Wolfram Weimer / 26.11.2011 / 17:13 / 0 / Seite ausdrucken

Merkel ist kein Bond-Girl

Sein Name ist Bond. Euro-Bond! Seine Mission: Deutschland zahlen zu lassen. Seine Idee: Die Schulden der Euro-Staaten werden sozialisiert und Deutschland bürgt. Seine Helfer: Ganz Südeuropa. Sein Feind: Angela Merkel.

Die deutsche Bundeskanzlerin kämpft in diesen Tagen eine reichlich tapfere Verteidigungsschlacht gegen die Eurobond-Agenten - und sie wird zusehends einsam dabei. Nur noch Finnland, Österreich und Holland stehen zaghaft hinter ihr. Frankreichs Solidarität in dieser Frage hat eher den Charakter eines flüchtigen Handkusses. Sogar im eigenen Land ist ihr die Opposition schon in den Rücken gefallen, auch Wirtschaftsexperten,  Kommentatoren und die EU-Führung wanken.

Nun, da sein Heimatland Portugal zahlungsunfähig geworden ist, hat sich selbst EU-Kommissionschef Barroso so dreist für die Eurobonds stark gemacht, dass ihm die Bundeskanzlerin in aller Öffentlichkeit die Note “bekümmerlich” (ein wenig tantenhaft) und “unpassend” (das sitzt) ausstellte. Das Verhältnis zwischen “Chère Angela” und dem “lieben José Manuel” ist seither auf dem emotionalen Niveau einer Ramschanleihe angekommen. Agent Euro-Bond zerstört selbst alte Allianzen.

Die Befürworter erhoffen sich von den Eurobonds eine Art lässig-spektakulären Befreiungsschlag aus der Schuldenkrise - so als würde ein Geheimagent einen Waldbrand mit einem Glas Gin Tonic löschen. Da Deutschland über die Eurobonds für die Schulden aller anderen Staaten letztlich bürgte, könnten sich alle wieder günstig Geld besorgen. Die Party ginge weiter. Das Problem ist nur dreierlei: Erstens würden die Zinsen für Deutschland und die Nordstaaten deutlich steigen. Der Preis für die Eurobonds ginge sofort in die Milliarden. Ausgerechnet die solideren Staaten würden für die Haushaltssünden der Hallodris bestraft. Eurobonds wären also ungerecht.

Zweitens würden Eurobonds schlagartig den Spardruck von den unsoliden Staaten nehmen. Da es keinem dieser Staaten bislang gelingt, auch nur ansatzweise einen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen, dürfte das schamlose Schuldenmachen hernach munter weitergehen. Das eigentliche Problem der Schuldenkrise würde sich verschlimmern anstatt sich zu verkleinern. Die Schuldsumme, für die Deutschland am Ende haftete, wäre gigantisch. Eurobonds wären also riskant und unseriös.

Drittens würde die Europäische Union endgültig zur Schuldenunion mutieren. Es gäbe kein Regulativ der Märkte mehr über differenzierte Zinssätze echte Risiken abzubilden. Das EU-Europa wäre nurmehr ein Schuldenmoloch, der sich so lange frisches Geld besorgen könnte, wie Deutschland noch stark erschiene. Kurzum: Eurobonds schadeten Europa.

Dass Europa eine Transferunion geworden ist, mag angehen. Reichere helfen Ärmeren - das ist ein vertretbares Prinzip auch in kontinentaler Dimension. Darum zahlt Deutschland seit Jahrzehnten mehr in die EU-Kassen als es herausbekommt. Viele Milliarden Aufbauhilfen sind so in den Süden geflossen. Auch der Rettungsfonds ist noch vernünftig, denn man hilft Partnern in einer Krise und stabilisiert das gemeinsame Finanzsystem. Die Eurobonds aber wären der Schritt in den Schuldensozialismus, der Europa mehr schaden als nützen würde.

Wenn Angela Merkel sich also den inzwischen minütlich vorgetragenen Forderungen widersetzt, dann tut sie das nicht nur im nationalen Interesse Deutschlands. Sie tut es auch in Sorge für ein Europa, das endlich solide wirtschaften lernen muss. Eurobonds wären wie Freischokolade für eine Bande überfetteter Kinder. Dabei ist die Stunde der Diät längst gekommen. Man kann nur froh sein, dass Angela Merkel kein Bond-Girl ist.

Zuerst erschienen im Handelsblatt
http://www.handelsblatt.com/meinung/kolumnen/weimers-woche/merkel-ist-kein-bond-girl/5885828.html

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