Henryk M. Broder / 27.04.2010 / 01:47 / 0

Schnäppchen aus Bad Boll

Die Evangelische Akademie Bad Boll, in deren Räumen schon so manches Problem debattiert und gelöst wurde (die Besetzung Tibets durch China, die Herrschaft von Robert Mugabe in Simbabwe, die Lage der Bürger- und Menschenrechte auf Kuba) lädt zu einer Tagung über das Binnenverhältnis zwischen der Fatah und der Hamas und deren jeweilige Haltung gegenüber Israel ein: “Partner für den Frieden - mit Hamas und Fatah reden”. In der Einladung lesen wir:

“Warum wird die Hamas vom Westen isoliert, die früher als Terrorgruppe bezeichnete Fatah dagegen umworben? Die Hintergründe beider Strömungen und die Eskalationen zwischen ihnen werden ebenso diskutiert wie Ansätze für einen Dialog. Warum ist es für die Israelis wichtig, mit beiden zu reden? Was trauen wir uns in Deutschland bezogen auf den Konflikt zu? Eine Tagung im Gespräch mit Vertretern von Hamas, Fatah und aus Israel, mit deutschen Abgeordneten und Fachleuten”, zu denen auch der OB der Stadt Jena gehört, dessen Stadt bekanntlich jahrelang unter dem Beschuss durch selbst gebastelte Raketen aus dem Grenzgebiet zwischen Thüringen und Sachsen-Anhalt leiden musste.

Bemerkenswerter noch als die Liste der Teilnehmer ist freilich ein Hinweis, den Sie finden, wenn Sie das “Detailprogramm als PDF” anklicken: “Gefördert durch die Bundeszentrale für politische Bildung”.

Nun ist dieser Tage nichts unmöglich. Dass aber die Bundeszentrale für politische Bildung eine Tagung fördern könnte, an der auch ein Hamas-Vertreter teilnimmt, scheint doch recht gewagt, macht doch die Hamas aus ihrer Absicht, das ganze Palästina von der zionistischen Besatzung befreien zu wollen, kein Geheimnis. Das sichert ihr die Sympathien derjenigen, die sich der Palästinenser annehmen, weil sie darauf hoffen, dass es denen eines Tages gelingen könnte, den Job zu Ende zu bringen, den die Nazis unvollendet abbrechen mussten: Die Endlösung der Judenfrage, diesmal im Nahen Osten. Deswegen ist die zur Kompromissen neigende Fatah in Verschiss geraten, während die Hamas hohes Ansehen geniesst, nicht obwohl, sondern weil sie sich ganz demokratisch an die Macht geputscht hat.

Allein: Der Direktor der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, weiss nichts von seinem Glück. Auf Anfrage teilt er mit, dass die Veranstaltung bei der BpB “nicht eingereicht wurde und wenn, dann nicht einmal erwogen wird, sie zu fördern”. So etwas würde den “Richtlinien” der BpB widersprechen.

Die Tagungsgebühr beträgt 30.- Euro, für Vollpension im Doppelzimmer muss man 122,20, im Einzelzimmer 148.- hinlegen. Ein echtes Schnäppchen, für das man sonst nicht mal die Gelegenheit bekommt, neben einem ganz normalen Gangster zu liegen. Außer in Bad Boll.

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