Operation gelungen, Klimaziele tot, Ursachen tabu

Schöner kann man den Bankrott der deutschen Energie- und Klimapolitik nicht illustrieren als mit dem Riesenhaufen Unsinn, den unsere GaGroko, die ganz große Rotschwarzgrünlinke Energiewende-Koalition, in den letzten Tagen zusammenredet, -schreibt und -beschließt. 

Während sich gestern noch die Nachricht über den in den Sondierungsgesprächen beschlossenen Abschied von den deutschen Klimazielen verbreitete und Grüne, Klimaforscher und Miss Energiewende Kemfert tief Luft holten zur ersten Empörungs-Runde, da brachte das Bundesumweltministerium – zwar etwas spät, aber genussvoll – seine gute Laune über den zum Jahreswechsel erfolgten nächsten Schritt bei der Abwicklung der deutschen Kernenergie zum Ausdruck

Hurra! Wieder ein Fahndungsfoto durchgestrichen auf der nuklearen Terroristen-Liste. Das Ministerium zeigt uns stolz ein fettes grünes Häkchen unter dem Bild der erfolgreich zur Strecke gebrachten Anlage Gundremmingen B. Wieder leben wir ein Stückchen sicherer und glücklicher, soll uns das sagen, und: Die Regierung hält ihre Versprechen. Und wieder entsorgen wir rund 1.400 Megawatt CO2-freie elektrische Leistung.

Sie sehen da keinen Zusammenhang, unsere Ministerialen, Koalitionsverhandler, Unweltschützer und ihre wissenschaftlichen Stichwortgeber. Sie sehen keinen Zusammenhang zwischen der Durchsetzung des einen Versprechens und dem Bruch des anderen. Sie bilden eine ganz große Schweige-Koalition, in der nicht gedacht, geschweige denn gesagt werden darf, dass sowas von sowas kommt. 

Wie wär’s mal, auf Macron zu hören?

Na sowas: Deutschland erreicht seine Klimaziele nicht und kann sie auch gar nicht erreichen. Denn es hat seine Energiewende rund um die fixe Idee des Atomausstiegs geplant. Daher haben wir eine Strom-, aber keine Energiewende. Da Erneuerbare kaum gesicherte Leistung erbringen und wir über Stromspeicher zur Pufferung volatiler Einspeisung nicht verfügen, leisten wir uns eine teure doppelte Infrastruktur aus „grünen" und konventionellen Stromerzeugern.  

Und sowas: In dieser Doppelstruktur wird der günstige, zuverlässige und klimaneutrale Kernstrom nicht durch den wenngleich klimaneutralen, aber hochsubventionierten und unzuverlässigen Wind- und Solarstrom ersetzt – sondern durch günstigen, zuverlässigen, aber die Klimaziele gefährdenden Braunkohlestrom. Wer wissen will, warum das so ist, erfährt das hier.

Dem Vernehmen nach war der FDP-Unterhändler bei den gescheiterten Jamaica-Sondierungen Ende 2017 der einzige Politiker, der diesen Elefanten im Raum beim Namen nannte und eine Laufzeitverlängerung für Kernkraftwerke ins Spiel brachte. Und wie man hört, wurde ihm von der CDU bedeutet, man wolle das Wort „Kernenergie" nie wieder hören. 

Dieser Elefant im Raum unserer Klimadebatte (die zu führen, liebe Klimaziel-Zweifler unter meinen Lesern, ich weder berufen bin noch an dieser Stelle beabsichtige, da es mir hier um die Zielarchitektur der Energiewende geht) wird außerhalb unserer Landesgrenzen beherzt beim Namen genannt. Der französische Staatspräsident Macron meinte neulich, es sei illusionär, die Klimaziele ohne Kernenergienutzung erreichen zu wollen – andernfalls setze man die Versorgungssicherheit einer Industrienation aufs Spiel. 

Er meinte uns. Doch wir sind taub. Unsere Groko-Sondierer steigen über den Leichenhaufen unserer Kernkraft-Elefanten hinweg und behaupten, es habe ihn erstens nie gegeben, und zweitens seien es keine Elefanten, sondern Dinosaurier, die gefälligst auszusterben hätten. Morgen werden sie womöglich schon behaupten, es habe nie deutsche Klimaziele gegeben. 

Der SPD (und auch der Düsseldorfer Plaudertasche Armin Laschet) mag's recht sein, denn diese Entscheidung nimmt eine Zeit lang den Druck von der rheinischen und ostdeutschen Braunkohle, deren Beschäftigte man denn doch nicht so leicht über die Klinge springen lassen will wie die der in loyaler Stille, ohne Streiks und Demos, sich selbst abwickelnden Nuklearindustrie. 

Ein bemerkenswertes Schweigekartell.

Auch die Klimaschützer in Deutschland beteiligen sich bis dato an diesem Schweigekartell. Denn merke: Ein stillgelegtes Kernkraftwerk ist einem deutschen Grünen immer noch mehr wert als hundert internationale Klima-Abkommen.

Nun muss man die Kohle-Kröte schlucken und lamentiert pflichtschuldigst von den zwei Dutzend Kohlekraftwerken, die „noch heute" abgeschaltet werden könnten und erzählt weiterhin – wie die Damen Kemfert und Hendricks – Geschichten von „Strom im Überfluss", über den Deutschland angeblich verfüge.

Und die AfD? Die hat ja bekanntlich ein Bekenntnis zur Kernenergienutzung in ihrem Parteiprogramm. Aber eher stellt sich Björn Höcke ein Modell des Berliner Holocaust-Mahnmals auf seinen Schreibtisch, als dass die AfD sich zu einer Rolle der Kernenergie bei der Erreichung von Klimazielen positionieren würde. Denn in ihren Augen gehören letztere ohnehin abgeschafft. 

Und so schlagen sie gemeinsam die Zielarchitektur der deutschen Energiepolitik in Stücke: geschäftsführend Regierende, Nichtregierende, Möchtegern-Regierende und Nichtregierungs-Organisationen. Das Zieldreieck, auf dem diese Architektur beruhte, bestand einmal aus Umweltverträglichkeit, Bezahlbarkeit und Versorgungssicherheit. 

Nachdem die zweite Ecke schon seit längerem geschleift war, und die dritte nur unter großen Kosten und technischen Anstrengungen von unseren Netzbetreibern vor dem Zerfall gerettet wird, demontiert man die erste, mit der man vor kurzem noch die Welt retten wollte, nun ganz nebenbei. Sowas kommt davon.

Foto: Pixabay

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Leserpost (18)
Wolfgang Kessler / 11.01.2018

Manchmal frage ich mich, wann in der SPD die Leute mit ökonomischem Sachverstand, mit Stolz auf Handwerk und Industrie, mit Begeisterung für Forschung und Technik den Soziologen und Lehrern das Feld überlassen haben, denen partout nichts anderes mehr einfällt, als das Geld der Steuerzahler umzuverteilen und eifrig grüne Hirngespinste zu übernehmen. Bei der Stilllegung eines Großkraftwerks sollte einem anständigen Sozi das Herz bluten…

Gerd Flügel / 11.01.2018

Sie heben mit vielem Recht, Frau Wendland, weil die Energiewende ohne Masterplan und die Klima-Politik von Anfang an nicht zusammen gepasst haben. Gut gedacht, schlecht gemacht ist die Energiewende in Deutschland, weil die Politiker in diesem Land zwar gerne Expertengruppen und Arbeitskreise und und und einsetzen, aber gar nicht gerne auf Experten hören. Aber erlauben Sie mir ein Aber, Frau Wendland: Reiten Sie bitte nicht auf dem toten Pferd (Haferburg) der billgen und sicheren und CO2-freien Atomkraft herum. All das wurde schon x-mal von Experten (widerlegt), und wer es gar nicht glauben mag, soll bitte nur einmal die Akte Wismut studieren. Saubere und billige Kernkraft mitten in Deutschland ... Ein Letztes: Haben SIE einen Plan, wie man in diesem Land ohne Energiewende die greisen Atommeiler hätten ersetzen sollen. Nicht gleich heute und morgen, aber doch in absehbarer Zeit. All die vielen Energiewende-Gegner würden GARANTIERT über nacht zu Atomkraft-Gegnern gewendet, wenn eine Kernkraftwerk-Standort-Such-Kommission in ihre Nähe kommen würde. Wetten dass ...?

Richard Loewe / 11.01.2018

Die AfD glaubt nicht an die anthrogene globale Erwärmung und ist deswegen an der Politik der Klimareligionisten mitschuld? Peinlich, peinlich…

Rüdiger Kuth / 11.01.2018

Allein das Wort “Klimaziel” an sich ist schon ein Hammer, man maßt damit sich Göttlichkeit an!  Ob einer der “Klimaschützer” überhaupt die fachliche Definition von Klima erklären kann?

Tom Hess / 11.01.2018

Ich meine, irgendwo letztes Jahr gelesen zu haben, dass die EU klimafreundlichen Strom fördern wolle. Insbesondere, da besonders klimafreundlich, Atomstrom. Es hätte keinen Macron gebraucht. Alle Aspekte hätten bei einer professionellen Vorgehensweise nach Effizienz anstelle von Ideologie noch vor dem ersten öffentlichen Wort zeigen können. Alleine schon, wie (von sich selbst behauptend) gebildete Menschen nicht auf die Idee kommen, dass der extremen Schwankungen unterliegende Grünstrom irgendwie gespeichert werden müsste, erschließt sich nicht mehr. Entweder sind diese mitverantwortlichen Experten in Wirklichkeit nichtswissend oder ideologisch verblendet. Da wir wissen, dass es letzteres ist, wird sich auch nichts ändern. Man mag mich einen Verschwörungstheoretiker nennen, aber die einzige plausible Erklärung ist seit einiger Zeit für mich, dass Merkel tatsächlich Honeckers späte Rache sein muss.

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