Henryk M. Broder / 24.10.2017 / 11:46 / 13 / Seite ausdrucken

Klare Kante mit Claudia und Katrin

„Das hat damit zu tun, dass ich finde, wenn man im Deutschen Bundestag Vizepräsident sein will, dann muss man das Grundgesetz anerkennen, und dazu gehört die Religionsfreiheit. Wer das nicht anerkennt, den kann ich nicht zum Vizepräsidenten wählen“, sagt Katrin Göring-Eckardt, die ihrem Parteifreund Anton Hofreiter immer ähnlicher sieht und inzwischen auch so redet wie er.

Der Mann, den zum Vizepräsidenten des Bundestages zu wählen ihr das Gewissen verbietet, ist der AfD-Abgeordnete Albrecht Glaser. Frau Göring-Eckardts Gewissensbisse gelten aber nur einem Kandidaten der AfD. Bei Parteifreundin Claudia Roth, die sich als Vizepräsidentin zur Wiederwahl stellt, um "klare Kante" zu zeigen, hält das Gewissen von KGE still, denn Frau Roth ist nur bei einer Demo mitgelaufen, auf der „Deutschland, du mieses Stück Scheiße!“ gerufen wurde, was sie natürlich als Vizepräsidentin des Bundestages nicht disqualifiziert. 

Um auf den Kern der Sache zurückzukommen: Was hat Glaser eigentlich gesagt, dass er nun nicht zum Vizepräsidentem des Bundestages gewählt werden kann? Womit hat er sich disqualifiziert? Damit: "Wir sind nicht gegen die Religionsfreiheit. Der Islam ist eine Konstruktion, die selbst die Religionsfreiheit nicht kennt und die sie nicht respektiert. Und die da, wo sie das Sagen hat, jede Art von Religionsfreiheit im Keim erstickt. Und wer so mit einem Grundrecht umgeht, dem muss man das Grundrecht entziehen."

 

Leserpost (13)
Sascha Weißbruch / 24.10.2017

@ Herr Geithoff Grundrechtsträger können nur natürliche Personen sein. Eine Religion oder Religionsgemeinschaft kann kein träger von Grundrechten sein. D.h. die Glaubensfreiheit und das Recht ein religiöses Bekenntnis zu wählen, (oder auch nicht) kann nur von Menschen ausgeübt werden. Der deutsche Staat ist auch nicht dazu Verpflichtet jede Religonsgemeinschaft bedingungslos anzuerkennen und finanziell zu fördern Die Kirche der Syntologie ist in Deutschland z.b. keine anerkannte Religionsgemeinschaft sondern nur ein Verein. Und wenn liberale Muslime hier in Deutschland z.B. für das Eröffnen einer “ökumenische” Moschee Morddruhung von Mitgliedern anderer muslimischer Moschee Vereien bzw. Konfessionen erhalten, dann sollte der Staat sich gut überlegen, ob diese anderen Konfessionen überhaupt als Partner in der Islam-Konferenz geeignet sind und ob sie als Religionsgmeinschaft anerkannt werden sollten oder ob man nicht vielleicht besser ein Vereinsverbot aussprechen sollte.

Thomas Dornheck / 24.10.2017

Die Beschreibung von Glaser wird doch auch von einigen Linken geteilt. Das wissen diese Linken ganz genau: niemand kann mit Bibel nach Saudi-Arabien einreisen, wer in Afghanistan eine christliche Missionierung betreibt (auch nur in Ansätzen), muß mit dem Tode rechnen. Oder sagen wir es plastischer, damit es auch die Minderbemittelten verstehen: Könnte Margot Käßmann eine Kirche gründen in Saudi-Arabien?!? Die einzige Stelle, an der Glasers Zitat diskussionswürdig ist, ist der letzte Satz. Hier weiß der Leser nicht, was gemeint ist. Hier interpretiert eine grüne Propagandistin, es könnte ja ein Verbot des Islam gemeint sein. Könnte, aber es könnte auch sein, daß Glaser meint, der Islam sei eher Politik, weniger Religion, eher Kampfgemeinschaft, weniger Religion. Glaser könnte auch gemeint haben, er würde gern dem Islam die Anerkennung als Religionsgemeinschaft verweigern wollen. Oder noch etwas anderes? Wir wissen es nicht. Daß grüne Ideologen nur die Lesart annehmen, die sie denunzieren können, paßt ins Bild.

Ronald M. Hahn / 24.10.2017

Das wollen Claudia und Kathrin aber nicht hören.

helmut rott / 24.10.2017

Religion poisons everything (Christopher Hitchens)

Joseph Kraut / 24.10.2017

Martin Walser hätte gesagt:bestimmte Parteien sind Meister im Aufstellen von Gesslerhüten

Weitere anzeigen Leserbrief schreiben:

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Henryk M. Broder / 25.11.2017 / 11:12 / 0

DLF: Kultursensibel im Dienste der Völkerfreundschaft

Nichts, absolut nichts markiert den Willen zur Ohnmacht und die Lust am eigenen Untergang einer enteierten Gesellschaft deutlicher und dramatischer als die "Weihnachtspakete", mit denen…/ mehr

Henryk M. Broder / 23.11.2017 / 06:20 / 16

Hurra, wir haben uns integriert!

Vor zwei Jahren und zwei Monaten wurde ein "Strategiepapier" bekannt, das die damalige Integrations- und Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Staatsministerin Aydan Özoguz (SPD), selbst geschrieben hatte, "eine…/ mehr

Henryk M. Broder / 22.11.2017 / 14:30 / 17

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts – Jürgen Todenhöfer

Besser spät als nie. Jetzt ist auch der ehemalige Burda-Manager und jetzige Herausgeber des Freitag, Jürgen Todenhöfer, aufgewacht und hat ein Statement zu Karl Lagerfeld abgegeben. Das…/ mehr

Henryk M. Broder / 12.11.2017 / 18:55 / 9

Der Welt zuliebe – keine Kinder!

Unter den vielen fortschrittlichen und richtungsweisenden Texten, die auf der Kinderseite des SPIEGEL erscheinen, ist mir neulich einer aufgefallen, der besonders fortschrittlich und richtungsweisend ist:…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com