Burkhard Müller-Ullrich / 19.11.2006 / 22:37 / 0 / Seite ausdrucken

Nach Nairobi ist vor Indonesien

Klimaschutz ist, wenn 200 Flugzeuge voller Klimaschützer um die halbe Welt zu einer Klimaschutzkonferenz nach Nairobi fliegen und anschließend wieder zurück. Unter den 6000 Delegierten war unser Bundesumweltminister zwar nur einer, aber was für einer! Deutschland fühlt sich seit langem zum Umweltschutzweltmeister berufen, und der Klimaschutz ist sozusagen nur ein Klacks im Vergleich zu den Vorstellungen von Umweltschutz, mit denen sich die Deutschen von ihrer bösen Geschichte lösen und zur führenden Nation des Guten werden wollen.

Die Führung ist jetzt in noch festeren Händen, denn die Bundesregierung hat sich den Klimaschutz für die bevorstehende Zeit ihrer EU-Ratspräsidentschaft auf die Fahnen geschrieben. Alle Welt soll sehen: Deutschland tut was. Wir gehen zwar nicht nach Südafghanistan, aber wir stoppen den Klimawandel. Oder wir wandeln den Klimastop. Oder wir klimmen den Standelwop.

Genauer läßt es sich nicht sagen, weil die Sache selbst unendlich schwer zu fassen ist. Verglichen mit dem Klima ist die Wirtschaft nämlich eine simple Angelegenheit. Aber hat irgendeine Regierung das Auf und Ab der Konjunkturen jemals in den Griff gekriegt? Wie die Lage der Renten- und der Krankenkassen, des Arbeitsmarktes und der Staatsfinanzen sein wird, können die Experten nicht mal im nationalen Rahmen auf zwölf Monate voraussehen, aber wie das Weltklima in zwanzig Jahren sein wird, das wissen die Politiker genau. Vermutlich haben es ihnen die Klimaschützer verraten.

Gewiß: auf der Welt spielen sich derzeit extreme Wetterphänomene ab. Zum Beispiel erlebt Australien den kältesten November seit mehr als hundert Jahren. Das ist, wie manche Klimatheoretiker erklären, bloß ein Nebeneffekt der behaupteten Erwärmung. Andere gehen nicht so weit und sagen: das eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Denn das eine ist Wetter und das andere ist Klima. Und generell gilt in der Klimaforschung: Wetter hat nur dann Einfluß aufs Klima, wenn es sich um Hitze handelt.

Genauso funktioniert auch Politik. Kommt die Wirtschaft in Schwung und Geld in die Kassen, dann ist das ein Erfolg der Maßnahmen der Regierung. Dauert hingegen die Misere an, dann ist das ein Beweis für die Notwendigkeit der Maßnahmen der Regierung. Allerdings würde sich niemand trauen, auf diese Weise über die Zeit nach dem Jahr 2012 zu reden. Beim Klima schon. Da gehen die gängigen Prognosen locker über 50 Jahre.

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