Manfred Haferburg / 24.09.2017 / 14:25 / Foto: Bildarchiv Pieterman / 6 / Seite ausdrucken

Schiffen gegen Trump

In der Welt der Bekloppten und Bescheuerten gibt es tatsächlich noch Themen, die nichts mit der Bundestagswahl zu tun haben. So ist die Kritik an Trumps Bösartigkeit und Idiotie in der letzten Zeit ein bisschen zu kurz gekommen. Zum Glück gibt es noch Journalisten, die dies bemerken und brav dagegen anschreiben.

Der Stern-Online Titel lautet  "Protest gegen Trump: Künstler sammelt 750 Liter Urin in einem Tank".

„Pissed" ist auf Englisch gesagt jemand, der so richtig sauer und verärgert ist - oder im wörtlichen Sinn eben "angepisst". Der kandische Künstler Cassils zielt auf diese Formulierung ab: Gut ein halbes Jahr lang hat er mehr als 750 Liter seines Urins gesammelt, die nun in einem Tank in einer New Yorker Galerie zu sehen sind. Vom Geruch bleiben Besucher verschont: Der Behälter hat einen Deckel.

Mit der ungewöhnlichen Installation kritisiert der Transgender-Künstler aus Kanada die Regierung von US-Präsident Donald Trump. Dieser hatte am 22. Februar die von seinem Vorgänger Barack Obama geschaffene Freizügigkeit für Transgender-Menschen rückgängig gemacht. Die Regelung hatte es Transgendern freigestellt, welche Toiletten und Umkleideräume sie etwa in Schulen und Universitäten nutzen.“

Der Künstler sammelte seinen Urin in 200 orangefarbenen Plastikflaschen, die mit dem jeweiligen Datum versehen ebenfalls in der New Yorker Feldmann-Galerie zu sehen sind. (Es lohnt sich durchaus, mal ein paar Kunstwerke dieser Galerie anzuklicken). Das neue Cassils-Kunstwerk besteht darin, in zweihundert orangefarbige Plastikflaschen zu pieseln, ein Datum draufzuschreiben und dann den Inhalt in einen großen Tank zu gießen und den aus Protest gegen Trumps Ignoranz und Voreingenommenheit auszustellen. Was will uns die braungelbliche Pisse eigentlich sagen? „Die braungelbliche Flüssigkeit wirkt in dem würfelförmigen Tank auf den ersten Blick eher wie eine Ursuppe aus einem anderen Zeitalter oder eine giftige chemische Substanz.“ findet der Stern-Kunstkritiker feinsinnig.

Die eigentliche künstlerische Leistung besteht aber nach meinem Dafürhalten in der Urinmenge von 750 Litern in 200 Tagen – das macht durchschnittlich 3,75 Liter pro Tag. Da muss der Künstler aber ordentlich gesoffen haben. Oder hat er gar bei seinem Eigenurin-Kunstwerk etwa geschummelt und etwas Fremdurin beigemischt?

Foto: Bildarchiv Pieterman
Leserpost (6)
Gernot Eyssler / 25.09.2017

Ist das Kunst, oder kann das weg?

Brigitte Mittelsdorf / 24.09.2017

Das “Kunstwerk’ ist schon widerlich. Aber noch widerlicher sind diejenigen, die diesem sinnentleerten Schwachsinn einen höheren Sinn verleihen wollen. “Ursuppe aus einem anderen Zeitalter…”  Da wird mir doch glatt übel!

Thomas Nuszkowski / 24.09.2017

ZITAT: “Oder hat er gar bei seinem Eigenurin-Kunstwerk etwa geschummelt und etwas Fremdurin beigemischt?” Oder hat er etwa Coca Cola und Fanta gemischt? Wer geht das Risiko ein, lüftet den Deckel und nimmt den ersten Schluck (würg)?

Peter Zentner / 24.09.2017

“Da muss der Künstler aber ordentlich gesoffen haben.” Vermutlich ja, aber das in Mode gekommene Craft Beer, von seltsamen Zeitgenossen mit ebenfalls seltsamen Zutaten gebraut, dürfte reichen. Und welches Volumen Transgender-Blasen haben, kann man sich ausmalen oder (in zugeneigten Fällen) erschnuppern. Wie dem auch sei: Es handelt sich um Kunst, basta! Die nächste “ducumenta” wird sich davon inspirieren lassen, da bin ich sicher. Der Schritt zu schnittfesten Exkrementen als Kunstwerk drängt sich förmlich auf.

Karla Kuhn / 24.09.2017

Meine Schwester (FÄ für Nephrologie, paßt sogar zum Thema) meinte immer, wenn irgendwelche Gestalten etwas absurdes bewirken wollten. Draußen laufen mehr Durchgeknallte rum, als drinne sind.

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