Peter Heller, Gastautor / 19.07.2016 / 06:06 / Foto: Corradox / 6 / Seite ausdrucken

Der Effizienz-Kurzschluss: Noch ein Energiewende-Märchen

Unvermittelt und unerwartet tauchte das Flugzeug in unserem Leben auf. Ich erinnere mich nur mehr verschwommen und streiflichtartig an die ersten Urlaubsreisen mit meinen Eltern, die uns in einem immer kurz vor der Aufgabe stehenden Käfer über den Brenner nach Italien führten. Eines Tages in der Mitte der 1970er Jahre stiegen wir dann in einen Düsenjet und begaben uns nach Spanien. Was für ein Abenteuer, was für ein Luxus! Es folgten die üblichen jährlichen mehrwöchigen Pauschalreisen zu den bekannten und beliebten Zielen, Mallorca, die Kanaren, später dann Tunesien.  Heute, wenige Tage bevor ich mit meiner Familie in die Ferien aufbreche, denke ich gerne an diese Zeit zurück. Für mein Kind ist die Flugreise eine Normalität.

Noch. Denn Deutschland hat sich der Energiewende verschrieben. Deren primärer Fokus auf der Reduzierung unseres Energieverbrauches liegt.  Das Ziel sei,„den Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 gegenüber 2008 um 20 Prozent zu senken und bis 2050 zu halbieren“ (1), sagt das Bundeswirtschaftsministerium in überraschender Deutlichkeit. Die Auswirkungen dieser Agenda auf unser Leben, auf die Erfüllung unserer Bedarfe nicht nur hinsichtlich Nahrung, Kleidung und Wohnraum, sondern eben auch in den Bereichen Kommunikation und Mobilität, scheinen allzu vielen Bürgern immer noch keine Beschwerde wert. Weil ein Nebel voller Mythen die klare Sicht auf die derzeitige Energiepolitik verdeckt. Da richten sich die Blicke auf „Energiespeicher“ (2), obwohl diese keine Energie herbeizaubern, sondern nur den künftigen Mangel besser verwalten können. Da wird vor allem, unterstützt durch eine aktuelle Kampagne voller bemühtem Witz (3), eine Beruhigungspille namens „Energieeffizienz“ verabreicht.

Wenn man Versorgungssicherheit, also die zeitlich und räumlich uneingeschränkte Verfügbarkeit von Energie in bedarfsgerechter Menge, als das Fundament eines Gebäudes namens Wohlstand versteht, wäre Energieeffizienz der Fahrstuhl, mit dem in diesem Haus immer höhere Stockwerke zugänglich werden. Denn steigende Energieeffizienz bedeutet sinkende Kosten für den Betrieb von Maschinen aller Art und damit auch für die Produkte und Dienstleistungen, die sie möglich machen.

Je effizienter unsere Maschinen werden, desto mehr Energie setzen wir um

Könnte am Ende eines Prozesses, in dem mit immer weniger Energie immer mehr erreicht wird, das Einsparziel der Energiewende tatsächlich erreicht werden? Könnte am Ende einer solchen Entwicklung tatsächlich das limitierte Angebot an solarer Einstrahlung, Wind- und Wasserkraft sowie Biomasse den heutigen oder gar einen besseren Lebensstandard sichern? Könnte Deutschland daher tatsächlich auf die Kernenergie und auf fossile Kohlenwasserstoffe verzichten, ohne einen Energiemangel zu bemerken?

Auf den ersten Blick scheint dies logisch, ja zwingend, vergleicht man beispielsweise den Durst heutiger Automobile mit dem vergleichbarer Modelle vor drei Jahrzehnten. Oder den Stromverbrauch einer Glühbirne mit dem einer Leuchtdiode. Alles wird sparsamer und behält doch seinen Nutzen. Dem „Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz“ (4), der die zu ergreifenden Maßnahmen zur (Zitat) „Senkung des Energieverbrauchs durch die Steigerung der Energieeffizienz“ beschreibt, liegt diese Vorstellung zugrunde.

Ist das eine von jeder Belastung durch ökonomische oder technische Kompetenzen befreite Naivität? Oder schlicht ein Irrtum? Oder gar eine absichtliche Täuschung? Tatsächlich gilt: Je effizienter unsere Maschinen und Geräte werden, desto mehr Energie setzen wir um. Diese Rückkopplung, neudeutsch auch unter der Bezeichnung „Rebound“ bekannt, thematisiert die Bundesregierung nicht.

Wo früher eine Glühbirne einen Raum erhellte, wachsen nun ganze Wälder von Leuchtdioden

Weil eben die LED so viel weniger an Strom bei gleicher Lichtausbeute verbraucht, werden manche in ihrer heimischen Umgebung zu Lichtkünstlern. Wo früher eine Glühbirne einen Raum erhellte, sind es nun hunderte kleiner Leuchtdioden, mehr oder weniger kreativ an Decken und Wänden, an Fußleisten, Treppenstufen und Möbeln verteilt, die die heimische Umgebung in eine Bühne verwandeln, auf der eine situationsabhängige Atmosphäre mittels computergesteuerter Farb- und Blinkspielereien erzeugt wird. Die Stromrechnung sinkt auf diese Weise nicht so stark wie eigentlich möglich, wenn überhaupt. Weil eben Automobile so viel weniger Benzin schlucken, benutzt man sie häufiger und für längere Strecken. Der Treibstoffbedarf bleibt gleich, wenn er nicht sogar steigt.

Noch vor fünfzig Jahren füllten Computer ganze Zimmer und bedurften zu ihrer Versorgung kleiner Kraftwerke. Heute kann man damals unvorstellbare Rechenleistungen an der Steckdose betreiben, das ist Effizienzsteigerung. Aber Milliarden Desktops, Laptops, Tablets und Smartphones benötigen in Summe ein Vielfaches der Energie, die früher einerHandvoll Großgeräte genügte. Das ist der Rebound. Was an einer Stelle eingespart wird, fließt sogleich in eine Mehr- oder in eine andere Nutzung. Geringere Heizkosten eröffnen die Möglichkeit einer Fernreise. Oder den Ersatz der klassischen Stereo-Anlage durch ein digital gesteuertes Surround-System, das nach mehrwöchiger Umbauphase auf Basis dutzender Blu-Ray-Blockbuster-Testläufe dem Wohnzimmer zusätzlich zur Licht- auch noch eine fortgeschrittene Akustikinstallation verschafft. 

Wer die Nachfrage nach Energie deckeln will, hat diese Rebound-Effekte durch die Abschöpfung der sich aus steigender Effizienz ergebenden Wohlstandsgewinne zu verhindern. Im Programm der Grünen zur Bundestagswahl 2013 (auf den Seiten 158/159) (5) wird beispielsweise die Idee formuliert, dazu die „Preisgestaltung von Ressourcen“ zu beeinflussen. Anders ausgedrückt: Was auch immer man an Strom spart, wenn man effizientere Lampen oder Haushaltsgeräte kauft, wird durch einen höheren Strompreis wieder aufgefressen. Verbrauchsärmere Autos führen in dieser Logik nur zu höheren Steuern und Abgaben auf Benzin. Der Eindruck, auch die große Koalition folge diesem Konzept, ohne es jedoch klar zu benennen, täuscht nicht. Der Punkt ist nur: Regulativ gegen den Rebound vorzugehen, verhindert Effizienzsteigerungen schon im Ansatz.

Effizientere Flugzeuge gestatten billigere Reisen

Einer der größten Kostenfaktoren für Fluglinien ist der Treibstoffverbrauch der Jets. An diesem richten sich daher primär die Ticketpreise aus. Effizientere Flugzeuge gestatten billigere Reisen, denn in einem wettbewerblich organisierten Umfeld werden Kostenvorteile an die Passagiere weitergegeben. Immer mehr Menschen können immer häufiger fliegen. Die wachsende Nachfrage induziert ein steigendes Angebot. Neue Strecken werden erschlossen, neue Dienstleistungen entwickelt. Ein Beispiel dafür sind die Pauschalreisen in die Ferienanlagen an sonnigen Stränden. Schließlich kaufen die Reiseanbieter mehr Flugzeuge und  die Flugzeughersteller generieren Gewinne, die ihre Ausgaben für die Entwicklung effizienterer Maschinen am Beginn dieser Kette übersteigen. Seit den 1960er Jahren kann ein ungebrochener Trend beobachtet werden: Jahr für Jahr sinken die Treibstoffbedarfe ziviler Jets um durchschnittlich 1-1,5 Prozent je Passagierkilometer, während die Menge der tatsächlich geflogenen Passagierkilometer um 4-5 Prozent im jährlichen Mittel zunimmt. Das ist der Rebound, durch den eine Flugreise auf einmal auch für meine Eltern bezahlbar wurde.

Energieeffizienz fällt nicht vom Himmel. Sie ist das Ergebnis der Aufwendungen, durch die Unternehmen ihre Produkte verbessern. Solche Investitionen werden aber nur dann getätigt, wenn sie Gewinne durch Absatzsteigerungen versprechen, die die anfallenden Kosten übersteigen. Moderne und effiziente Passagierflugzeuge gibt es nur, weil ihre Entwicklung eine derartige Wachstumsoption bot. Diese Motivation treibt nicht nur die Fortschritte in der Luftfahrt oder in anderen Segmenten des Fahrzeugbaus. Man kann das Beispiel auf alle Branchen übertragen. Ob Maschinenbau, ob Bekleidung, ob Nahrungsmittel oder Informationstechnologie, die Steigerung der Energieeffizienz ist ein zentraler Innovationstreiber.

LED-Lampen für den Hausgebrauch gibt es nicht, weil die Glühbirne verboten wurde. Es gibt sie, weil die Hersteller hoffen, mit ihnen durch höhere Absatzzahlen mehr verdienen zu können. Und immer steht am Ende ein Energiebedarf, der nicht sinkt, sondern eher wächst. In der Summe verbrauchen viele effiziente Düsenjets heute deutlich mehr Treibstoff, als die wenigen Spritschlucker der 1960er. Worauf natürlich auch die Ölbranche reagiert, beispielsweise mit effizienteren Fördermethoden, die mehr Vorkommen zu geringeren Kosten erschließen helfen.

Energieeffizienz und Energiewende schließen sich gegenseitig aus

Der Rebound ist kein Zufall, der nur in bestimmten Zusammenhängen manchmal auftritt. Er ist der Motor der Energieeffizienz. Schaltet man ihn ab, um einen gleichbleibenden oder höheren Energiebedarf als automatische Auswirkung zu vermeiden, werden schlicht keine effizienteren technischen Systeme mehr realisiert und an den Markt gebracht. Die Steigerung der Energieeffizienz und die Energiewende schließen sich gegenseitig aus. Gegenteiliges zu behaupten bedeutet, sich zu täuschen oder andere täuschen zu wollen. Die Energieeffizienz-Kampagne des Bundeswirtschaftsministeriums ist ein Sedativum, um die Bürger einzulullen und sie von den Zumutungen abzulenken, die in den kommenden Jahren in der nächsten Phase der Energiewende bevorstehen.

Noch mag man belächeln, wenn das Umweltbundesamt seinen schon traditionellen sommerlichen Aufruf(6) wiederkaut, der uns von Flugreisen abhalten soll. Spätestens dann, wenn Steuern und Abgaben das Fliegen wieder zu einem den Reichen vorbehaltenen Luxus machen, wird vielen das Lachen im Halse stecken bleiben. Nicht nur den Reisewilligen, sondern auch den Reiseveranstaltern, den Fluglinien und den Flugzeugbauern. Denn wer sich partout den Geboten der Energiewende nicht unterwerfen will, der wird gezwungen. Im Ernstfall durch Produkt- oder gar Technologieverbote, wie sie im „Klimaschutzplan 2050“ (7) vorgesehen sind. Das gilt für alle Sektoren im produzierenden Gewerbe, für die Land- und Ernährungswirtschaft, für Handel und Dienstleistungen, das gilt für alle Kunden entlang der Wertschöpfungsketten bis hin zum Endverbraucher. So bedeutet „den Primärenergieverbrauch bis zum Jahr 2020 gegenüber 2008 um 20 Prozent zu senken und bis 2050 zu halbieren“ den Eintritt in eine Abwärtsspirale, die sukzessive Innovationsoptionen ausschließt, Wertschöpfungspotentiale vermindert, Wettbewerbsfähigkeit reduziert und schließlich unseren Wohlstand vernichtet.

Man fliege also besser, so lange es noch geht. Ich werde meinen Urlaub in einigen Tagen jedenfalls mit einem Düsenjet beginnen und wünsche den Lesern der Achse des Guten ebenfalls gute Erholung, denn in einer Zukunft ohne Energie werden wir alle unsere Kräfte noch brauchen.

(1) http://www.bmwi.de/DE/Themen/Energie/Energieeffizienz/nape.html

(2) http://www.achgut.com/artikel/klimaplan_2050_energiemangel_als_visionaeres_endziel

(3) http://www.deutschland-machts-effizient.de/KAENEF/Navigation/DE/Home/home.html

(4) http://www.bmwi.de/DE/Mediathek/publikationen,did=672756.html

(5) https://www.gruene.de/partei/gruenes-wahlprogramm-2013.html

(6) https://www.umweltbundesamt.de/themen/umweltschutz-auf-reisen-0#

(7) http://www.rolandtichy.de/meinungen/klimaschutzplan-2050-spd-verbietet-bohnen/

Leserpost (6)
Andreas Rochow / 19.07.2016

Kann es sein, dass sich der demokratische Staat mit dem0 Angstthema “Erderwärmung” und dem daraus abgeleiteten, nicht enden wollenden Aktionismus ein Thema gewählt hat, um von widerständigem Bürgerwillen verschont zu bleiben? Immerhin erscheinen die teuren ökologisch angetriebenen Kampagnen zur Energieeffizienz so unglaublich unintelligent, dass einem der Atem stockt. Da hilft nur die Ansage “Alternativlos” und die Verketzerung von Kritikern als “Klimaleugner”. Es wäre zu schön, wenn man Frau Hendricks bis 2050 auf stand-by schalten könnte. Energieeffizienz unabhängig von Kostenkalkulation ist ein Schmarrn, selbst wenn man das Ganze als “Nationalen Aktionsplan” feiert. Überhaupt nicht kalkuliert ist bisher der Energiebedarf für Mobilität. Deshalb die Frage: Wie sieht es aus mit den Energiebedarfsäquivalenten, die von der Tankstelle in die Stromnetze abwandern von wo aus die Autobatterien geladen und die lustigen LKW-Oberleitungen auf Autobahnen gespeist werden sollen? Ist das aus dem Blickwinkel der Energieeffizienz vernünftig oder geht man davon aus, dass Kosten und Vernunft im Jahr 2050 - ich freu mich drauf! - keine Rolle mehr spielen? Immer wenn eine neue Ökosau durchs Dorf getrieben wird, trete ich an den Globus und suche darauf mein kleines, auf Sonderwege abonniertes, mir immer fremder werdendes Heimatland und denke: Größenwahn! Deutschland rettet die Welt und alle sind dankbar und wähnen ihr Steuergeld in guten Händen.      

Detlef Dechant / 19.07.2016

Ich bin mir nicht sicher, ob nicht die Umweltorganisationen, die für die Abschaffung der Glühbirne waren, durch die Wirtschaft fremdgesteuert wurden. Erinnern wir uns: Mit dem Verbot der Glübirne gingen andere Entwicklungen einher. Das älteste bestehende Kartell war das Glühbirnen-Kartell, indem sich die führenden Hersteller verpflichteten, die Haltbarkeit zu begrenzen. Diese Glühbirnen waren von hoher Qualität. aber hielten nur begrenzte Zeit. Nun strömten aber nach dem Zerfall des Ostblocks aus Osteuropa und China billige und langlebige Glühbirnen auf den Markt, die noch einen weiteren Vorteil hatten; sie waren robuster gegenüber Spannungsschwankungen. Gleichzeitig wurden Stromnetze von 220 auf 230 Volt umgestellt. Letzteres sorgte durch Spannungsschwankungen dafür, dass die tollen alten Glühbirnen noch schneller kaputt gingen, während die billigen von den Discountern aus chinesischer Produktion diese Maßnahmen schadlos überstanden. Just in diese Situation kam das Verbot und die damit verbundene Verkaufsförderung der Energiesparleuchtmittel, wo westeuropäische Firmen wieder einen technologischen und qualitativen Vorsprung hatten! Wie sagte mir einmal ein Mitglied aus dem oberen Management von Siemens am Rande einer Tagung: Manche Konzerne geben heute mehr Geld für Lobbyismus bei NGOs als bei der Politik aus, das sei vielversprechender!

Bastian Kossmann / 19.07.2016

Aber Herr Dudeck, LED und CF Energiesparlampen liefern auch mit Leistungsfaktoren kleiner als 100 % mehr Lumen/VA als Glühlampen, so dass die Stromkosten für Licht sinken würden (wenn auch nicht mehr so stark), selbst wenn die Blindleistung mit abgerechnet würde. Da ergibts sich dann wieder ein Beispiel für einen gerechtfertigten Eingriff des Staates: Weil es nicht praktikabel ist, Blindleistung abzurechnen (zumindest bei Privathaushalten) und der Verbraucher diese Kosten nicht internalisiert, schreibt eine EU Verordnung bzw. das Deparntment of Energy Mindestanforderungen für den Leistungsfaktor vor. Ein ähnliches Argument zur fehlenden Internalisierung externer Kosten kann man zu Vorschriften über erlaubten Schadstoffgehalt und Entsorgung der Lampen anführen. Und natürlich verfügen Politiker nicht alle über ausreichendes Wissen über Ökonomie und Elektrotechnik; dazu verlassen sie sich dann eben auf Experten und Lobbyisten, die ihnen die Zusammenhänge erklären.

Rolf Dudeck / 19.07.2016

“Am Beispiel von Energiesparlampen kann ich gut die Berechtigung der Förderung/Forderung von Energieeffizienz durch den Staat zeigen: “ Der ist gut! Gerade die Energiesparlampen zeigen, was für ein Unfug passiert, wen ausgrund falscher staatlicher Zielsetzungen unausgereifte Techniken gefördert werden. Zunächst ist der staatliche Zwang zum Energiesparen sinnlos, da es dafür keinen Grund gibt: Öl, Kohle und Uran sind noch für viele 100 Jahre in ausreichender Menge vorhanden, so daß es eines Energiesparens um jeden Preis nicht bedarf. Zudem ist die Technik der Energiesparlampen in mehrfacher Hinsicht problematisch: Durch den hohen Quecksilberanteil sind sie eigentlich Sondermüll und sorgen dafür, daß der normale Müll mit Quecksilber angereichert wird, da mit Sicherheit ein großer Teil der Lampen über den normalen Müll entsorgt wird. Desweiteren sind sie auch elektrisch problematisch, da sie in hohem Maße Blindströme verursachen (sehr gut erläutert wird das hier: http://www.gluehbirne.ist.org/leistungsfaktor.php ). Ich zitiere Herrn Dr. Wolfgang Zängl - Gesellschaft für ökologische Forschung - von dieser Seite: “Das Verbot der Glüh­birne und die erzwungene Durch­setzung der Energie­spar­lampe ist ein un­glaublich dreister Vor­gang. Es ist wohl das erste Mal in der Geschichte der Industrie­produktion, dass ein harm­loses durch ein ungleich schäd­li­cheres Produkt ersetzt und auch noch mit einem offi­ziellen Verbot belegt wird.” Dem ist nichts mehr hinzuzufügen. Vergleichbares gilt für die erzwungene Wärmedämmung. Fazit: Die Gesundheit der Menschen und deren wirtschaftliches Wohlergehen wird einer totalitären Wahnidee geopfert, erzeungen von Personen, die nicht einmal über simpelste physikalische Kenntnisse verfügen!

Bastian Kossmann / 19.07.2016

Am Beispiel von Energiesparlampen kann ich gut die Berechtigung der Förderung/Forderung von Energieeffizienz durch den Staat zeigen: Ich nehme an, Energiesparlampen besitzen das Potential, Licht gleicher Qualität zu geringeren Gesamtkosten bereitzustellen als herkömmliche Glühlampen. Allerdings ist anfänglich die Technik noch nicht ausgereift genug, um Energiesparlampen in guter Qualität zu geringen Kosten herstellen zu können, so dass für Verbraucher ein hoher Anschaffungspreis die möglichen Einsparungen kaum lohnenswert erscheinen lässt und Hersteller nicht kostendeckend produzieren können. Erst durch Erfahrungskurveneffekte und Produktion in großem Maßstab sinken die Kosten und verbessert sich die Qualität so weit, dass die Energiesparlampen den herkömmlichen deutlich überlegen sind. Dieser Punkt wird aber ohne Eingriff des Staats (sehr viel) später erreicht, weil Lampenhersteller risikoscheu sind und Entwicklungsfortschritt bei Lampen ein öffentliches Gut ist. Wenn Verbraucher nach einer Investition in Energieeffizienz ihr Verhalten ändern und mehr von der nun zu geringeren Kosten (effizienter) bereitgestellten Dienstleistung nachfragen, dann tun sie dass, weil ihnen daraus ein größerer Nutzen erwächst als wenn sie ihre Nachfrage unverändert ließen. Der beobachtete Rebound steigert deswegen die Wohlfahrt und ist nichts schlechtes. Wenn trotz dieses positiven Effekts auf die Wohlfahrt durch die Erhöhung von Abgaben auf Energie einem Reboundeffekt aus politischen Gründen (oder wegen externer Kosten) entgegengewirkt werden soll, verhindert dies nicht automatisch Energieeffizienzsteigerungen, wenn diese Abgabenerhöhung nicht ausschließlich energieeffizient erstellte Güter trifft. Typischerweise werden neben den energieeffizienten erstellten auch herkömmlich erstellte Güter am Markt sein, deren Preis durch eine Abgabenerhöhung noch stärker steigt. Damit wird ein zusätzlicher Anreiz für die Investition in Effizienzsteigerungen gesetzt. Schließlich wird der Reboundeffekt in den meisten Fällen nur zu relativ kleinen Defiziten bei der Energieeinsparung führen. Viele Technologien zur Effizienzsteigerung sind kaum wirtschaftlich. Gerade hier wurde oft dargestellt, dass die Kosten der Dämmung von Gebäuden praktisch nicht innerhalb der Nutzungsdauer durch die Einsparungen bei den Brennstoffkosten amortisiert werden. Damit gibt es keinen (oder sogar einen negativen) “Einkommenseffektrebound”, weil der Nutzer kein zusätzliches Budget zur Verfügung hat. Was dann noch an “Substitutionseffektrebound” übrig bleibt, macht selten viel aus. Vor allem bei Flugreisen ist es unwahrscheinlich, dass sinkende Treibstoffkosten die Nachfrage explodieren lassen, weil Verbraucher hier in anderer Hinsicht eingeschränkt sind (zur Verfügung stehende Urlaubszeit). Gillingham et al. fassen in Nature die Argumente kurz zusammen und kommen zu einer ähnlichen Einschätzung (“The rebound effect is overplayed”). Eine gute Analyse gibt auch Borenstein (2015), der tatsächlich für Lampen und Autos den Rebound mit seinem Modell abschätzt (“A MICROECONOMIC FRAMEWORK FOR EVALUATING ENERGY EFFICIENCY REBOUND AND SOME IMPLICATIONS”).

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