Rainer Bonhorst / 22.01.2010 / 21:22 / 0 / Seite ausdrucken

Reisewarnung

Schamlosigkeit bis hin zur Perversion ist ein Markenzeichen autoritärer Regime, zumal autoritärer islamischer Regime. Die Rechtsprechung in Abu Dabi liefert dafür ein bodenloses Beispiel. Einem weiblichen Vergewaltigungsopfer droht ein Prozess und eine Gefängnisstrafe, während ein blaublütiger Gewalttäter gerade seinen Freispruch feiert.

Der Gewalttäter, Scheich Isa bin Zayed al-Nahyan, ein Halbbruder des Präsidenten der Vereinigten Arabischen Emirate, wurde dank Unzurechnungsfähigkeit freigesprochen. Ein Video, das zeigt, wie er und zwei Kumpane, einen Mann brutal foltern, ging um die Welt, aber der Prinz geht nicht ins Gefängnis. Er sei von seinen Mitfolterern unter Drogen gesetzt worden und darum nicht verantwortlich für seine Taten. Und schwupp, war er frei.

Eine junge Engländerin hatte bei der Polizei im gleichen Ländchen Anzeige erstattet, weil sie in ihrem Hotel vergewaltigt worden sei. Unklugerweise sagte sie auch, sie habe mit ihrem Verlobten Sex gehabt. Und schwupp, jetzt droht ihr ein Prozess wegen vorehelichen Geschlechtsverkehrs, einer Betätigung, bei der die Scharia wenig Gnade kennt.

Was soll man zu einer solchen Perversion des Gerechtigkeitsgefühls sagen? Eigentlich nur dies: Nach Abu Dabi sollte man möglichst nur als Scheich gehen. Als Frau sollte man das Land meiden. Und wenn man als Frau hingeht, sollte man sich nicht vergewaltigen lassen. Und wenn man vergewaltigt wird, sollte man nicht zur Polizei gehen. Und wenn man zur Polizei geht, sollte man nicht sagen, dass man freiwilligen liebevollen Geschlechtsverkehr mit dem Verlobten hatte, weil die Polizei das abscheulicher findet als eine bloße Vergewaltigung.

Diese Reisewarnung gilt nicht nur für Abu Dabi und die Vereinigten Arabischen Emirate sondern für alle Länder, in denen die Scharia fröhliche Urständ feiert. 

Siehe auch:
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/0,1518,673504,00.html

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