Dirk Maxeiner / 22.01.2017 / 16:23 / Foto: Ukuthenga / 4 / Seite ausdrucken

Nicht ohne meinen Andersen

Draussen ist brechend kalt und ich schicke jeden Abend ein Stoßgebet in Richtung Dänemark. Das liegt an einem alten Freund. Er ist ein schwerer Junge, auf den man sich zu hundert Prozent verlassen kann. Andere schwere Jungs, beispielsweise Möbelpacker, mögen ihn nicht besonders. Das weiß ich, weil ich in den letzten 25 Jahren schon einige male umgezogen bin, und er immer mit musste. Ich kann mich einfach nicht von diesem treuen Gesellen trennen, zu sehr ist mir mein dänischer Andersen 4/8 Kaminofen ans Herz gewachsen.  Und das hat gleich eine ganze Reihe von Gründen. Zunächst war das gusseiserne Stück bei der Anschaffung ziemlich teuer, ich erinnere mich noch daran, dass der Verkäufer einen verbreiteten Werbespruch bemühte: „Qualität bleibt bestehen, wenn der Preis längst vergessen ist.“ Inzwischen ist dieser Zustand tatsächlich eingetreten.  Damals war das Modewort „nachhaltig“ übrigens noch nicht so verbreitet, heute würde der Mann vom Ofenladen es selbstverständlich anführen.

Die Qualität des Andersen besteht im Grunde aus ganz einfachen Zutaten: Hochwertiges Gusseisen, feuerfeste Schamottsteine, eine Ascheschublade, zwei Lüftungsschieber und ein paar hundert Jahre Erfahrung im Ofenbau. Das Design ist genauso unspektakulär, Form follows Function, nicht mehr und nicht weniger. Eigentlich ist der Andersen in den Jahren, die wir zusammen verbracht haben, sogar immer schöner geworden. Gebrauchsspuren stehen ihm gut. Er lässt sich leicht anzünden, zieht prima und erfüllt den Raum bald mit einer unvergleichlichen Strahlungswärme. Durch die Scheibe zum Brennraum lodert munter das Feuer und beleuchtet das Antlitz derjenigen, die sich beinahe zwanghaft um ihn versammeln. In die Glut zu schauen und den Gedanken nachzuhängen macht allemal mehr Spaß und bringt deutlich mehr Erkenntnisgewinn, als im Fernsehen der talkenden Klasse zu folgen. Wenn der Andersen brennt, dann haben Putin und Trump, Merkel und Junkers Pause.

Damit die Wärme sich noch länger hält, trägt mein Andersen auf den Backen dicke graue Specksteine. Manchmal erinnert er mich deshalb an eine Buddha-Statue, die unerschütterlich in der Mitte des Wohnzimmers thront und Erleuchtung über die Anwesenden bringt. Er hat eine ungemein beruhigende Wirkung, die sich noch verstärkt hat, seit es in Deutschland eine so genannte Energiewende gibt. Ich und mein Andersen würden es selbst bei einem Blackout schön warm haben. So ein Kaminofen ist gewissermaßen eine zeitlose Idee, die mit Autarkie, Unabhängigkeit und Freiheit zu tun hat. Mein Andersen ist nicht nur etwas, er meint auch etwas.

Leserpost (4)
Karla Kuhn / 22.01.2017

Ein schöner, romatischer Text, den ich Ihnen richtig nachfühlen kann. Wir hatten nämlich zu Hause in Dresden in unsere 140m² großen Wohnung in jedem Wohnzimmer so einen Ofen. Obenauf haben wir die nasse Kleidung getrocknet wenn wir als Kinder vom Schlittenfahren gekommen sind und noch die eiskalten Füße an den “dicken Backen” gewärmt. Dazu noch heißen Tee und die Welt da draußen war vergessen.

Gabriele Klein / 22.01.2017

Dieser Artikel ist super !!!! , könnten Sie mir mal enauere Daten geben? Ich bin auf der Suche nach eben so was.  Es sollte meine Bleibe auf 2 STock so circa 120 qm insgesamt wenigstens grob wärmen. Sollte mit Hilfe von entsprechenden Warmluftlöchern am Kaminverlauf möglich sein. Zusätzlich habe ich Nachtspeicher.  Man empfahl mir einen Speckstein Ofen ist es das? Muß der von Hand gesetzt werden oder ist der so im Handel erhältlich?  DAnke f. kurzes feedback und genaues Fabrikat und wo ich mich vielleicht hinwenden kann,  mfg

Peter Zentner / 22.01.2017

Auch wir haben einen solchen Kaminofen, allerdings nicht von Andersen, sondern von der BK Ofenbau GmbH & Co. KG in 46485 Wesel. War sündteuer, das Ding, sieht dem Andersen zum Verwexxxeln ähnlich, erfüllt auch nach 12 Jahren locker alle Vorgaben diverser Feuerstätten-Prüfverordnungen und Feinstaub-Emissionslimits und ist ein wertvolles Familienmitglied, das sogar den Schornsteinfeger immer wieder zu Lobeshymnen hinreißt. Solides deutsches Handwerk, das zehnmal interessanter und erfrischender ist als jede Glotze. Alsdann: Herzliche Grüße von Glut zu Glut, Herr Maxeiner!

Gerhard Sponsel Lemvig / 22.01.2017

Dein Andersen ist bei den guten Deutschen als Feinstaub-Schleuder ein Gefährder. Das Ministerium für Staubreduzierung (MfS) wird ihn bald abholen. Ab nach Bautzen zum Abwracken wird das Kommando heißen. Genieße die Zeit noch mit Andersen FARVEL lieber Andersen, farvel !!

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