Vera Lengsfeld / 06.12.2012 / 16:45 / 0 / Seite ausdrucken

Niemand muss hungern, niemand muss betteln. Ein Nachtrag zu Anne Wills Sendung

Die deutschen Professoren, insbesondere die Linken, hatten schon immer Schwierigkeiten mit der Realität. Sofern sie nicht ins ideologische Konzept passt, wird sie ausgeblendet, geleugnet oder verfälscht.

Der verhinderte Bundespräsidentenkandidat der Linken ,Butterwegge, hat bei Anne Will wieder mal demonstrieren dürfen, wie man das macht. Der „Armutsforscher“, dem seine Schreibtischrecherchen ein hoch dotiertes warmes Plätzchen an der Uni Köln und die Aussicht auf eine krisensichere Pension beschert haben, sorgt mit allen Mitteln dafür, dass ihm sein teurer Forschungsgegenstand nicht abhanden kommt. Also schwadroniert er von Armut und sozialer Kälte, die angeblich allüberall in unserem Land herrschen. Ein Schande wäre, dass es im reichen Deutschland Armut und Obdachlosigkeit gäbe.

Dass die Armut nicht verschwindet, dafür haben die Butterwegges selbst gesorgt, indem sie durchsetzten, dass in Deutschland „armutsgefährdet“ ist, wer über weniger als 60% des Durchschnittseinkommens verfügt. Egal, welche Höhe das Durchschnittseinkommen erreicht, die Armut bleibt. Da die Armutsgrenze in der EU bei einem Einkommen unterhalb von 40% des Durchschnitts festgelegt ist, avanciert Deutschland , folgt man Butterwegge und Co., sogar zum Land mit der höchsten „Armutsgefährdung“. In der Slowakei ist dieselbe wegen der niedrigen Löhne vergleichsweise gering. Paradoxerweise drängen immer mehr Menschen aus den Ländern mit geringer Armutsgefährdung ins kalte, armutsgefährdete Deutschland. Warum sie das tun, fragt sich Butterwegge lieber nicht, denn dann müsste er ja der Tatsache ins Auge sehen, dass diese Menschen vom weitgespannten, großzügigen sozialen Netz in unserem Land angelockt werden.

Was ist mit den tausenden Obdachlosen, deren Schicksal besonders im Winter immer wieder herzergreifend ins mediale Interesse gerückt wird? Tatsache ist, niemand muss bei uns auf der Straße schlafen. Allein in Berlin gibt es über 180 Einrichtungen für Obdachlose, alle mit einer gesetzlich festgelegten Mindeststausstattung. Die Größte verfügt über 170 Betten, die Kleinste über fünf. Diese Einrichtungen konkurrieren untereinander, um möglichst viele Schlafgäste. Die Behauptung des Vorzeige-Obdachlosen der Medien, Brox, Berlin würde „auswärtigen“ Obdachlosen eine Übernachtung verweigert, ist unzutreffend. Die Caritas, z.B. verlangt vier Nächte lang keine Legitimation von ihren Gästen. Erst ab dem 5. Tag muss man sich ausweisen.

Niemand muss hungern. Jeder Obdachlose bekommt vom Amt, wenn er will, 12,50 € Tagegeld. Dass es nicht zumutbar wäre, dieses Geld abzuholen, weil man „wie Dreck“ behandelt würde, ist schlicht eine Gemeinheit gegenüber den Mitarbeitern der Behörden, zu deren Job es offenbar zu gehören scheint, sich verleumden lassen zu müssen.

Sollte ein Obdachloser sich entschließen, eine Wohnung haben zu wollen, kann er sich ans Sozialamt oder ans Jobcenter wenden und er bekommt sie, zuzüglich Hartz IV, sobald er den festen Wohnsitz hat. Zusätzlich zu den Leistungen, die der Steuerzahler bereit stellt, kommen die Angebote aus der Zivilgesellschaft: Tafeln, Suppenküchen, Kleiderkammern, Möbellager, aus denen man sich jederzeit bedienen kann.
Warum sind diese Tatsachen so wenig bekannt?

Das liegt an der pausenlosen Negativ-Agitation der Butterwegges, die den Armutsbegriff als Waffe benutzen, um ihre eigene Geschäftsgrundlage zu sichern. Sie leugnen dabei die größte historische Leistung Deutschlands, ein Sozialstaat, um den uns viele Menschen in der Welt beneiden.

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