Wolfgang Röhl / 18.11.2012 / 16:15 / 0 / Seite ausdrucken

Licht aus, Messer raus

Der Atomausstieg schafft Arbeitsplätze. Zum Beispiel durch den deutlich gestiegenen Absatz von Notstromaggregaten, welchen die Hersteller und der Fachhandel seit einiger Zeit erfreut beobachten. Auch Survival-Berater wie der „Outdoor- und Messerexperte“ Anton Lennartz haben jetzt guten Zulauf. Lennarzt wirbt für seine „Krisen-Seminare“ wie folgt: „Urban Survival hat einen wichtigen Stellenwert zur Erhaltung der eigenen Rechtsgüter. Wenn heute ganze Berliner Viertel und manche Großstadt-Straßenzüge für Ordnungskräfte beinahe wie uneinnehmbares Feindesland sind, wie soll dort z.B. bei längerem Stromausfall noch die öffentliche Sicherheit und Ordnung aufrecht erhalten werden? Schon heute erfolgen Angriffe auf Rettungskräfte und Feuerwehr. Werden die bei einer instabilen Lage ausrücken und retten? Welchen Schutz haben die Bürger im Falle längerer Unruhen?“

Panikmache? Den Vorwurf muss sich Lennartz nicht gefallen lassen. Auf seiner Website verweist er auf die Bundestagsdrucksache 17/5672. Der so genannte Technikfolgen-Abschätzungsbericht am Beispiel eines „großräumigen und langanhaltenden Ausfalls der Stromversorgung“ erschien am 27.4. 2011, gerade mal einen Monat nach der Merkel´schen 180-Grad-Wende in der AKW-Politik, war aber natürlich schon vorher erstellt worden. Das Papier umwickelt starken Tobak und wurde von den deutschen, fast unisono ausstiegsbegeisterten, Medien kaum publiziert. Aus dem 129 Seiten starken hochoffiziellen Bericht zitiert Messer-Mann Lennarzt das Fazit:

„Die Folgenanalysen haben gezeigt, dass bereits nach wenigen Tagen im betroffenen Gebiet die flächendeckende und bedarfsgerechte Versorgung der Bevölkerung mit (lebens)notwendigen Gütern und Dienstleistungen nicht mehr sicherzustellen ist. Die öffentliche Sicherheit ist gefährdet, der grundgesetzlich verankerten Schutzpflicht für Leib und Leben seiner Bürger kann der Staat nicht mehr gerecht werden. “

Woraus Überlebenskünstler Lennartz folgert: „Die dunklen Wohnungen locken sehr schnell Plünderer an. Es ist naiv, einer drohenden Krise mit Realitätsverdrängung zu begegnen. Diejenigen, welche in der Krise vorbereitet sind, werden es leichter haben, wenn andere nicht vorbereitet sind. Das klingt grausam, ist aber realistisch. Wenn die Versorgung kollabiert, werden die Menschen in den Ballungsräumen sich bekämpfen und wegen geringer Vorteile auch umbringen. Je weniger Menschen überleben, je größer sind die verbleibenden Ressourcen. In unserem Krisenseminar erfahren Sie unter anderem, wie Sie an Trinkwasser gelangen wenn das Wassernetz versagt, wie Sie mit gängigen Haushaltsmitteln einen Raum beheizen können, wie Sie Ihr Zuhause mit eigenen Mitteln gegen Eindringlinge sichern. Wir liefern das Know how und bilden Sie aus, damit Sie nicht zu den potentiellen Benachteiligten gehören.“?

Ein Angebot, das man schwerlich ausschlagen kann. Also, wie es beim CVJM zur Schlafenszeit einst hieß: Licht aus, Messer raus, drei Mann zum Blutrühren.

http://anton-lennartz.com/

http://dipbt.bundestag.de/dip21/btd/17/056/1705672.pdf

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