Oliver Zimski / 16.07.2016 / 06:00 / Foto: Px-lga / 8 / Seite ausdrucken

Können wir nicht einfach miteinander leben?

„Können wir nicht einfach miteinander leben, anstatt gegeneinander zu kämpfen?“ twitterte laut WELT eine „Lara“ nach dem Lkw-Anschlag von Nizza. „Laras“ frommer Wunsch impliziert, wenn „wir“ endlich aufhörten, gegen „sie“ zu kämpfen, würden „sie“ uns hoffentlich in Frieden lassen. Damit übernimmt sie, ohne es zu merken, die Logik der dschihadistischen Attentäter. Denn im „Haus des Krieges“ (dar-al-harb), wie die Dschihadisten in ihrer Auslegung des Korans die nichtislamische Welt bezeichnen, befinden sich die „unterdrückten Muslime“ in einem Dauerkonflikt gegen die „Ungläubigen“, der erst durch den endgültigen Sieg „des Islams“ beendet werden kann.

In Wirklichkeit kämpfen nicht „wir“ gegeneinander, sondern die Dschihadisten bekämpfen uns und unsere Lebensweise. Gerade unser „friedliches Zusammenleben“ ist für die islamischen Fanatiker das entscheidende Problem. Es sind die essentiellen Werte des Westens – Rede- und Pressefreiheit, das Recht auf individuelle Lebensentwürfe, die Gleichberechtigung von Mann und Frau, das Nebeneinander verschiedener Kulturen und Religionen – die sie bis aufs Blut reizen. Für „Laras“ Friedenssehnsucht haben sie nur Verachtung.

In ihrer Ideologie ist kein Platz für ein Miteinander von Moslems und Christen oder gar Atheisten. Ihre Frauen dürfen keine „Ungläubigen“ heiraten, und wer sich in die westliche Gesellschaft integrieren, gar „den Islam“ verlassen will, gilt als Verräter und ist des Todes. Egal deshalb, wie sich westliche Regierungen verhalten – ob sie sich an der Eindämmung des IS in Syrien und Irak beteiligen oder nicht – egal auch, wie anpassungsbereit an islamistische Forderungen sich westliche Gesellschaften zeigen – in jedem Fall werden sie im Fadenkreuz der Fanatiker bleiben und mit ihnen ihre Bevölkerungen.

„Dann kommt der Krieg eben zu euch“

„Stell dir vor, es ist Krieg, und keiner geht hin“, lautete ein Bonmot der westlichen Friedensbewegung in Zeiten der durch den Kalten Krieg bedingten Hochrüstung in den 80er Jahren. Spätestens am 11. September 2001 hat Osama Bin Laden darauf eine Antwort gegeben, die heute aktueller ist denn je: „Dann kommt der Krieg eben zu euch.“

Maßgebliche Teile der westlichen Eliten in Politik und Medien weigern sich hartnäckig, diese einseitige Kriegserklärung überhaupt zur Kenntnis zu nehmen. Tatenlos sehen sie zu, wie sich eine reaktionäre Variante des Islams in den muslimischen Communities Westeuropas ausbreitet, wie Jugendliche sich immer weiter radikalisieren, durch Hassprediger im Internet oder aus Saudi-Arabien und von der türkischen Religionsbehörde finanzierte Imame. Statt jedoch diese destruktiven Einflüsse konsequent zurückzudrängen, machen sie in einer grotesken Verkennung des Ursache-Wirkungs-Prinzips den in den westlichen Gesellschaften angeblich verbreiteten „Rassismus“ und „Rechtspopulismus“ verantwortlich. Das verstärkt noch den pathologischen Opfermythos der vielen „Ausgegrenzten“, die sich in Wahrheit durch ihre Ideologie selbst ausgrenzen.

Auf diesem Nährboden wachsen weitere Täter heran. Und so werden sich den vielen „Laras“ dieser Gesellschaft wohl leider auch in Zukunft Gelegenheiten bieten, Kerzen, Teddybären und weinerliche Trauerkarten mit der Frage „Why?“ vor den Orten islamistischer Attentate abzustellen.

Leserpost (8)
Lars Brinkmann / 16.07.2016

Wenn doch alle Probleme der Welt mit Kerzen und Teddybeeren zu lösen wären!

Gereon / 16.07.2016

Mir macht der islamofaschistische Terror keine Angst. Das ist ein Problem, das lösbar wäre, wenn jemand den entsprechenden Einsatz wagen und den überschaubaren Preis zu zahlen bereit wäre. Mir macht etwas anderes richtig furchtbare Angst: Diese unfassbare pathologische infantil-dümmliche Naivität der wohlstands-übersättigten Protagonisten in Europa, vor allem im westlichen Teil. Mit sowas kriegt man keine Konflikte in den Griff, mit sowas löst man keine Probleme und keine Krisen, mit sowas macht man die Tür zur Unterwerfung unter die mörderische Gewaltherrschaft von Extremisten sperrangelweit auf. DAS ist die größte Gefahr für Frieden und Freiheit in diesem Teil der Welt, und leider herrscht sie in diesem Land mit stählerner Faust. Wie soll man da Hoffnung auf eine gute Zukunft haben….

Rudi Knoth / 16.07.2016

Es stellt sich die Frage , wen Lara mit “wir” meint. Meint sie alle in Europa lebenden Menschen oder nur die “Eingeborenen” Europas. Im erssten Fall schliesst sie auch Menschen mit “Migrationshintergrund"ein und im anderen Fall nicht. In Ihrem Artikel ist wohl das letztere der Fall. Ansonsten gebe Ihnen voll und ganz recht.

Jan von Werth / 16.07.2016

Eines der Probleme aller Laras dieser Welt ist vermutlich die fehlende humanistische Bildung. Denn wenn sie eine der alten Hochsprachen wie Latein gelernt hätten, wüssten sie vermutlich, dass die Antwort auf ihre Fragen und ihr Hoffen bereits vor 2000 Jahren von Cicero gegeben wurde. “Si vis pacem, para bellum.”  Aber das ist vermutlich nicht die Lösung, die Lara vorschwebt. Ich ahne, dass sie unter einer Konfliktlösung eher gemeinsame Meditation mit anschließendem Gesang versteht. Blöd nur, wenn nicht alle mitmachen wollen.

Thomas Schlosser / 16.07.2016

Man muss sich über die ‘Laras’ dieser Republik wahrlich nicht wundern, schließlich bekommen Lara, Sören und Malte tagtäglich in den Schulen, in den Medien und von der Politik eingetrichtert, dass der Islam eine friedliche und tolerante Religion sei und dass die Blutbäder, die laufend in seinem Namen und von seinen Anhängern begangen werden, nichts als bedauerliche Einzelfälle darstellen, die mit dieser Religion auch nicht das Geringste zu tun haben. Und irgendwann ist Klein-Erna (vulgo ‘Lara’) eben davon überzeugt und begrüßt tausende potentielle Attentäter an den Bahnhöfen mit Teddybären und ‘Refugees welcome’-Plakaten….

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