Karim Dabbouz / 16.10.2017 / 17:55 / Foto: achgut.com / 10 / Seite ausdrucken

Linke Privilegienkids auf Urlaub in der Gosse

Ich bin familiär in der Dortmunder Münsterstraße verwurzelt. Ich kenne die Ecke Mallinckrodtstraße/Münsterstraße, an der in der Nacht von Freitag auf Samstag ein großer Polizeieinsatz stattfand. Es gibt einen Pressebericht der Polizei, der den Einsatz aus Sicht der Polizei schildert. Und es gibt eine gemeinsame Stellungnahme einiger „Anwohner“. Beide sind bei den Ruhrbaronen im Wortlaut zu lesen. Der Vorwurf: Die Polizei habe rassistische Kontrollen durchgeführt und auf die Gegenrede der „Anwohner“ mit Gewalt reagiert. Dazu drei Kommentare von mir:

1. Der Polizeieinsatz geht auf eine Straftat in einer Unterkunft für Flüchtlinge zurück. Es ist deshalb naheliegend, dass die Polizei nach Tatverdächtigen mit nicht-deutschem Aussehen fahndete. Die Fahndung fand an der Ecke Münsterstraße/Mallinckrodtstraße statt. Hier hat sich seit ca. 2010 nicht nur eine Drogenszene mit entsprechenden Kollateralschäden etabliert, sondern auch der „Nordpol“, ein in der linken Szene beliebtes Zentrum eröffnet. Es ist oft gut besucht, die Menschen stehen draußen auf dem Gehweg und trinken Bier, ein paar Meter weiter verkaufen andere Menschen Drogen. In diesem Milieu wird sich die Fahndung der Polizei zugetragen haben.

Die Menschen im Nordpol mögen die Polizei nicht. Hier wird jeder Polizeieinsatz als Provokation angesehen, vor allem dann, wenn er Menschen mit Migrationshintergrund trifft, was auf der Münsterstraße allerdings keine Besonderheit ist. Das Weißeste, was ihr auf der Münsterstraße finden werdet, sind eine Filiale von DM und der Nordpol. Erst Anfang des Jahres bedauerten die Betreiberinnen des Nordpol, „dass weniger Menschen aus der Nachbarschaft zu uns kommen.“ Es ist die Enklave der Lehrerkinder von der Antifa in der bösen, rauen Nordstadt. Dass die mehrheitlich armen Menschen in der Nordstadt Besseres zu tun haben, als Gender-Mainstreaming, und dass die Muslime in der Münsterstraße nicht gerne auf der Straße stehen und Hansa-Export für 50,- Cent saufen, finde ich wenig verwunderlich.

Es gibt auf der Münsterstraße keine intakte Zivilgesellschaft

2. Es gibt auf der Münsterstraße keine intakte Zivilgesellschaft. Als Teile meiner Familie noch auf diesem Abschnitt der Straße wohnten, haben wir regelmäßig die Polizei gerufen, weil sich die Dealer mit Gegenständen wie Eisenstangen und Backsteinen die Köpfe zu Matsch schlugen. Das kam so häufig vor, dass sich die Anwohner mit der Situation abgefunden haben. Die Polizei kommt, nimmt die Verdächtigen fest und am nächsten Tag geht es wieder von vorne los.

Man ist als Spießer, der ich bin, ziemlich alleine auf der Münsterstraße. Die Meinung innerhalb der Migranten-Community zur Polizei ist allerdings nahezu unisono diese: Die deutschen Bullen sind zu weich. Wenn sich die Menschen in der Nordstadt etwas wünschen, dann ist es mehr Polizei. Nichts liegt den Menschen, die wirklich dort leben, ferner, als der Polizei mit Rassismus-Vorwürfen zu kommen.

Im Gegenteil: Man ist froh, wenn die scheiß Dealer weg sind. Es ist höchst unwahrscheinlich, dass echte Anwohner der Münsterstraße gemeinsam eine Stellungnahme in perfektem Deutsch veröffentlichen, um sich über Polizeigewalt zu beschweren. Denn die einzigen, die Probleme mit der Polizei haben, sind die Dealer, ihre Freunde und diejenigen, die aus politischen Gründen Anti-Polizei sind: Nämlich die Kids vom Nordpol.

3. Die Stellungnahme der „Anwohner“ ist dekadente Selbstjustiz, die vollkommen an den Bedürfnissen der echten Nordstadt-Bewohner vorbeigeht. Fest steht: Ein Mensch wurde mit einem Messer verletzt, noch dazu in einer Unterkunft für Flüchtlinge, in der Menschen eigentlich Schutz finden sollen. Die Polizei fahndet nach dem/den Tatverdächtigen, um sie aus dem Verkehr zu ziehen. Damit leistet sie einen Dienst an der Bevölkerung der Nordstadt, die die Schnauze voll hat von Gewalt.

Der privilegierten, mehrheitlich weißen linken Jugend fällt nichts Besseres ein, als diese Fahndungsmaßnahmen zu kritisieren und zu behindern. Damit arbeitet sie gegen die eigentlichen Interessen des Viertels. Statt die Verletzung eines Menschen für ihre politischen Zwecke zu missbrauchen, sollte sie sich überlegen, was für die Münsterstraße wirklich wichtig ist: Ungestört von der Polizei billiges Bier zwischen Dealern saufen zu können oder die Interessen der Menschen, die wirklich Anwohner sind zu wahren?

Dieser Beitrag erschien zuerst auf dem Blog Ruhrbarone hier.

Nachtrag: Die Polizei sieht hier tatsächlich ganz, ganz schlecht aus. Allerdings
aus einem ganz anderen Grund.

Foto: achgut.com
Leserpost (10)
mike loewe / 16.10.2017

Eine zivilisierte Gesellschaft kommt mit einer “weichen Polizei” sehr gut aus. Wenn man damit nicht mehr auskommt, lässt das auf den Zustand der Gesellschaft schließen. Schade eigentlich, die netten Zeiten sind jetzt vorbei, und es liegt auf der Hand woran das liegt.

Michael Wolff / 16.10.2017

Den kriminellen Protagonisten kann man doch eigentlich keinen Vorwurf machen. In ihren Herkunftsländern werden sie bei ungesetzlichen Vergehen weniger weich behandelt. Folglich nehmen sie die sanften Belästigungen seitens Polizei und Justiz nicht ernst. Ich spreche hier nicht polizeilicher Willkür das Wort, aber durchsetzungsfähig soll und muss die Exekutive sein. Diesbezüglich wäre ein Ruck in der Anwendung von Gesetzen wünschenswert. “you break it, you buy it”

Th.F. Brommelcamp / 16.10.2017

Was soll’s, links ist modern, jugendlich und im Sinne der Grünen, SPD und der SED nachfolgepartei. Sie werden finanziell gepampert von Omas, Muttis und den linken Parteien. Wenn es Rechte wären würde es ein Aufschrei in den Parteien geben und selbst die Künast hätte nichts gegen einen Polizeieinsatz.

Georg Dobler / 16.10.2017

Verehrter Herr Dabbouz, Sie verdienen große Anerkennung dafür ,dass Sie die Zusammenhänge vor Ort und wer tatsächlich welche Interessen hat, erkannt und klar dargestellt haben. Auch gefällt die Wort-Schöpfung “linke Privilegienkids”. Danke an die Achse dass sie die Veröffentlichung solcher konkret klarer Beiträge ermöglicht, was in den “normalen” Medien eher sehr selten zu finden ist.

Karla Kuhn / 16.10.2017

“Der Vorwurf: Die Polizei habe rassistische Kontrollen durchgeführt und auf die Gegenrede der „Anwohner“ mit Gewalt reagiert. ”  RASSISTISCHE Kontrolle, eine neue Wortschöpfung ?? Ich kann mir darunter nichts vorstellen, vor allem im Zusammenhang mit einer Polizeikontrolle. Gehts noch ? Haben die Polizisten etwa ihre Samthandschuhe vergessen ? Vor einiger Zeit gab es eine Dokumentation über einen Polizistenaustausch. Der deutsche Polizist kam in den Genuß die Arbeit der amerikanischen Polizei kennenzulernen. Er war sichtlich beeindruckt. Ich glaube nicht, daß die Amis lange fackeln. Ich hoffe doch nicht, daß es so weit kommt, daß sich die Polizei noch entschuldigen muß für eine Razzia oder rechtfertigen für eine Verhaftung, derjenigen, die hier noch nicht lange leben.

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