Anna Veronika Wendland, Gastautor / 08.01.2018 / 06:25 / 19 / Seite ausdrucken

Mein Name ist Baake mit B wie Blackout

„Wenn der Senator erzählt", heißt ein Song des linken Liedermachers Franz-Joseph Degenhardt. Das Lied handelt von einer deutschen Kapitalistenkarriere quer durch alle Regime, in der Bauernschläue und politische Geschmeidigkeit einen Mann aus kleinen Verhältnissen immer oben schwimmen lassen: „Ja, wenn der Senator erzählt / Das ist der, dem das ganze Wackelsteiner Ländchen gehört / und alles, was darauf steht. / Wie der angefangen hat..."

Auch Rainer Baake hat klein angefangen, in der westdeutschen Provinz, hat Wirtschaft studiert und ist sogleich nach dem Studium grüner Campaigner und Berufspolitiker geworden. Man brauchte damals bei den Grünen genau solche Leute: Männer, die vorgeblich was von Wirtschaft verstanden und gute Geschichten erzählen konnten, vom Weg des Landes „ohne Kohle und Uran", von der „Energiewende", die etwas Schöneres zu werden versprach als Kohls Geistig-moralische, oder die lästige Wende von '89, nach der lauter grün-abholde Ostdeutsche die Wahlergebnisse verdarben.

Wer je in Hessen mit nuklearen Dingen zu tun hatte, erinnert sich mit Schrecken an Baakes Anti-Atom-Karrierestart unter Rotgrün, der ihm aber nicht nur die Türen zum späteren Werdegang als Energiewende-Strippenzieher öffnete, sondern auch bei der Schwarz-Grün-Optionen schon lange vorausdenkenden Angela Merkel einige Steine im Brett einbrachte.

Auf Herrn Baake ist Verlass

Wenn man sich nach Fukushima beim angekündigten Totschlag der deutschen Energiewirtschaft auf einen Mann verlassen konnte, dann war das der Herr Baake, der folgerichtig auch ohne jede grüne Regierungsbeteiligung als grüngraue Eminenz an beziehungsweise nahe der Macht bleiben durfte, zuletzt als Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, zuständig für Energiefragen.

Dort konnte er dem Bundesrechnungshof vor einem Jahr nicht so genau sagen, wo all das Energiewendegeld seines Hauses hingeflossen ist und was genau es bewirkt, weswegen der BRH ziemlich not amused war. Baakes damaliger Chef, Sigmar Gabriel, der sinngemäß mal die Energiewende als Biotop für Bekloppte bezeichnet hat, auch wenn er dieses Diktum geschickt unseren Nachbarländern vom Maul abgeschaut zu haben vorgab, ist längst weg.

Wer blieb, ist Baake, und wir können davon ausgehen, dass er auch die nächsten Regierungswechsel (oder -restaurationen) unbeschadet überstehen wird. Denn er wird ja gebraucht. Für die Energiewende. Und nun gehört ihm das ganze Zappelstromer Ländchen von Flensburg bis Passau, und, ja, wenn der Staatssekretär erzählt:

„Niemand hat erwartet, dass wir die 100 Prozent [Versorgung durch Erneuerbaren-Strom] ausgerechnet an einem Wintertag früh morgens erreichen."

Damit suggeriert der Staatssekretär einen winterlichen Hochverbrauchstag, also  Höchstanforderungsbedingungen für unsere Verbundnetze. In Wahrheit war es jedoch der Neujahrstag um sechs Uhr morgens, wahrscheinlich der Morgen mit dem geringsten Stromverbrauch überhaupt in der Wintersaison, weil nicht nur die meisten Deutschen nach durchfeierter Nacht im Bett liegen, sondern auch etliche Betriebe noch nicht aus der Weihnachtspause zurückgekehrt sind, und ihre Maschinen folglich keinen Strom verbrauchen. Alles Faktoren, die den Strombedarf minimieren. Am 1. Januar 2018 wehte zudem der Wind kräftig, was die Versorgung durch Erneuerbare maximierte und es so möglich machte, die Kater-müden 40 Gigawatt Leistungsanforderung zu bestreiten.

Jubelnarrative im Angebot

Der Herr Staatssekretär Baake ist auch eine der leitenden Figuren der „Agora Energiewende", eines angeblich frei diskutierenden Forums, das aber meistens nur Jubelnarrative im Angebot hat. Doch besitzt die „Agora" ein überaus nützliches Feature, das „Agorameter", an dem wir die tägliche Verbrauchs- und Produktionskurve ablesen können, und das von seinen Erfindern wahrscheinlich schon dutzende Male zur Hölle gewünscht wurde, weil es mit sturer Präzision auch all die Tage dokumentiert, an denen Herrn Baakes Erzählungen für die Katz’ sind.

Zum Beispiel die Dienstage oder Donnerstage im November oder Februar, wenn der Bedarf des Landes nicht bei 40 Gigawatt liegt, sondern bei rund 80, von denen die Erneuerbaren – selbst unter guten Licht- und Windbedingungen – nur einen Teil abdecken, und bei schlechten – so gut wie nichts. Wie es 2017 insgesamt einige Wochen lang der Fall war.

Aber diese Tage (und Wochen) übergeht Herr Baake geflissentlich. Natürlich weiß er's besser. Er kennt den Unterschied zwischen installierter und erbrachter Leistung. Er weiß sicherlich auch, dass bei Windstille 50 Windkraftanlagen dasselbe produzieren wie 100, nämlich keinen Strom. Er wird sicherlich auch wissen, was gesicherte Leistung ist, zu der Wind- und Solarenergie so gut wie nichts beitragen, und die ökologisch verheerende Biomasseverstromung lediglich ein bisschen.

Er weiß, dass es (noch) Kohle- und Kernkraftwerke sind, die seinen Erneuerbaren den kalten Allerwertesten retten, wenn es hart auf hart kommt. Und er weiß, dass die Energiewende kläglich in einer verlängerten (Kraft-)Werk(s)bank enden wird, weil Deutschland klammheimlich auf die Nachbarn als Reserve spekuliert – Nachbarn, die unseren Unsinn nicht mitmachen.

Aber warum sollte er das dem Volk auf die Nase binden, das nicht weiß, was ein Kapazitätsfaktor ist, und zudem die grünen Märchen nur zu gerne glaubt? Und deswegen plädiert er dafür, die Energiewende zu forcieren, aus den 50 Windrädern 100 zu machen, und die dann „überflüssigen" Kohlekraftwerke den sukzessive verbotenen Kernkraftwerken hinterherzuschmeißen. Ja, wenn der Staatssekretär erzählt.

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Leserpost (19)
Karin Eschert / 08.01.2018

Die Energiewende in ihrem Lauf holt weder Ochs noch Esel auf… frei nach E.H.

Otto Auburger / 08.01.2018

Wirtschafts-Studium > grüner Campaigner und Berufspolitiker, jetzt maßgeblicher Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium, zuständig für Energiefragen. (Energie soll eigentlich was mit Technik u.ä. zu tun haben , oder ?) Dazu dann noch der optische und intellektuelle Supergau im Umweltministerium , eine Dame, die ganz offensichtlich den Unterschied zwischen installierter und kontinuierlich = verlässlich nutzbarer Leistung einfach ignorieren kann und darf. Diesen beiden Koryphäen kann man doch die Energieversorgung einer (noch) Industrienation bedenkenlos anvertrauen.  Und die Tagespresse (02.01.2018) zeigt sich auch auf der ersten Seite begeistert über die 100 % Ökostromversorgung und stößt in das gleiche Horn. Höchst investigativ. Es ist nur noch kriminell zu nennen, was hier abläuft.

Albert Pflüger / 08.01.2018

Ja, die Energiewende findet tief im Märchenland statt, zu einer Zeit, in der Wünschen noch hilft. Wenn alle Guten ganz fest zusammenhalten und keiner aus der Reihe tanzt beim gemeinsamen Wünschen, dann wird es auch wahr. Und wenn nicht, dann ist der aber auch ganz doll schuld, daß es nicht klappt. Das sind wir unserem Weltklima schuldig. Und jedem Schmetterling und jeder Biene, für die wir kämpfen. Und schließlich: Wir schaffen das! Wie diese andere Sache mit den “Männergruppen” und den MuFls…..und diesem Flughafen, den sie da schon so lange bauen, bei Berlin…. OK, es fehlt noch etwas an der nötigen Wunschintensität, manchmal, aber unsere Medien arbeiten dran. Kein fußbreit Raum diesen Nazi- Zweiflern an der guten Sache! Und, Lindner: So geht es nicht! Schulz, Nahles: Man muß Verantwortung übernehmen! Mitmachen. Mitwünschen. #YouToo!

Hans-Peter Klein / 08.01.2018

Der ganze Artikel hat es leider nur zu einer Polemik geschafft. Ihre Statisterei hat mit umfassender Informationm wenig zu tun sondern ist ein klassisches Beispiel wie man sich aus aus einer großen Datenmenge genau das heraus pickt, wass der eigenen Argumentation dienlich scheint. Das erwähnte Agorameter und die energy-charts des Fraunhofer-ISE sind ganz hervorragende Instrumente um sich umfassend zu informieren, sie gewährleisten genau die Transparenz die für eine faktenbasierte Argumenation erforderlich sind. So lieferten alle EE in der letzten Dezemberwoche vom 25.12. - 31.12.2018 bereits 59 % des deutschen Stromverbrauchs, nämlich 5,85 TWh im Vergleich zu 4,08 TWH durch konventionelle Stromerzeugung (Kohle, Kernenergie). Das ist ein bislang einzigartiger Spitzenwert, der jährliche Landesdurchschnitt lag immerhin bereits bei 38,5 % durch EE am gesamten Deutschen Stromverbrauch mit steigender Tendenz. Die Gegner der Energiewende mögen es besonders, sich einzelne Tage heraus zu picken an denen die Stromerzeugung durch EE besonders niedrig ist, an den Tagen der sog. Dunkelflaute. Dann kann der EE-Anteil tatsächlich auf 5 % absinken, die dann, genau in diesen Stunden zu 95 % durch konventionelle ersetzt werden müssen. Als repräsentative Aussage taugen sie jedoch nicht, denn diese Perioden niedrigen EE-Beitrags werden von Jahr zu Jahr geringer, wohingegen der Jahresdurchschnitt sowie die Perioden mit Spitzeneanteil der EE von Jahr zu Jahr steigen. Die EE ersetzen jedes Jahre Importe an Primärenergieträgern (Öl, Kohle, Gas, Uran) in der Größenordnung > 20 Milliarden Euro die im hiesigen Wirtschaftskreislauf verbleiben.      

Dirk Jungnickel / 08.01.2018

Was Blackout -  Baake möglicherweise weiß, aber ignoriert: Dass in Deutschland Landstriche und ganze Landschaften mit diesen weder ökolologisch noch ökonomisch sinnvollen Windquirlen verschandelt wurden und - schlimmer - noch werden; dass ihnen vor allem seltene Raubvögel zum Opfer fallen und - last not least - die Gesundheit von Menschen in der Nähe beeinträchtigt wird. Dieser im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel schreiende Schwachsinn als Begleiterscheinung der sogen. Energiewende wird endlich von der Mehrheit der Bevölkerung als solcher erkannt. Es wäre ausgleichende Gerechtigkeit, wenn Baake, Trittin mit Gefolge und - besonders pikant- die Kanzlerin bei Einsätzen verpflichtet werden,  in denen es darum geht, die immensen Betonmassen, die unter den Quirlen verbuddelt wurden, wieder der Erde zu entreißen. Allerdings unter der Bedingung, dass die Schuldigen lediglich mit Hacke und Spaten ausgerüstet werden dürften. Beteiligt werden sollten auch die Landeigentümer, die sich über die Subventionen eine goldene Nase verdient haben. Ich hoffe, nein, ich weiss, der Tag wird kommen, wo auch diese grünen Gespenster verjagt werden…

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