Thomas Eppinger, Gastautor / 29.07.2017 / 14:30 / Foto: Tim Maxeiner / 12 / Seite ausdrucken

Natürlich bin ich parteiisch. Was denn sonst?

Von Thomas Eppinger. 

Die Familie von Yosef „Yossi“ Salomon versammelte sich Freitag Nacht zum traditionellen Shabbat-Mahl, um die Geburt eines Enkelkindes zu feiern, das an diesem Morgen geboren wurde. Der Tisch war mit einer weißen Tischdecke gedeckt, reich beladen mit Häppchen, Colaflaschen und einer ungeöffneten Flasche Whiskey. Die 10-köpfige Runde erwartete noch weitere Gäste, die Tür des Hauses stand weit offen. Statt Gästen kam der Horror. Ein 19-jähriger Palästinenser, dessen Name nichts zur Sache tut, drang in das Haus ein und fiel mit einem Messer über die Familienmitglieder her.

Er erstach Yossi Salomon (70), die Tochter Chava (46), und den Sohn Elad Salomon (36). Yossis Gattin Tova, 68, und andere Familienmitglieder wurden schwer verletzt. Elads Frau schaffte es, sich mit kleinen Kindern in einem Raum nebenan einzuschließen und die Polizei zu alarmieren. Ihre Hilfeschreie wurden von einem Nachbarn gehört, der in einer Eliteeinheit in der IDF dient. Er schoss den Mörder durch das Fenster nieder und rettete damit wohl sieben Familienmitgliedern das Leben.

Motiv für das Attentat war der Protest gegen verstärkte Sicherheitskontrollen am Tempelberg, nachdem in der Vorwoche drei Palästinenser zwei israelische Polizisten mit Waffen erschossen hatten, die in die Al-Aksa Moschee geschmuggelt worden waren. Die Aufstellung von Metalldetektoren, wie sie auch an vielen islamischen Stätten verwendet werden, führte zu Gewaltausbrüchen wütender Muslime.

Keine Versöhnung im Tempelberg-Streit“, übertitelt die Tagesschau der ARD ihren Bericht über die Auseinandersetzungen. Fehlt nur noch „Aug’ um Auge, Zahn um Zahn“, aber das ist sich wahrscheinlich aus Platzgründen nicht mehr ausgegangen. Gleich zu Beginn darf der Vater des dreifachen Mörders auf die Tränendrüse drücken:

„Ein älterer palästinensischer Mann steht vor seinem Haus und wischt sich Tränen aus dem Gesicht. Sein Sohn hat am Vorabend drei Israelis getötet. Manche israelische Medien schreiben, er habe die Familienmitglieder förmlich abgeschlachtet. ‚Der Junge hat gesehen, was die Israelis gerade an der Al-Aksa-Moschee machen‘, sagt er. ‚Sie töten, schlagen, verwunden die Menschen. Es gibt keine Gebete in unserer Heiligen Stätte mehr.‘ Wenn es diesen Ort nicht mehr gebe, sagt der Vater, dann verschwinde auch die Ehre der Muslime.“

Über die Tränen der Salomons erfahren wir nichts

Dass sich Israelis nicht einfach ohne Gegenmaßnahmen ermorden lassen wollen, ist für Palästinenser offenbar eine nicht hinnehmbare Provokation. Die Mutter des Terroristen ist stolz auf ihren Sohn und preist ihn wenig später in einem Video, in dem sie zu weiteren Anschlägen aufruft:

„Ich bin stolz auf dich, mein Sohn und hoffe, Allah wird Dich mit offenen Armen empfangen. Sein Vater hat ihn unterstützt. Unser Sohn hat den Angriff wegen der Gebete der Juden auf dem Tempelberg begangen.“

Der Stolz der Eltern hat durchaus handfeste Gründe, schließlich vergütet die palästinensische Autonomiebehörde jeden Judenmord mit barem Geld. Die Familie des Mörders darf sich jetzt jeden Monat auf fast 3.500 Dollar freuen – nicht zuletzt finanziert von der EU, also mit unserem Steuergeld.

Die Ereignisse der letzten zwei Wochen, die Reaktionen der internationalen Politik darauf und die Berichterstattung in den Medien darüber, sind charakteristisch. Der Westen, seine Politiker, seine Leitmedien und seine Intellektuellen, lassen Israel größtenteils im Stich. Spreche ich diesen Umstand in privaten Diskussionen an, wird mir vorgeworfen, ich sei offensichtlich parteiisch. Ja, verdammt noch mal, natürlich bin ich parteiisch. Wie kann man das denn nicht sein?

Mord als Geschäftsmodell

Auf der einen Seite stehen islam-faschistische Terrororganisationen wie Hamas und Hisbollah und eine bis ins Mark korrupte Palästinensische Autonomiebehörde (PA), deren oberster Chef Mahmoud Abbas unter anderem Drahtzieher und Finanzier des Terroranschlags von München 1972 war. Hamas und PA haben die Ermordung von Israelis zu einem einträglichen Geschäftsmodell gemacht.

Das Geld, mit dem sie von der Weltgemeinschaft überschüttet werden, fließt nicht in Bildung und Infrastruktur sondern in die eigenen Taschen der Funktionäre, in Waffen und die Bezahlung von Terroristen und deren Angehörigen. Frauen gelten nichts. Oppositionelle werden verfolgt und ermordet. Schwule werden verfolgt und ermordet. Im Kampf verstecken sie sich hinter ihren Frauen und Kindern, die sie ohne Skrupel der eigenen Propaganda opfern. Ihre Mörder preisen sie als Helden, die Ermordung von Juden feiern sie mit der Verteilung von Süßigkeiten. Wenn der Staat, den sie wollen, jemals Wirklichkeit wird, gibt es nur einen Unrechtsstaat mehr, in dem das Kollektiv alles und der einzelne nicht das Geringste gilt.

Auf der anderen Seite steht die einzige Demokratie im Nahen Osten. Ein Rechtsstaat, der selbstverständlich auch Regierungsangehörige belangt, wenn sie sich etwas zuschulden kommen lassen. Eine Demokratie, in der Araber mehr Rechte genießen als in jedem arabischen Land. Mit emanzipierten Frauen und Love Parades. Eine High-Tech Oase der Bildung und des Wissens, der die Welt unzählige Innovationen verdankt. Mit einer Armee, die mehr als jede andere in der Geschichte unternimmt, um zivile Opfer beim Gegner zu vermeiden. Ein Land, das denen, die es vernichten wollen, Strom und Wasser liefert und in seinen Krankenhäusern deren Kranke und Verwundete versorgt. Ein Land, das jedes Leben so wertschätzt, dass es lieber inhaftierte Mörder freilässt als ein einziges wissentlich zu opfern.

Und nein, dass ich parteiisch bin, hat nicht das Geringste mit irgendeiner „besonderen historischen Verantwortung“ zu tun. Es reicht die Antwort auf die einfache Frage, wo man die eigene Tochter lieber aufwachsen sähe: in Tel Aviv oder in Ramallah? Wie kann man unparteiisch sein, wenn die Barbarei die Zivilisation bekämpft?

Hier geht es weiter.

Foto: Tim Maxeiner

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Leserpost (12)
Uli Stolte / 30.07.2017

Die Antwort auf die Frage, wo man die eigene Tochter lieber aufwachsen sähe, ist die gleiche, wie die Antwort auf die Frage, wo man sich traut eine abweichende Meinung laut und frei zu äussern: in Tel Aviv!

Fritz Kolb / 30.07.2017

Eine sehr zutreffende Lage-Beurteilung. Und bestürzend zugleich, weil Ideologie wieder einmal den Blick auf die Realität verstellt. Täglich zu beobachten bei unseren mehrheitlich linksgrün angestrichenen Politlemuren und deren geradezu adjudizierenden Presse, genauso wie bei deren Kollegen in Brüssel.

Judith Hirsch / 29.07.2017

Vielen Dank für diesen Beitrag. Ich bin sehr berührt und finde kaum die richtigen Worte. Bitte haben sie den Mut weiterhin so meinungsstark zu sein.

Rolf Lindner / 29.07.2017

Es ist nicht mehr zu fassen, was in den linientreuen Gehirnwaschmedien abläuft. Habe eben ein Post zu dem Artikel von Annette Heinisch über die Messerstecherei in Hamburg gesandt, dass ich heute schon zweimal den Fernseher wütend ausgeschaltet habe. Wann gibt es endlich einen alternativen Fernsehsender? Warum muss ich diese Permanentindoktrination auch noch bezahlen?

Dirk Jungnickel / 29.07.2017

Äquidistanz und Appeasement können - wie wir wissen (müssten) - verheerende Folgen haben. Oft verbergen sich dahinter Feigheit und Gutmenschentum.  Unter dem Motto “Nur nicht einmischen!” zieht sich die Politik “diplomatisch” oft genug auf vermeintlich geschütztes Terrain zurück. Thomas Eppinger bringt die Probleme zwischen Israelis und den Palästinensern auf den Punkt. Die pseudoausgewogene Berichterstattung lässt bei denen, die die Realitäten zur Kenntnis nehmen, wahrlich die Galle hoch kochen. Hamas und Hisbollah sollten geächtet werden und als Verhandlungspartner ausscheiden, solange sie Terror unterstützen. Einzig die Palästinenser haben es in der Hand, sich zu emanzipieren und auf Augenhöhe mit Israelis zu gelangen.  Freilich, das kann und wird dauern. Die derzeitige Appeasement - Politik gegen diese Führung jedoch wird das Problem verschärfen, genau wie sie es tut, wenn man den Kreml - Chef nicht in die Schranken weist.

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