Gastautor / 03.12.2012 / 19:22 / 0 / Seite ausdrucken

Opferfest ja, Weihnachten nein

Gisela Schütte

Wenn das feuchtkalte Schmuddelwetter im November die Seele strapaziert, sind die Tannenbäume heimelige Glanzlichter im Alltag. Schön beleuchtet und manchmal sogar geschmackvoll dekoriert. Besonders bei unseren nördlichen Nachbarn in Dänemark genießen die Symbole der friedlichen Weihnachtszeit besonderen Kultstatus, denn traditionell tanzt man rund um den Tannenbaum, der, wenn es denn der moderne Wohnungsbau hergibt, mitten im Wohnzimmer stehen sollte.

Tanz um den Baum in ganz Dänemark? Nein, in einer kleinen Kommune nahe der Hauptstadt Kopenhagen, in Kokkedal, gibt es Terz anstelle des Tanzes. Genau gesagt in der Siedlung Egedalsvaenge. Dort lebt nämlich eine muslimische Mehrheit, Menschen, deren Eltern und Großeltern in Dänemark eine neue Heimat gefunden haben und in dem freiheitsliebenden Land ihr Leben nach ihrem Gusto führen können. Diese lokale Mehrheit fühlt sich nun durch die bislang ortsüblichen Feiertagssitten beleidigt, will den traditionellen Tannenbaum im Quartier nicht dulden. Seit Wochen wurde erbittert gestritten.

Und weil die Leitung des verantwortlichen Wohnungsunternehmens keinen Streit zum Fest des Friedens möchte – im Vorstand haben Muslime die Mehrheit - soll in diesem Jahr ganz friedlich ohne den traditionellen Weihnachtsbaum im Quartier gefeiert werden. Wegen der unzumutbaren Symbolik für die Nicht-Christen. Eine unverdächtige Begründung ist dabei auch schon gefunden. Als Argument gegen das Baumidyll wurden Kosten angeführt; angeblich 7000 Kronen (gut 900 Euro) seien zu viel für die grüne Dekoration. Allerdings: Kurz zuvor hatte die Feier des muslimischen Opferfests das Zehnfache gekostet.

Und wie geht’s weiter? Dekorationen raus aus Geschäften? Berufsverbot für Weihnachtsmänner? Imbissschließung im Fastenmonat Ramadan? Und konsequenter Umbau aller Kreuzungen in Kreisverkehre wegen der unzumutbaren Symbolik?

Gisela Schütte ist Journalistin und Autorin für Tageszeitungen Magazine und http://www.good-stories.de

Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Gastautor / 24.10.2017 / 06:15 / 18

Spitze aus der Schweiz: Sind die Deutschen zu blöd?

Von Giuseppe Gracia. Dass wir in der Schweiz über fast alles abstimmen, weiss man natürlich auch in Deutschland. So wie wir wissen, dass die Deutschen…/ mehr

Gastautor / 23.10.2017 / 10:59 / 10

Großvater und das Europa der Kriegsgräber

Von Jesko Matthes. Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, deren langjähriges Mitglied ich bin, engagiert sich unter seinem neuen Schirmherren, Dr. Frank-Walter Steinmeier, für Europa. Der Volksbund…/ mehr

Gastautor / 21.10.2017 / 16:59 / 5

Die Angst der EU vor der Demokratie

Von Alexander Horn Die wortgewaltigsten Verteidiger der Demokratie entpuppen sich bei genauerem Hinsehen nicht selten als deren Totengräber. Siehe etwa den Wirtschafts- und Währungskommissar der…/ mehr

Gastautor / 21.10.2017 / 06:20 / 6

Ein Migrantenschreck, den Migranten schätzen

Von Julian Tumasewitsch Baranyan. Mit 31,5% gewann die konservative ÖVP mit ihrem Spitzenkandidaten Sebastian Kurz am 15. Oktober 2017 die Nationalratswahlen in Österreich. Um sich…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com