Manfred Haferburg / 07.05.2017 / 14:30 / Foto: Cezary p / 3 / Seite ausdrucken

Paris während der Wahl – Wasserstandsmeldung 6

In Paris wird gewählt, die Stichwahl. Die Franzosen dürfen entscheiden, wer die Grande Nation in den nächsten fünf Jahren anführen wird. Das gibt es tatsächlich, man glaubt es kaum: in manchen demokratischen Ländern müssen sich die Staatschefs dem Volke direkt zur Wahl stellen. Der weise Herr Lammert hätte da große Bedenken, dass das Volk eine so wichtige Entscheidung überhaupt rafft. Die können doch nur einfache Antworten auf komplizierte Fragen.

Die Franzosen werden in großer Zahl zur Wahl schreiten. Weil sie wirklich eine Wahl haben. Schon in den Vorentscheiden wurden die sozialistisch-einheitlichen Etablierten schlicht weggewählt. Der Außenseiter Macron oder die verteufelte Le Pen stehen zur Stich-Wahl. Das wird eine Richtungswahl: Macron steht für „weiter so“ und Le Pen steht für „halt, kehrt, marsch“. Egal wer gewinnt. Vive la France, es wird demokratisch gewählt.

Für Deutschland hat die französische Wahl eine riesige Bedeutung. Ein Gespenst geht um in Deutschland und in der etablierten EU, das Gespenst des Willens der Völker. Wenn Le Pen gewinnen sollte, dann ist Deutschland von Feinden umzingelt: USA, England, Polen, Ungarn, Russland, die Slowakei, Tschechien und ein bisschen Österreich. Auch die Griechen sind weniger dankbar, als man meinen sollte. Und dann auch noch Frankreich. Doch den vom Guten Überzeugten kommen keine bangen Fragen.

Daher auch hat ganz Frankreich atemlos und ungeduldig auf die Benotung der französischen Kandidaten durch das diplomatische Schwergewicht Sigmar Gabriel gewartet. Im letzten Moment, als schon alle Franzosen nach seinem Rat lechzten, hat sich der deutsche Außenminister mit aller finesse allemande und der gebotenen Zurückhaltung doch noch erweichen lassen dem französischen Wähler seinen weisen Ratschlag zu erteilen. "Le Pen ist gegen den Euro und will die Bürger über einen Austritt Frankreichs aus der EU abstimmen lassen."

Wo kommen wir denn da hin, wenn die Bevölkerung über so etwas Wichtiges abstimmen dürfte? Und dann zeigte der deutsche Außenminister noch einer knappen Hälfte der französischen Wähler den berühmten Gabriel-Finger: „Man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert, wenn die Rattenfängerin die nächste französische Präsidentin wird“. Jetzt muss er nur noch hoffen, dass er nicht im Falle des Falles madame le président Le Pen in seiner Außenminister-Funktion die Aufwartung im Elysée machen muss. Es könnte ihm so sonst gehen wie seinem Vorgänger Steinmeier, der den heutigen US-Präsidenten vor der Wahl als Hassprediger titulierte, weil er sich ganz sicher war, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. Oder noch schlimmer, es könnte im so gehen, wie dem Außenminister Gabriel bei seinem Antrittsbesuch in Israel. Deutsche Außenpolitik, „grand blabla, petit esprit“. Zum Glück ist es fraglich, ob der weise Ratschlag die Franzosen noch rechtzeitig erreicht, um sie von der falschen Wahl abzuhalten.

Wenn ich deutscher Steuerzahler wäre, würde ich mich eher vor Macron fürchten, als vor Le Pen. Macron wird sehr viel deutsches Steuergeld brauchen, um sein „weiter so“ finanzieren zu können. Und das Lustige an der Sache ist: er wird es bekommen.

Leserpost (3)
Fanny Brömmer / 07.05.2017

” Macron wird sehr viel deutsches Steuergeld brauchen, um sein „weiter so“ finanzieren zu können. Und das Lustige an der Sache ist: er wird es bekommen.” Nun, ob das wirklich lustig ist, hängt davon ab, ob man Franzose ist, also die Hand aufhält, oder Deutscher, der völlig ungefragt den entspannt - mediterranen Lifestyle jetzt auch noch der Franzosen finanzieren darf. Wer hat noch gleich gesagt, Maastricht wäre wie Versailles, nur ohne Krieg? Diese hemmungslose Plünderung Deutschlands und der Deutschen wird erst aufhören, wenn unser Land entweder leer geplündert und voll islamisiert ist. Oder wenn uns endlich der Kragen platzt und wir die Kollaborateure in der Regierung zum Teufel jagen. In der DDR dauerte das weiland nur einige Wochen.

Volker Matthes / 07.05.2017

Hallo Herr Haferburg, danke für die vielen Beiträge zur Präsidentschaftswahl in Frankreich. Diese waren, wie auch die 2 Beiträge auf der Achse von Herrn Held, sehr erhellend. Sie “atmen” in Paris praktisch die Atmosphäre ein, welche die Franzosen tatsächlich bewegt. Hier in Deutschland herrscht weiter das “gute” Wunschdenken, was wir aus der DDR kennen und was Frau Merkel anscheinend in die bundesdeutsche Politik gerettet hat. Das Ding mit dem “diplomatische Schwergewicht Sigmar Gabriel” ist gut - andere würden, wenn sie auf einer Dienstreise vergessen, wozu sie gereist sind, fristlos gefeuert. Noch ein Ding fiel mir auf. Die Hacker-Angriffe auf Macron (natürlich die bösen Russen). Meines Erachtens gehört sowas heute zum Chic von Wahlen. Außerdem setzen die “Betroffenen” m.E. auf einen Mitleidsbonus, was zu solch erbärmlichen Kandidaten passen würde. Auch zur Bundestagswahl in Deutschland werden die Hacker zuschlagen. Da bin ich mir sicher. Die Leidensmienen der Betroffenen sehe ich schon deutlich vor mir. Beste Grüße aus Dresden Volker Matthes

Dr. Roland Mock / 07.05.2017

Macron will mehr statt weniger Europa. Das heißt konkret, er strebt mehr Regulierung, die gemeinschaftliche europäische Haftung für nationale Schulden, mehr Umverteilung, gar einen Europäischen Währungsfonds an. Stimmt; davor kann einem, der stramm dabei ist, das Steuersäckel zu füllen, nur grausen. Nur: Frau Le Pen hat leider so gar und überhaupt keine Ahnung von Wirtschaft und ihr Programm gleicht dem der ultralinken Hammon und Melenchon wie ein Ei dem anderen: Heraufsetzung des Mindestlohns, Beibehaltung der 35-h-Arbeitswoche, zusätzliche Steuern für alle, welche nicht ihrer Definition der “kleinen Leute” entsprechen, Protektionismus, Schimpfkanonaden auf “Kapitalismus”, “Finanzkapital”  und Globalisierung….. Insofern: So sehr ich mir ein Bollwerk gegen das “Weiter so” der Juncker-Merkel-Schulz-EU wünschte: Eine Präsidentin mit einem sozialistischen Wirtschaftsprogramm wird es nicht sein, welche Frankreich (und Europa) wieder auf Trab bringt. Den hatte es ja gerade. Und ich glaube fast, daß dies es ist und nicht die Genesis des Front National als rechtsextrem-antisemitische Partei, welche Frau Le Pen für die bürgerliche Mitte unwählbar macht. Was sie im Revier der eher links orientierten “Abgehängten” gewonnen hat, hat sie an bei den Leistungsstärkeren verloren. Insofern: Falls sie heute Abend verlieren sollte: Mit ihrem derzeitigen Wirtschaftsprogramm wird sie es auch in 2022 nicht schaffen. Darauf einen Absinth.

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