Malte, Murat und die Liebe wie in Hollywood

Mia ist tot. Erstochen in einem DM-Drogeriemarkt von einem angeblich 15-jährigen afghanischen Asylbewerber. Er war ihr Ex-Freund, wofür man bei den Öffentlich-Rechtlichen und zahlreichen Initiativen „gegen Rassismus“ ziemlich dankbar zu sein scheint. Beziehungstaten hat es nämlich schon immer gegeben. Mit der Kultur des Heimatlandes von Abdul Mobin D., dem Täter von Kandel, hat das indes nichts zu tun. Mit der Religion, die nichts mit sich selbst zu tun hat, auch nicht.

Dabei ist vielen Menschen sehr wohl bewusst, was das Frauenbild in Afghanistan und anderen islamischen Ländern mit dem Verhalten des Täters zu tun hat. Die wichtigere Frage ist, was junge Mädchen und Frauen dazu antreibt, sich auf diese jungen Männer einzulassen.

Vielleicht sollten wir uns einmal fragen, wie politisch unsere eigene Kindheit und Jugend war. Sofern wir nicht gerade zu diesen gruseligen Menschen gehören, die mit 14 in die Junge Union eingetreten sind. Als 9/11 geschah, war ich dreizehn. Alt genug, um zu realisieren, dass das, was dort passierte, schlimm war. Zu jung, um es politisch einzuordnen. Es ist der Segen der Jugend, dass wir die Dimension von Ereignissen noch nicht abschätzen können. Dass wir furchtlos sind und uns für unsterblich halten. Dass die Probleme der Älteren nicht unsere sind. Dass man Jungs danach aussucht, ob sie süß und nicht, ob sie Deutsche oder Ausländer sind.

Ja, Mia hätte ich sein können. Mia hätte so gut wie jedes andere 15-jährige Mädchen sein können. Und was noch bedenklicher stimmt: Mia hätten auch viele erwachsene Frauen sein können.

Nicht nur ein Culture Clash

Denn was wir erleben, ist nicht nur ein Culture Clash, der sich an bekannten Streitthemen wie dem arabischen Judenhass und einem Staatsverständnis manifestiert, das zutiefst durch religiöse Vorstellungen geprägt ist. Er zeigt sich schon an kleineren Dingen, in der Art, wie Zuneigung signalisiert und Beziehungen geführt werden.

Junge muslimische Männer, wie der Täter von Kandel, haben oft zwei Gesichter, von denen sich das böse erst zeigt, wenn das eigene muslimische Ehrgefühl verletzt wird. Bis dahin erfüllen sie in vielfacher Hinsicht die Sehnsucht nach jener Hollywood-Liebe, die sich im Alltag der durchrationalisierten westlichen Gesellschaften kaum noch finden lässt.

Denn anders als die meisten deutschen Männer sprechen diese jungen Männer in deutlicheren Worten über Gefühle. Nach kurzer Zeit fallen bereits Worte wie „Schatz“ und „Liebe“. Es handelt sich um eine Art „Für-immer-und-ewig-Rhetorik“, die in ihrer Unkompliziertheit und vermeintlichen Unverdorbenheit eine Klarheit der Liebe suggeriert, wie man sie allenfalls noch aus romantischen Filmen kennt.

Eine Liebe, die in starker Abgrenzung zu dem steht, was uns zumeist in der nicht allzu gefühligen Realität westlicher Gesellschaften erwartet. Es ist jener irrationale, schmierige Kitsch, der bei jungen Mädchen und mitunter auch erwachsenen Frauen Sehnsüchte weckt, den man eigentlich längst zu den Akten gelegt hatte. Eine „Masche“, die deshalb funktioniert, weil sie auf fruchtbaren Boden fällt. Weil in einer Gesellschaft mit einer 50-prozentigen Scheidungsrate und einer Rekordzahl an Alleinerziehenden und kinderlosen Karrieremenschen an die Stelle, wo einmal die Vorstellung von „Für immer und ewig“ stand, eine Leere getreten ist, eine Leere, nach deren Kompensation sich insbesondere sensible Frauen und Mädchen sehnen.

Domestiziertes Weichei und schroffer Rationalist

Es ist die Ambivalenz des jungen deutschen Mannes, der oft in Abgrenzung zum temperamentvollen muslimischen Macho zugleich domestiziertes Weichei und schroffer Rationalist ist, der keine Sehnsüchte mehr zu wecken imstande ist. Niemand findet den Funktionsjacken-Träger sexy, und keine Frau findet es sonderlich romantisch, immer wieder zu hören, dass die Liebe an zweiter Stelle nach der Karriere, der eigenen Selbstverwirklichung kommt. Dass man nicht bereit ist, auch nur den kleinsten Kompromiss für sie einzugehen.

Man hat sie satt, die jungen Männer, die sich nicht binden wollen und können, selbst wenn ihre klaren Ansagen sehr viel ehrlicher sind, als das Geschwafel von Murat. Liebe ist insbesondere für Frauen auch immer ein bisschen Treibenlassen, Geheimnis und irrationale Leidenschaft und weniger der ehrliche, aber vorab gesteckte Rahmen über die Art der geplanten Beziehung zueinander und auch kein Tauschgeschäft, dessen Modalitäten im Voraus abgesteckt werden.

Fairerweise muss jedoch auch gesagt werden, dass das Problem ein hausgemachtes ist. Es gehört zum eigenen Selbstbetrug, den deutschen Mann unter dem Deckmantel der Emanzipation zu domestizieren und ihm immer dann Sexismus zu unterstellen, wenn er sich in Komplimenten und Höflichkeit übt, während man Murats Machogehabe mit einem Kultur- und Exotenbonus bedenkt – weil man sich insgeheim doch nicht den Soziologiestudenten und gegenderten Frauenversteher wünscht, sondern den richtigen Mann, der zeigt, wo es langgeht und dabei doch Gefühle zeigt.

Darüber hinaus werden dem westlichen Mann, anders als dem muslimischen, derlei Gefühlsausbrüche zumeist übelgenommen. Ist er distanziert und rational, ist es falsch. Ist er es nicht, ist er womöglich ein verrückter Stalker, und man fühlt sich schnell eingeengt. Wie er es macht, ist es verkehrt.

Der Grund liegt in der gleichen Lebenswelt, mit ihren gleichen Werten und Standards, die wir mit Malte-Thorben teilen, aber nicht mit Murat und Abdul Mobin. Während sich unter jungen Deutschen Verhaltensweisen durchgesetzt haben, die uns am Ende des Tages zwar nicht glücklich machen, aber zumindest wahnsinnig cool erscheinen lassen, suggeriert uns die vermeintliche Unverdorbenheit dieser anderen Liebe, dass wir endlich alles an Gefühlen herauslassen können, was wir uns aus Coolness-Gründen sonst immer verkniffen haben.

Weniger Liebe denn Masche

Dass auch diese Liebe nicht unverdorben ist, lernen wir meist erst im Erwachsenenalter, sofern wir über die Möglichkeit der Selbstreflexion verfügen und kulturelle Faktoren anders einordnen. Wir lernen, dass es weniger Liebe denn Masche ist und Malte-Thorben vielleicht nicht gut im Gefühle zeigen, aber dafür sicherlich aufrichtiger ist.

Mit 15 ist das anders. Da glauben wir noch an die große Liebe wie im Film. Da ist unser Leben noch nicht politisch. Da sind wir unsterblich, bis der Märchenprinz uns ein Messer in den Körper rammt. Da tragen wir keine Schuld, da sind wir Kind. Und auch heute wollen wir manchmal noch an die Liebe wie früher glauben.

Vermeintlich moralische Entscheidungen, wie die unkontrollierte Grenzöffnung, führen in ihren Resultaten meist zu Konsequenzen, die sich erst im weiteren Verlauf zeigen. Eine davon ist, dass die Sehnsucht über das, was wir gesellschaftlich verloren wähnen, nun vermeintlich von jungen Männern erfüllt wird, die nicht immer gute Absichten haben, die mit Zurückweisung nicht umgehen können und die weibliche Freiheit nur bedingt akzeptieren.

Es ist nicht Mias Schuld, sondern die Schuld einer Politik und medialen und gesellschaftlichen Debatte, die Vorsicht als Rassismus brandmarkt. Die nur den Blick nach vorne und die Schönrednerei kennt. Die Gefahren negiert und kulturelle Muster zu Einzelfällen macht. Deren größte Angst die angebliche Fremdenfeindlichkeit einer Gesellschaft ist. Und die nichts mehr fürchtet, als in die „rechte Ecke“ abgeschoben zu werden

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Leserpost (56)
Henri Brunner / 02.01.2018

Nicht erst seit heute versuchen die Frauen die Männer zu domestizieren nach ihrem Geschmack, und nicht erst seit heute wenden sie sich enttäuscht ab, wenn der erfolgreich domestizierte Mann langweilig und gewöhnlich geworden ist. Aber erst seit neueren Zeiten werden die Frauen bei der Domestizierung in ungeahntem Ausmass unterstüzt, duch Medien, Gesetze und, nicht zu vergessen, durch die Männer selbst (ob dies bereits domestizierte Männer seien, sei mal dahingestellt). Letztlich hat sich die alte Strategie der Frauen (fürs Leben den Ernährer, fürs Vergnügen und die Fotpflanzung den Eroberer) nur leicht verändert, indem die Eroberer zunehmend solche von Aussen importiert sind. Dass dies nun mit einem erhöhten Risiko für die Frauen verbunden ist, mag manche überraschen, ist aber durchaus angemessen, haben doch gerade die Frauen mit am meisten Begeisterung Teddybären geworfen, und sind auch die Frauen die treuesten Wähler gerade derjenigen Regierung, welche diese Eroberer noch immer importiert.

Volker greve / 02.01.2018

Frauen wollen etwas dass es nicht gibt, nie gegeben hat und nie geben wird. Sie wollen ein Alphatier aber die Macht behalten , sie wollen Kinder aber Karriere machen , sie wollen alternatives Leben aber dem Luxus frönen . Es wäre gesellschaftspolitisch besser sie hätten weniger Einfluß. Aktuelle Funktionsträgerinnen zeichnen sich zum Grossteil nicht durch nüchterne Sachkompetenz aus. Aber;es ist so gewollt.

Joachim Neander / 02.01.2018

Liebe Frau Schunke, wieder einmal ein Artikel von Ihnen, der die Dinge auf den Punkt bringt. Das Männlichkeitsideal islamischer Gesellschaften ist einfach “naturnäher” als das, welches der derzeitige Zeitgeist im Westen propagiert und lehrt. Um nicht auszusterben, muss jede Art sich erst einmal fortpflanzen, und “jenes höhere Wesen, das wir verehren” (Bur-Malottke) hat uns, wie alle Mammalia, zweigeschlechtlich erschaffen mit biologisch festgelegten Rollen im Reproduktionsgeschäft. Mag es auch in westlichen Gesellschaften mainstream sein, dass Geschlecht nur ein soziales Konstrukt und LGBTTIQ*-etc. das eigentlich Menschgemäße sei - Biologie wird immer über Ideologie obsiegen. Die Zukunft gehört nicht Gesellschaften, die sich von der Fortpflanzung ausschließen, sei es auch um hehrer Ideale willen. Und dass Frauen - biologisch bedingt - sich zu den Stärkeren, “männlicheren” Männern hingezogen fühlen, zeigt z.B. auch, dass in besetzten Ländern Fraternisierungsverbote nie genützt haben.

Heiko Stadler / 02.01.2018

Hinzu kommt, dass die jungen, attrakiven und temperamentvollen Südländer jede Menge Zeit haben, denn sie müssen sich keine Sorgen um ihren Lebensunterhalt machen.

volker kleinophorst / 02.01.2018

Das die Frauen seit Jahrzehnten diese Masche “Hollywood-Liebe” nicht durchschauen, lässt doch tief blicken. Mal “Bezness” googlen. Aber es liegt immer irgendwie an den deutschen Männern, jetzt plötzlich “domestizierte Weicheier”. Das verbitte ich mir. Wir haben kein “Männerproblem”. Wir haben ein “Frauenproblem”. Aber der deutschen Frau fällt ja nicht einmal auf, wie sie vom Zuhälter-Staat mit Flirtkursen den Neubürgern zu Spaß vorgeworfen wird, während es nicht einen Flirtkurs für Neubürgerinnen und deutsche Männer gibt. Dabei ist Frau ja so schlau. Viel schlauer als Mann. Wenn Frauen sich permanent gegenseitig erzählen, sie seien die Krone der Schöpfung, wird es dadurch nicht zum Fakt. Alles andere, was ich dazu sagen könnte, druckt eh keiner.

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