Henryk M. Broder / 10.01.2013 / 00:37 / 0

Pawlowsche Reflexe - mal rein praktisch gesehen

SPON berichtet in einer vollkommen sachlichen Meldung über einen bevorstehenden Wechsel im Obama-Kabinett: Jack Lew soll neuer US-Finanzminister werden. Worauf unter den Lesern eine Debatte ausbricht, ob es der richtige Mann für den richtigen Job ist. Eigentlich ein ganz normaler Vorgang, wenn man bedenkt, dass 90% der Deutschen Obama gewählt hätten, wenn sie das undemokratische US-Wahlrecht von der Teilnahme nicht ausgeschlossen hätte. Klar, dass sie auch bei der Besetzung der Kabinettsposten mitreden wollen.

SPON-Leser Martin-Z. macht einen noch relativ sachlichen Vorschlag:

der typ wird mit sicherheit der sargnagel der weltwirtschaft. unglaublich was in den usa und den westlichen ländern für gurkentruppen am werk sind. irgendwie verständlich, dass länder wie china, russland und syrien keinen bock haben, sich sowas aufdrücken zu lassen. dieser mann muss verhindert werden….MIT ALLEN MITTELN!

Hugahuga wird schon eine Spur deutlicher:

Es fällt auf, dass wenn es um Finanzen in den USA geht, sich hier in erster Linie ,jüdisches Fachwissen’ durchsetzt. Bernanke, Geithner, Lew und wie sie alle heissen.

Leser Veleg bringt es dann vollends auf den Punkt:

mal rein praktisch gesehen ist der Talmud das einzig religöse werk was Wuchern erlaubt. allerdings auch nur wenn juden die zinsen von nicht juden nehmen, sonst ist es sünde. also so gesehen wär muslimisches Fachwissen vielleicht doch besser, die nehmen keine zinsen und hatten keine Bankenkriese.

Deutsch sein und Deutsch können sind noch immer zwei paar Schuhe. Seltsam ist nur, dass Leute, die keine Ahnung haben, wie der Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt heisst, so genau über die Religionszugehörigkeit amerikanischer Politiker Bescheid wissen. Aber das hat natürlich nichts mit Antisemitismus zu tun. Es sind nur antisemitische Klischees, die zum Zuge kommen. Auch dabei handelt es sich um zwei ganz verschiedene Paar Schuhe. Und genau genommen ist es nur legitime Judenkritik.

Womit es in der Tat nichts zu tun hat, ist Spiegel online. Die gleiche Art von Leser-Kommentaren findet man auch auf den Online-Seiten der Zeit, des Tagesspiegels, der Welt, der FR und anderer Qualitätsmedien.

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