Vera Lengsfeld / 26.01.2013 / 12:30 / 0

Lichtenberg ehrt die Gedenkstätte Hohenschönhausen

Am gestrigen 25. Januar fand im schönen Lichtenberger Rathaus in Berlin etwas statt, das man getrost als Zäsur bezeichnen kann.
Bürgermeister Andreas Geisel (SPD) überreichte dem Förderverein der Gedenkstätte Hohenschönhausen den „Preis für Demokratie und Zivilcourage“. In seiner Rede unterstrich Geisel, die Preisträger hätten sich „sich seit vielen Jahren beispielhaft um die Stärkung der Zivilgesellschaft und das demokratische Miteinander verdient gemacht und empfinden eine ausgeprägte Verantwortung für die Gegenwart und Zukunft.“
Mario Röllig und ich hatten die Ehre, den Preis entgegennehmen zu dürfen.
Mancher im überfüllten Rathausaal konnte ein überraschtes Aufstöhnen nicht unterdrücken. Bevor Andreas Geisel Bürgermeister wurde, war der Bezirk fest in der Hand der SED -PDS- Linken. Die Bundestagsabgeordnete Lötzsch (Linke) verlies sogar unauffällig, aber zügig den Saal.
Jahrelang hatte es Spannungen zwischen dem Bezirk und der Gedenkstätte gegeben.
Das änderte sich erst, als Andreas Geisel ins Amt kam. Schon früh besuchte er mit einer repräsentativen Delegation aus dem Bezirksamt die Gedenkstätte und machte klar, dass er sich dafür einsetzen würde, dass zukünftig auch Lichtenberger Schulen sie besuchen würden.
Lichtenberg hatte lange Zeit mit den historischen Lasten zu kämpfen, die von der DDR hinterlassen wurden: Die Stasizentrale in der Magdalenenstraße, das Stasiuntersuchungsgefängnis in Hohenschönhausen. Nach der Vereinigung kam der Ruf als Nazihochburg am Bahnhof Lichtenberg hinzu.
Heute gehört der Bezirk zu den am meisten unterschätzten in Berlin.
Es hat sich viel getan. Rings um das Rathaus ist in Nachbarschaft der Parkaue ein attraktives Wohngebiet entstanden. Im Jahr 1989 konnte man hier an den Hausfassaden noch die Einschusslöcher aus dem zweiten Weltkrieg sehen. In der ehemaligen Kleiderfabrik „VEB Fortschritt“ entstanden begehrte Lofts, die Straßen rings um die Normannen-, und Magdalenenstraße sind schön wie nie.
Wer dort spazieren geht, weiß, das es kein unrealistisches Ziel ist, was Bürgermeister Geisel verfolgt: Lichtenberg zu einem Ort für Familien mit Kindern zu machen.
Wenn, wie Roland Jahn vorgeschlagen hat, aus der ehemaligen Stasizentrale ein Campus für Demokratie wird, wird sich die letzte Düsternis, die der Ort heute noch ausstrahlt, verflüchtigen.
Die ehemalige Untersuchungshaftanstalt Hohenschönhausen ist auf andere Weise zum Ort der Demokratie geworden. Jeder Schüler, der hier war, weiß am Schluss einer Führung, warum es sich lohnt, die Demokratie zu verteidigen. Die Gedenkstätte ist immer mehr als ein Museum gewesen. Sie ist ein Lernort, eine Denkwerkstatt. Mit dem Umbau und der neuen Ausstellung wird das noch deutlicher werden.
Mit dem Preis ist die Gedenkstätte Hohenschönhausen endgültig in der Mitte von Lichtenberg angekommen. Beide werden davon profitieren.

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