seite auf 500.000 Einwanderer taxierte Zahl (wer kommt auf solche Prognosen?) wird, wenn keine entscheidende politische Wende erfolgt, locker überboten werden.

Der Irrsinn der deutschen „Flüchtlingspolitik“, die moralische Geiselhaft der eigenen Bevölkerung, die mediale und politische Propaganda für eine verpflichtende Willkommenskultur, all das ist die letzten Monate in alternativen Medien wie der Achse schon genügend analysiert und beschrieben worden. Man kann dem selbst nicht mehr viel Neues hinzufügen, es bleibt nur ein Staunen darüber, wie sich ein Land und alle seine Errungenschaften der letzten Jahrzehnte ohne größeren Widerstand langsam auflöst. Die eigene Hilflosigkeit und Ohnmacht, diesem politischen Wahnsinn nichts entgegensetzen zu können, sozusagen unverschuldet in Haftung genommen zu werden, vergiftet mehr und mehr das eigene Leben. Man fühlt sich nur noch als Passagier und Zuschauer, wie auf einer schiefen Ebene nimmt die Katastrophe unaufhörlich ihren Lauf. Natürlich kann man weiter auf die täglich zuspitzende Lage setzen und tatsächlich hat sich der öffentliche Diskurs seit September 2015 bereits verändert. Manches ist heute aussprechbar oder Konsens, was vor einem halben Jahr noch als „rassistisch“ oder „rechtspopulistisch“ galt. Das Problem ist nur: es bleibt keine Zeit mehr auf andere Akteure (die EU, Erdogans Türkei!) oder unwahrscheinliche Ereignisse (Ende des Krieges in Syrien, Abnahme des Flüchtlingsstroms, Weltfrieden) zu hoffen. Entscheidungen die längst getroffen werden hätten müssen, sind ab einem bestimmten Zeitpunkt nicht mehr durchzusetzen oder nur unter großen Opfern und Verwerfungen. Es ist auch niemand in Deutschland sichtbar, der unliebsame (nationale) Entscheidungen und die daraus resultierenden Folgen verantworten würde.

II. Die Lust an der Buße trägt unzweifelhaft masochistische Züge

Es mag sein, dass es noch zu früh ist, einen Schritt zurückzutreten und die Entwicklung aus einer größeren Perspektive zu betrachten. Dennoch lassen sich einige Muster ausmachen, die ihren Ursprung mehr in psychologischen als politischen Kategorien haben. Historiker und Politikwissenschaftler werden sich wahrscheinlich darüber streiten ob Merkels Opportunismus, das Fehlen jeglicher inneren Überzeugung, Macht um der Macht willen oder die Unfähigkeit, einen schwerwiegenden Fehler einzugestehen, der ausschlaggebende Faktor für die nationale Katastrophe war. Ich frage mich aber, ob nicht vielmehr eine Art religiöser Masochismus, eine moralisch erhöhte Form des protestantischen Schuldabbaus, im Zentrum einer (psychologischen) Analyse stehen müsste. Denn das lautstarke, wenngleich aktuell leiser werdende „Refugees Welcome“, ist in seiner abstrakten Hypermoral der Ausdruck für eine letzte, metaphysische Größe die nicht mehr hinterfragbar ist: die eigene und kollektive Schuld, die nun, angesichts des Zustroms der Elenden und Benachteiligten der Erde, abgegolten werden kann.

Egal, ob fundamentalistischer Moslem, islamistischer Terrorist, reaktionärer Patriarch oder gewalttätiger Krimineller, alle Menschen sind in Deutschland ohne Ansehen der Person willkommen. In einer quasi religiösen Kollektivneurose nimmt der „Flüchtling“ (aktuell: der Schutzsuchende) den Status des Unantastbaren ein dessen empirische Gestalt nicht thematisiert werden darf. Erinnern wir uns daran wie lange es vollkommen tabu war, „Flüchtlinge“ und Kriminalität/Gewalt gemeinsam in einem Kontext zu nennen. Jeder, der nur vorsichtig Andeutungen in diese Richtung machte, leise Zweifel an den guten Absichten mancher Einwanderer äußerte, wurde gnadenlos vom Establishment in die rechte Ecke geschoben.

Nach den Terroranschlägen in Paris und insbesondere nach den Ereignissen in Köln ist das nicht mehr so leicht möglich. Auffallend war vor allem wie widerstrebend die führenden Medien nach der Kölner Sylvesternacht zugeben mussten, dass es tatsächlich Asylsuchende waren, die Frauen massenhaft bedrängten. Um ja nicht den „Rechten“ in die Hände zu spielen wurde, so weit möglich, am Bild des Fremden als „edlem Refugee“ festgehalten. Denn in seiner Gestalt verkörpert sich symbolisch das Opfer der deutschen bzw. europäischen Geschichte. Bevor er noch einen Fuß auf deutsches Staatsgebiet gesetzt hat, ist er ein Gläubiger, der seine Schulden einfordern kann.

Die Lust an der Buße trägt dabei unzweifelhaft masochistische Züge. Jetzt, wo rückständige und tribalistische Kulturen massenhaft einwandern, kann sie endlich mit Leben gefüllt werden. Dass – in der Regel – illegale Einwanderer an deutschen Bahnhöfen mit Stofftieren und Applaus begrüßt und als „Symbole der Hoffnung“ bezeichnet wurden, war mehr als eine hysterische Reaktion. Denn mit ihrer grenzenlosen Aufnahme konnte Deutschland zeigen, dass es bereit ist, seine nationale und egoistische Identität abzulegen. Ein Land, das seine Verbrechen endlich sühnen kann und die Chance erhält, den Beweis für seine Läuterung anzutreten. Da unser Reichtum allgemein, so der Konsens der „edlen Seelen“, auf der jahrhundertelangen Ausbeutung der „Anderen“ beruht, ist es nur gerecht und unsere moralische Pflicht die ganze Welt mit offenen Armen aufzunehmen um eine ubiquitäre (soziale) Schuld abzubauen und endlich die lang ersehnte Absolution zu bekommen: „Und auch wenn es hier noch nicht jeder Mensch begriffen hat, jede und jeder von euch ist eine Bereicherung für Deutschland”, so der grüne Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu im Juli 2015. Das war durchaus ernst gemeint.

Prinzipiell kann man also von einer Art Heiligsprechung des Fremden, des Migranten oder des Flüchtlings sprechen. Er allein kann den Komplex von Schuld und Buße auflösen und die Erlösung bringen. Den „Anderen“ als empirische Gestalt darf es aber nicht geben, er bleibt ein reines Abstraktum auf den man seine Xenophilie projiziert. Diese bleibt ein moralisches Ideal und endet spätestens da, wo ein Asylantenheim mit 300 jungen Männern in der Nachbarschaft errichtet oder das eigene Kind eingeschult wird.

III. Der Migrant ist der neue Säulenheilige der linken Utopie

Nachdem die ältere Linke im Arbeiter das revolutionäre Subjekt sah, ist heute längst der (nichteuropäische) Migrant, nun Schutzsuchender genannt, an Stelle des Proletariats getreten. Er ist der neue Säulenheilige der linken Utopie und soll das alte, müde und weiße Europa zugunsten der viel zitierten Vielfalt „bunt“ machen, d. h. die nationalen und kulturellen Identitäten zum Verschwinden bringen. Dieses Erlösungsphantasma, und als solches muss man es wohl betrachten, bringt ein Beobachter einer Delegiertenkonferenz der Grünen in Berlin auf den Punkt:

„Aber dann tauchte eine Handvoll Schwarzafrikaner auf der Bühne auf. Auf dem Leib hatten sie ein T-Shirt mit der schlichten Aufschrift LAMPEDUSA in BERLIN. Der momentan hippste Gral grüner Schuldgefühle: Lampedusa. Es war, als wären Heilige direkt bis in die Niederrungen eines Parteitages herabgestiegen, um die anwesenden Grünen mit einer kurzen Rede zu segnen. Ja, zu erlösen. Beinahe alle Grünen krümmten instinktiv etwas ihren Rücken, denn sie wussten: als Einwohner, gerade als weißer Einwohner Europas sollte man sich eines geraden Rückens entledigen.“

Die Erlösungsgeschichte findet im Multikulturalismus ihren präzisen Ausdruck. Nicht mehr die Befreiung des einheimischen Arbeiters (er gilt als besonders anfällig für „Rechtspopulisten“), sondern ethnische und kulturelle Minderheiten stehen nun im Mittelpunkt einer ausufernden Antidiskriminierungs- und Anerkennungspolitik. Das Feindbild ist heute so weniger die Bourgeoisie oder das Großkapital, wenngleich es immer noch existiert, als allgemein die weiße, christliche Mehrheitsgesellschaft und ihre dominante Kultur. Das erklärt auch die ansonsten vollkommen unverständliche affirmative Haltung breiter Kreise der „Linken“ zum Islam bei gleichzeitiger massiver Kritik an der eigenen christlichen Religion.

Der amerikanische Politikwissenschaftler Paul Gottfried sieht im Multikulturalismus eine rein kompensatorische Ideologie, die nach dem Zusammenbruch des Sozialismus quasi eine Leerstelle füllte. Über eine ubiquitäre Schuld-Rhetorik der liberal-christlichen Mehrheit gegen sich selbst greife, so Gottfried, „ein Opfer- und Minderheitenkult“ um sich, der, unter Ausnützung eines weit verbreiteten Selbsthasses, Europäern (und in geringerem Ausmaß) US-Amerikanern suggeriere, sie müssten sich für ihre Geschichte und Herkunft schuldig fühlen und Buße für „diskriminierendes Verhalten“ der Vergangenheit und Gegenwart leisten: „Das liberale Christentum verbindet nämlich die modischen Rituale westlicher Selbstablehnung, in denen die tradierten protestantischen Auffassungen über Individualität und Gleichheit mitschwingen, mit dem gefallenen Stand des Sünders bzw. Ausdrucksformen wie Selbsterniedrigung und Selbsterhöhung, wie sie sonst Heiligen zu eigen sind.“

Insbesondere die protestantischen Vorstellungen von Sünde und Erlösung haben eine exzessive Schuldethik hervorgebracht, denn anders als der Katholizismus kennt der Protestantismus kein Bußsakrament, das für persönliche Schuld formale Abbitten kennt. Es ist wohl kein Zufall, dass in den katholisch geprägten Ländern Europas wie Italien, Österreich oder Frankreich, der Widerstand gegen den radikalen Islam, den Genderdiskurs oder allgemein gegen die politische Korrektheit stärker ausgeprägt ist als in den protestantischen. Deutschland (mit Ausnahme vielleicht des katholischen Bayern) ist, trotz des lautstark beklagten Rückgangs des Christentums nicht atheistisch, sondern imaginiert sich – zugespitzt – als Christus, der sterben muss, um die Menschheit von ihren Sünden zu erlösen. Unwillkürlich muss man dabei an die bekannte Formel: „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ denken.

IV. Verstärkt wird dem Bürger vorgeschrieben wie und was er zu denken hat

Die „Sünde“ des normalen Bürgers besteht heute in „diskriminierendem Verhalten“, der Verweigerung der Willkommenskultur und der Absage an die propagierte Bereicherung des eigenen Lebens durch den ungeregelten Zuzug Hunderttausender aus tribalistischen und patriarchalen Kulturen. Deshalb ist es eine weit verbreitete Pflicht für deutsche Politiker geworden „rassistische Anteile“ der eigenen Bevölkerung (Pack, Ratten, Mob, Dunkeldeutsche) lautstark medial anzuklagen, moderne Entsprechungen der öffentlichen Buße heiliger Männer in einer Welt die als xenophob und zutiefst verdorben eingestuft wird. Den manischen Schuldvorwurf an die eigene Herkunftskultur findet man speziell auf Seiten der politischen Linken, inzwischen hat er aber auch in der CDU und sogar in Teilen der CSU eine Heimat gefunden.

Die bunte Republik, die vielzitierte Diversität, die kulturelle Bereicherung – all das soll von jedem Bürger umstandslos als alternativlose Tatsache betrachtet werden, ansonsten gilt man schnell als Reaktionär, Rassist oder Ewiggestriger. Auf politischer Ebene können wir beobachten, dass Sanktionen und Drohungen mächtiger EU-Staaten gegen Mitgliedsstaaten deren Bevölkerung für Parteien stimmen, die in Gegnerschaft zum Multikulturalismus bzw. einer ungeregelten Einwanderung aus dem islamischen Kulturkreis stehen, üblich geworden sind. Der moralische Druck, durch Politik und Medien, täglich ausgeübt, führt bei vielen dazu, dass im eigenen sozialen Umfeld alles abgewertet wird, was sich der offiziellen Willkommenskultur verweigert.

Anderen Religionen, Ethnien und Kulturen wird aber umgekehrt vieles zugestanden, um das eigene Schuldbegehren zu befriedigen und zu moralischer Größe zu gelangen. Persönliche Haltungen, Sympathie und Antipathie werden dabei zunehmend von Politik und Medien zu Akten der Normanerkennung bzw. -verletzung gemacht. Deutschland verwandelt sich, parallel auf dem Weg zu einem Failed State (Verlust der Grenzkontrolle, Entstehung rechtsfreier Räume, Bruch geltenden Rechts etc.), mehr und mehr in einen therapeutischen Staat mit einem strengen Katechismus zur Toleranz, permanenten Schuldvorwürfen (Rassismus, Xenophobie) und der Etablierung neuer Heiliger und Erlöser. Der therapeutische Staat, so Paul Gottfried, „arbeitet daran, eine multikulturelle Gesellschaft aufzubauen, die sich der „Verschiedenheit“ verschrieben hat, indem er seine Bürger als Resozialisierungsobjekte betrachtet. Einige (Minderheiten) werden in ihrer Identität gefördert, (…) anderen (der Mehrheitsbevölkerung) wird nahegelegt, von ihren tradierten Identitäten, die ihnen als ablehnenswert dargestellt werden, Abstand zu nehmen.“

Verstärkt wird dem uneinsichtigen Bürger mit Beginn der sog. Flüchtlingskrise, bei Strafe sozialer und rechtlicher Ächtung, vorgeschrieben wie und was er zu denken hat. Die öffentlich-rechtlichen Medien sind fast durchgehend zu einer Art von staatlich gelenktem Erziehungsprogramm geworden. Die tägliche Realität und die wachsenden Probleme der schrankenlosen Einwanderung können aber immer weniger geleugnet werden. Noch sind die maßgeblich Verantwortlichen nicht bereit, ihre Politik in Frage zu stellen und den grundlegenden Irrtum einzugestehen, der eine Umkehr erst möglich macht. Wie lange noch? Zeit dafür ist keine mehr vorhanden.

Dr. Alexander Meschnig ist Psychologe, Politikwissenschafter und Publizist. Er lebt seit Anfang der 90er Jahre in Berlin.

Leserpost (15)
jürgen Struckmeier / 25.02.2016

Hervorragender Beitrag! Insbesondere der Abschnitt über die Folgen des Fehlens des Bußsakraments im Protestantismus erklärt, warum sich das vergleichbare Phänomen in Schweden beobachten lässt. Der oftmals vorgebrachte Erklärungsversuch, die Deutschen wollten mit der “Willkommenskultur” die Verbrechen der Jahre 1933-1945 “sühnen”, trägt im Falle Schwedens nämlich nicht. Schon Hans Magnus Enzensberger vermutete Anfang der 1990iger in seinem Buch “Die große Wanderung”, dass der Selbsthass mit “der politischen Kultur der Protestantismus” zusammenhängt.

Holger Schnepf / 23.02.2016

Der Multikulturalismus ist ein linkes soziales Experiment, wie weiland der Sozialismus/Kommunismus: die Hybris zu glauben, man könne den Menschen staatlich gelenkt umerziehen. Zuwanderung hat solange gut funktioniert, wie es selbstverständlich war, dass die einheimische Ethnie (die Deutschen also) die Mehrheit bleiben würden. Nun aber bildet sich eine tribalisierte und balkanisierte Gesellschaft in Westeuropa. Mit Multikulti machen die Linken den gleichen Fehler wie einst mit dem Sozialismus. Beides funktioniert nicht. Die Frage ist nur, ob wir wie im Falle des Sozialismus wieder hunderte Millionen Toter brauchen, bevor die Linken es kapieren. Menschen sind tribalistische Wesen. Sie tun sich naturgemäß mit ihresgleichen zusammen. Es gibt genug wissenschaftliche Studien die beweisen, dass je ethnisch homogener ein Staat ist, um so sicherer, umso weniger Kriminalität, umso größer Gemeinsinn und Vertrauen. Das sind Fakten, und diese liegen in der unabänderlichen menschlichen Natur. Ebenso scheiterte der Sozialismus daran, dass es nicht wahrhaben wollte, dass die Natur des Menschen die des Konkurrenzkampfes ist. Nun also nach dem Kommunismus das zweite globale Menschen-Experiment der Linken, der Multikulturalismus.

peter luetgendorf / 23.02.2016

Lieber Herr Meschnig, alles richtig. Aber ich bin sehr pessimistisch. Die Aufklärung ist an vielen deutschen Politikern spurlos vorbeigegangen. Gruß Peter Lütgendorf

Rainer Koch / 23.02.2016

Lieber Herr Meschnig ! Welch schöne fachliche Analyse. Mir fehlt allerdings noch ein zentraler Aspekt: Mit dem Mittel der Schuldanmaßung, für das die Mitscherlichs und andere den ideologischen Boden bereitstellten, ist es für viele der Spätergeborenen möglich, quasi virtuell teilzuhaben an der fantasierten und in ihrer Monströsität unvergleichlichen scheinbaren “Grandiosität” der NS-Zeit und somit der eigenen Vorfahren. Wer Schuld trägt, war mit dabei ! Diese Teilhaben erfolgt zwar in einer Negativschablone und selbstberuhigend in Ablehnung, Bekämpfung und auch stellvertretender Wiedergutmachung an welchen vermeintlichen Opfern auch immer, verhindert aber eine wirkliche innere Auseinandersetzung mit der Zeit und auch dem immer wieder im Deutschen verorteten Keim des Bösen, also dem “Nazi in uns allen”. Der bleibt somit dauerhaft lebendig, bedrohlich, mystisch überhöht und befriedigt sowohl Sehnsüchte nach Vergebung wie auch nach Grandiosität. Wir erobern zwar nicht mehr die Welt, sind aber schuldhaft für alle Übel allerorten irgendwie mitverantwortlich (Waffenhandel, geschichtliche Verantwortung, Geldpolitik, Wirtschaftspolitik) und erlösen weltweit die Opfer von dem Bösen (etwa in der Fantasie der Bekämpfung von Fluchtursachen).  Das lassen wir uns auch von niemandem sonst in der Welt nehmen und bleiben somit die moralischen Übermenschen der Nach-NS-Ära. Sie finden nirgendwo sonst soviel glühende Hitlerverehrer wie bei der bundesgrünen Glaubensgemeinschaft, wie man ja auch jede Menge gottgläubiger Menschen in der Verkehrung der musikalischen Teufelsanbetung bei Heavy Metall Konzerten sieht. Der Antichrist erhält dort seine Macht durch die implizite Existenz Christi wie auch der Antifaschist heutiger Tage seine Existenz auf der verborgenen Verehrung der Größe des Faschismus aufbaut. Somit ist die Wiederkehr des Faschismus in der Gestalt des Antifaschismus, wie heute allerortens zu beobachten, eine logische Konsequenz.    

Werner Gerhard Liebisch / 23.02.2016

Ja und nun, sie macht weiter wie bisher. Warum werden keine Unterschriften gesammelt etc. etc..250.000 in Berlin gegen TTIP, es geht doch. Da lobe ich mir die grössere Demonstrationsbereitschaft in anderen Ländern. Deutschland erinnert mich an die Costa Concordia. Ist da niemand der das Schiff mit einem unzurechnungsfähigem Steuermann wieder auf Kurs bringen kann? So bleibt nichts anderes übrig als den 13. März abzuwarten.

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