Wolfgang Röhl / 27.03.2008 / 15:49 / 0 / Seite ausdrucken

Kauft nicht beim Kiwi! Ein Apfelmärchen.

Weshalb der Klima-Hype innerhalb von so kurzer Zeit so viele Gehirne vernebeln konnte? Weil sich so viele daran eine goldene Nase verdienen und deshalb die Panik nach Kräften schüren. Wem noch nie ein gutes Argument für seine Geschäfte eingefallen ist, jetzt findet er mühelos eines, wenn er nur in der CO2-Kiste grabbelt. Ein geniales, sich selbst verstärkendes System. Beispiel, pars pro toto: die Neuseeländer, die sich Kiwis nennen, haben vor kurzem mit der Apfelernte begonnen…

 

Ein Teil ihres Obstes, darunter auch so genannte Bio-Ware, wird bald in deutschen Läden landen. Sehr zum Ärger der heimischen Apfelproduzenten. Die haben noch viele Tonnen Äpfel von der letzten Ernte auf Lager, welche sie bis zum Herbst abverkaufen möchten. Da man aber die globale Konkurrenz nicht aus dem eigenen Markt heraus halten kann, muss man sie mies machen. 

Natürlich nicht so: „Es ist eine Sünde, wenn man immer gerade das kaufen will und das haben will, was im Augenblick eben nicht durch die Natur hervorgebracht wird. Wir halten uns an das in erster Linie, was der deutsche Boden uns schenkt.“ Görings Autarkie-Appell im Berliner Sportpalast 1936, zitiert im gerade erschienenen Buch „Biokost & Ökokult“ von Dirk Maxeiner und Michael Miersch, passt zwar ganz gut in die grüne Denke von heute, geht aber aus bestimmten Gründen gar nicht. Zum Glück gibt es den Klimawandel! Der ersetzt jede PR-Agentur.

In der Nähe meines Dorfes liegt das Alte Land, „Deutschlands größtes zusammenhängendes Obstanbaugebiet“. Spezialität: Äpfel. Damit sind hier seit Jahrhunderten viele Bauern reich geworden. Prächtige Höfe zeugen davon. Auch EU-Subventionen flossen reichlich in den letzten Dekaden. In Jork trat neulich ein Dr. Michael Blanke von der Uni Bonn auf, eingeladen von der Öko-Obstbaulobby ÖON. Der treuherzig dreinschauende Mann, der auch mit dem grün grundierten „Klimainstitut Wuppertal“ zusammen arbeitet, erklärte laut „Stader Tageblatt, der Kauf von regionalen Früchten sei „ein Beitrag zum Klimaschutz“. Weil die Konkurrenten aus Übersee ja einen langen Anreiseweg hätten. So übel stehen sie nun allerdings auch wieder nicht da. Selbst nach Blankes Kalkulation, die einen 23000 Kilometer gereisten Kiwi-Apfel mit einem fünf Monate lang gekühlten und begasten Lagerhaus-Apfel aus dem Alten Land vergleicht, schneidet der Migrant mit 28 Prozent mehr Energieaufwand nicht dramatisch schlecht ab. Schon gar nicht einer, der aus dem näher gelegenen Südafrika oder Südamerika kommt und mit einem deutschen Apfel verglichen wird, der länger als fünf Monate im Kühlhaus verbringt.

Ich kann nicht beurteilen, ob Blankes Rechnungen halbwegs seriös oder vielmehr Marke Milchmädchen sind, wie so viele Ökobilanzen. Ist auch unwichtig. Denn es ist ja freche, abgebrühte Rosstäuscherei, ausgerechnet im riesigen apfelindustriellen Komplex Altes Land mit dem Thema Öko/Bio/„Klimaschutz“ hausieren zu gehen. Dieses Gebiet im Süden Hamburgs ist nämlich im ganzen Norden wegen seines verschwenderischen Umgangs mit Pestiziden und Düngemitteln als krass unökologisch berüchtigt. Es genießt allerlei informelle Sonderrechte – normalerweise dürfen Gifte, wie sie im Alten Land versprüht werden, nur weit – bis zu 150 Meter - entfernt von Gräben und Gewässern eingesetzt werden, was den massenhaften Obstanbau unlukrativ machen würde. Dennoch überschreiten viele der Intensiv-Landwirte sogar die ihnen stillschweigend zugebilligten hohen Toleranzen. Darüber erregen sich besonders die Grünen alle paar Jahre wieder.

Kein Wunder also, dass die spraywütigen Altländer sich was einfallen lassen müssen, um ihr Zeug zu vermarkten. Aber warum so kompliziert, Obstbauern? Die Klimaschutz-Leier geht den Leuten doch allmählich auf den Geist. Warum werbt ihr nicht einfach damit, dass eure Äpfel – Pflanzenschutzmittel hin, Dünger her – besser schmecken als neuseeländische, südafrikanische oder argentinische. Das, ich kann´s beurteilen, wäre ausnahmsweise mal nicht gelogen.

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