Wolfgang Röhl / 18.03.2017 / 06:16 / Foto: Ot / 15 / Seite ausdrucken

Richter Endlos: Der Kinski mit der roten Robe

Der Karlsruher Bundesrichter Thomas Fischer besitzt einen Intimfeind. Spätestens, seit er mit diesem in einer Talkshow zum Thema: „Polizisten – Prügelknaben der Nation?“ aneinanderrasselte. Der Kontrahent heißt Rainer Wendt  und ist Bundesvorsitzender der „Deutschen Polizeigewerkschaft“. Er hatte den gern sich selbst lauschendem Fischer irgendwann im Laufe der Sendung angeblafft: „Haben wir’s jetzt?“. Und dabei frech die Armbanduhr präsentiert.

Seither steht der Bulle unter strenger Beobachtung des Richters. Die beiden haben, was das Kriminalitätsgeschehen in Deutschland angeht, sowieso deutlich unterschiedliche Positionen.

Wendt, bekennender Law-and-Order-Mann, geriet kürzlich ins Schussfeld interessierter Kreise, weil seine offenbar übliche, gleichwohl umstrittene langjährige Freistellung vom Polizeidienst sowie einige bezahlte Nebentätigkeiten Fragen aufwarfen. Fischer machte sich flugs außerdienstlich schlau und verkündete das von ihm Recherchierte in seiner aktuellen „ZEIT“-Kolumne: „Überbezahlte Bezüge sind im Rahmen des Paragraf 15 Abs. 2 zurückzufordern.“

Hallo? Ein Bundesrichter? Hat eine "ZEIT"-Kolumne? Ja, wirklich. Fischer verfasst für „ZEIT ONLINE“ und auch für das Mutterblatt regelmäßig voluminöse Aufsätze unter der programmatischen Rubrik „Fischer im Recht“. Oft handelt es sich um mäandernde, nicht enden wollende Wortkaskaden, die selbst Fischer-Fans an Geduldsgrenzen bringen.

Nannte man den Hamburger Richter und kurzzeitigen Gaga-Politiker Ronald Schill einst „Richter Gnadenlos“, so gebührt dem auf vollkommen andere Art schillernden Fischer das Prädikat „Richter Endlos“. Er quatscht und tratscht und watscht in der Zeit so ungefähr alles ab, was ihm sauer aufstößt. Zum Beispiel seiner Ansicht nach ahnungslose Journos oder rechtsunkundige Politiker oder tumbe Normalbürger. Welche allesamt die komplexen, nur einem qualifizierten Personal (wie ihm) zugänglichen Geheimnisse der Rechtsprechung einfach nicht schnallen. Solchen Dummbeuteln liest er die Leviten.

Ein echter Freak, Punk mit Pensionsberechtigung

Und wie! Fischer versteht es, wie ein Rohrspatz zu schimpfen, aber auf hohem Satireniveau. Wenn er sich so richtig in Rage geschrieben hat, mutiert er glatt zum Kinski der Jurisprudenz. Deren Vertreter rollen mit den Augen, spricht man sie auf Fischer an. Das „Mäßigungsgebot“, dem Richter unterliegen – die obersten der Republik selbstredend zuvörderst -, es ist für einen wie Fischer ungefähr so verpflichtend wie das Tempo-30-Schild für Ku’dammraser.

Ein echter Freak, Punk mit Pensionsberechtigung. Wollte als junger Mensch lieber mit einer Rockband durch die Welt tingeln, als in muffigen Gerichtssälen abhängen. Was leider nicht klappte. Verständlich, dass es den verhinderten Gitarrengott im Alter schon mal nach lautstarken Gigs dürstet.

Nur stellt sich da die Frage: Was, bitte, treiben die Leute vom Bundesgerichtshof (BGH) den lieben langen Tag? Wo finden BGH-Vorsitzende die Zeit, neben dem Beurteilen von strittigen Großsachverhalten auch noch Medien vollzutexten? Auf "ZEIT ONLINE" erscheinen nicht selten Fischer-Kolumnen, die sich über sieben Seiten erstrecken. Oft sehr hübsch ausformuliert, unankratzbar rechthaberisch grundiert, versetzt mit feinen Sottisen, grimmigen Seitenhieben und juristischen Sahnehäubchen. Man könnte neidisch werden. Wie, verdammt, schafft es der Legal Eagle bloß, das alles neben seinem Richterjob zu wuppen, und zwar fast jede Woche aufs Neue?

Ich bin Journalist, seit Jahrzehnten ans Schreiben gewöhnt. Für siebenseitige "ZEIT"-Ergüsse würde ich wenigstens zwei oder drei Tage benötigen. Ist Richter Endlos also ein Genius der Produktivität, der nach vollbrachter Aktenfresserei am BGH rastlos in einer Kemenate bis zum Morgengrauen an Zeit-Artikeln feilt? So schaut er eigentlich nicht aus.

Und was ist des Fischers Lohn, abgesehen vom publizistischen Ruhm? Klar, deutsche Richter jeder Rangstufe dürfen – sie sollen sogar - schon mal Vorträge halten oder auf Fachtagungen auftreten. Dafür können sie auch Honorare kassieren. Das läuft unter Rechtspflegekultur. Aber seit wann ist "DIE ZEIT" ein Forum für Rechtspflege? Und wie viel zahlt ihm die Redaktion, bei der er immer vollumfänglich im Recht sein darf? So roundabout, übers Jahr? Fragen über Fragen. Wie bei Rainer Wendt.

Vielleicht spendet Fischer die Erlöse aus seiner Schimpftiradenmanufaktur für hehre Zwecke? Etwa einem Fonds zur Unterstützung schuldlos in Not geratener Richter? Oder sind seine ergötzlichen Pöbeleien für eine Koryphäe wie ihn, der vom Staat wahrscheinlich mit monatlich 10.000 Euro oder so abgespeist wird, als Zubrot überlebensnotwenig? Wäre womöglich nachvollziehbar.

Doch weshalb schifft dieser chronisch nebentätige Fischer dann dem Polizeigewerkschafter Wendt ans Bein, ausgerechnet wegen dessen Nebentätigkeiten? Fischer, ein Rätsel aus Karlsruhe.

Kürzlich kündigte er an, demnächst mit Erreichen des 64. Lebensjahres in den vorzeitigen Ruhestand zu treten. Das Wehgeschrei beim BGH soll leicht verhalten geklungen haben. Den geneigten "ZEIT"-Lesern blüht daher in Bälde wohl noch mehr Fischer. Im und zu Recht.

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Leserpost (15)
Jürgen Düker / 18.03.2017

Ich habe die Talkshow mit verfolgt, Herr Röhl. Um das in Ihren Worten auszudrücken, war Herrn Fischer der Hass in sein Gesicht gemeißelt, einem aufmerksamen Zuseher dürfte das nicht entgangen sein. Gerade Herrn Fischer sollte es darum gelegen sein, Themen kontrovers zu behandeln, schon als Bundesrichter stünde es ihm zu Gesicht, alles andere in seiner Position und daraus folgenden Konsequenzen ist im Hinblick auf unsere Rechtstaatlichkeit, gelinde ausgedrückt besorgniserregend. Schönes Wochenende allen Autoren und Mitforisten der Achse J.D

JF Lupus / 18.03.2017

Bitte, Herr Röhl, Kinskie war ein begnadeter, wenn auch aehr exzentrischer Schauspieler. Fischer ist ein narzistischer, rechthaberischer Sxhwätzer. Beide in Zuammenhang zu bringen, ist eine arge Beleidigung des Mimen.

Horst Jungsbluth / 18.03.2017

Endlich einmal einer, der sich an den Bundesrichter Thomas Richter heranwagt, der Kritik an die nun wirklich kritikwürdige Justiz nicht zulässt und die Kritiker rüde und pöbelnd niedermacht. Das mussten auch “Promis” wie der ehemalige Arbeitsminister Blüm erfahren, dessen Abrechnung mit der Justiz in dem Buch “Einspruch” in der Zeit-Kolumne von ihm “in der Luft zerrissen wurde”.  Als Opfer der “Verfehlungen” (milde ausgedrückt) des 1989 mit freundlicher Unterstützung der SED gebildeten SPD/AL-Senats, der nach einem Strategiepapier mit gefälschten!!! Vorschriften und unzutreffenden Gründen unter schlimmstem Missbrauch der Verwaltungsgesetze unbescholtene Bürger “mit gleichgeschalteten Ämtern, Justiz und sogar der Wissenschaften” (so der damalige Oppositionsführer Diepgen (CDU) im Abgeordnetenhaus)  wie Verbrecher verfolgen ließ, kommentierte ich auf ZON einige seiner Beiträge, was er im Gegensatz zu vielen anderen ignorierte. Ich sandte dann an seine Anschrift die Kopie eines an den damaligen Berliner Justizsenator Körting (SPD) gerichteten offenen Briefes, der drei denkwürdige Tage am Amtsgericht Tiergarten protokollierte, wo eine bestialisch tobende, total unfähige Richterin B. schlicht vergaß, dass sie nicht am “Volksgerichtshof” Unrecht sprach. Es gab zunächst keine Reaktion von Fischer, aber die folgte dann später auf meinem Kommentar zu einem seiner Beiträge, als er mir ganz offenkundig wutschnaubend und etwas kopflos die Übersiedlung nach Nairobi, Bangkok oder immerhin Montreal nahelegte und seine Hilfe anbot. Mexiko-Stadt hatte er nicht im Angebot, denn da bin ich 1999 nach Morddrohungen und anderen Einschüchterungen aus Angst um mein Leben hin geflüchtet. Ich frage mich und andere tun das auch in Berlin, in welchem Staat leben wir eigentlich schon wieder?

Anna Guarini / 18.03.2017

Ich habe einmal einen Kommentar von ihm über Ausländerkriminalität gelesen. Da waren “Argumente” drin, etwa über Afghanistan, dass man daran zweifeln sollte, ob “Richter Endlos” der passende Nickname für ihn wäre. Eher schon Richter “Richter Hirnlos”. Aber im Vergleich zu seiner Kollegin Susanne Baer am Verfassungsgericht ist er noch eine Intelligenzbestie. Man lese Baers Aufsatz “Options of Knowledge” (im Internet). Hier wird dem Prinzip der Qualität wissenschaftlicher Arbeit das Prinzip der Geschlechtergleichheit als gleichberechtigtes Beurteilungskriterium zu-, wenn nicht übergeordnet. Wenn solche Leute hohe Richter in einem Staat werden können, muss man sich über diesen Staat keine Sorgen mehr machen. Er ist bis auf den Grund dekadent.

Martin Lederer / 18.03.2017

Ich habe diesen Richter einmal bei einer Talkshow mit Frau Maischberger erlebt. Seitdem ist meine Meinung zu diesem Richter und eventuell sogar dem Richterstand allgemein sehr negativ geworden.

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