Maxeiner & Miersch / 10.11.2012 / 10:08 / 0 / Seite ausdrucken

Nix tun für eine bessere Welt

Der Kampf zwischen den Mächten der Finsternis und den Lichtgestalten tobt überall auf der Welt - aber ganz besonders in Berlin. Die Berliner können das Licht gar nicht so schnell an und ausknipsen, wie es von ihnen verlangt wird. Es ist noch nicht lange Jahre her, da lief die Aktion „Licht aus, für unser Klima“. Ganz Berlin, darunter das Brandenburger Tür, der Funkturm und der Berliner Dom lagen im Dunkeln. Alle machten mit bei der „größten Umweltaktion des Jahres“, laut BILD „ein Zeichen an alle Zögerer, Relativierer und Abwiegler“.

Im gerade vergangenen Oktober trat an die Stelle des Lichtfastens eines der „größten und bekanntesten Illuminationsfestivals und Public Events der Welt“, genannt „Festival of Lights“. Diesmal strahlten die Berliner Sehenswürdigkeiten hell und bunt, darunter wie zuvor abgedunkelt, das Brandenburger Tor, der Fernsehturm und der Berliner Dom. Auch das für eine bessere Welt, denn, so schreibt der Veranstalter, „Millionen beeindruckende Bilder schaffen weltweit enorme Nachhaltigkeit für Berlin“. Weiter lernen wir: „Licht ist Leben, Licht ist Energie, Licht spricht alle Sprachen und Licht verbindet Menschen“. Licht ist also nicht nur nachhaltig sondern auch multikulti, eins zu Null für die Berliner Illuministen.

Kaum hatten wir uns mit diesem bestechenden Gedanken angefreundet, traten am vergangenen Samstag wieder die Freunde der Dunkelheit in Aktion. Der „Aktionstag Berlin spart Energie“ rief im Auftrag der Berliner Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt die Hauptstädter zum Mitmachen auf, wobei wir hier bereits im Titel einen gewissen Widerspruch entdeckten. Wollt Ihr Aktion oder wollt Ihr Energiesparen, ja watt denn nu? Beides passt nicht recht zusammen. Wer Energie sparen will sollte im Bett bleiben und nix tun, allenfalls die Decke über den Kopf ziehen, eine Vorgehensweise, die wir der Berliner Senatsverwaltung sogar ganzjährig empfehlen würden. 365 Tage nix tun für eine bessere Welt. Klappt garantiert. 

Stattdessen wurden die Berliner auf „Thementouren“ durch die Hauptstadt gehetzt, die in Tateinheit mit „Beratungsangeboten“ vor Ort „Handlungsimpulse“ auslösen sollten. Ja um Gottes Willen, wer hat sich denn das ausgedacht? Wie formulierte es der französische Mathematiker, Physiker und Philosoph Blaise Pascal schon im 17. Jahrhundert so schön: „Alles Unheil dieser Welt geht davon aus, dass die Menschen nicht still in ihrer Kammer sitzen können.“

Erschienen in DIE WELT am 09.11.2012

Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Maxeiner & Miersch / 24.11.2014 / 22:19 / 4

Cash fürs Gucken

Die kulturelle Innovation des Jahres kommt aus Hamburg und wurde von einem Veganer erdacht, der seinen Mitmenschen das Fleischessen abgewöhnen möchte. Dafür hat er einen…/ mehr

Maxeiner & Miersch / 16.11.2014 / 10:00 / 6

Kuscheln im Schoße des Staates

Einst waren sie groß und mächtig: Energiekonzerne wie RWE, Eon und Vattenfall verdienten Milliarden, ihre Aktien galten als sichere Bank. Dann kam die Energiewende. Atomkraftwerke…/ mehr

Maxeiner & Miersch / 08.11.2014 / 19:43 / 8

Orientalische Nostalgie

Der Früher-war-alles-besser-Mythos gedeiht in Deutschland in allen Schichten. Viele glauben, Omas Welt sei sicherer, gesünder und gemütlicher gewesen. Die Grünen und die AfD leben von…/ mehr

Maxeiner & Miersch / 04.11.2014 / 14:00 / 5

Alles grün und gut im Taz-Café

Einladung zur Buchpremiere und Podiumsdiskussion am 6. November im taz.Café in Berlin »ALLES GRÜN UND GUT? Eine Bilanz des ökologischen Denkens« (384 Seiten, erschienen am…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com