Karl Pfeifer (Archiv) / 04.08.2009 / 16:30 / 0 / Seite ausdrucken

Kauft nicht beim Juden!

Vor 75 Jahren hieß es zunächst: „Kauft nicht beim Juden!“ Anschließend wurden von den Boykotteuren sechs Millionen europäische Juden ermordet, und viele dachten, Antisemitismus werde es nicht mehr geben. Doch diese Seuche starb nicht aus. Hatten die Nazis noch eine Weltverschwörung von Juden, einen „jüdischen Bolschewismus“ und eine „jüdische Plutokratie“ herbeifantasiert, so modernisierten sowjetische und volksdemokratische Antisemiten den Antisemitismus, natürlich ohne auf wesentliche Elemente wie die Weltverschwörung zu verzichten. Sie hatten ja nichts gegen „gute Juden“, die die Parteipropaganda brav nachplapperten. Sie wollten nur den jüdischen Staat vernichtet sehen, bewaffneten deswegen Ägypten und Syrien und tobten, als Israel ihnen 1967 das Handwerk legte. Während der Prager Prozesse Anfang der fünfziger Jahre beschuldigten sie nicht Juden, sondern „Zionisten“ und „Kosmopoliten“, denen sie vorwarfen, die Sache der Prolet-Arier verraten zu haben. Ein Staatsanwalt glaubte gar, der Hauptangeklagten Rudolf Slansky habe eine „typisch kosmopolitische Visage“. All das hinderte Kommunisten außerhalb der Länder des „realen Sozialismus“ jedoch nicht daran, weiterhin den Humanismus und die „Bekämpfung des Antisemitismus“ hinter dem eisernen Vorhang zu loben.

Nun grämt sich ein kleines Wiener Grüppchen von „Antiimperialisten“ namens AIK, weil es nichts zustande bringt. Diese „Antiimperialisten“ haben zusammen mit anderen „Linken“ bei Wahlen kandidiert und sind durchgefallen, sie haben mit ihrer Frontorganisation „Gaza muss leben“ große Demonstrationen gegen den „Tel Aviv Beach“ in Wien angekündigt, konnten diesen aber nicht stören oder gar verhindern. Deshalb hatte jemand den zündenden Gedanken, das Projekt der deutsch-österreichischen Volksgemeinschaft zu modernisieren. Und so machten sie aus „Kauft nicht bei Juden“ den Spruch, mit dem sie nun hoffen, den antisemitischen Bodensatz der Gesellschaft zu gewinnen und zu mobilisieren: „Boykottiert Israel“. Weil man solch einen Boykott aber auch begründen muss, beschuldigen sie den jüdischen Staat der „Apartheid“.

Das Apartheid-Regime in Südafrika war durch eine ungleiche Repräsentation der verschiedenen Bevölkerungsgruppen im Parlament charakterisiert. Schwarze und Farbige durften nicht die gleichen Toiletten, Zugabteile etc. benutzen; jegliche sexuelle Beziehung zwischen Weißen und Schwarzen bzw. Farbigen war streng untersagt. In Israel hingegen wird kein Unterschied zwischen jüdischen und arabischen Stimmen bei der Wahl zur Knesset gemacht, in den öffentlichen Verkehrsmitteln sitzen Juden und Araber nebeneinander, in den Krankenhäusern liegen sie in den gleichen Räumen. Weder sexuelle Beziehungen noch Ehen zwischen Juden/Jüdinnen und Araber/Araberinnen sind verboten. Also ist das Argument „Apartheid“ an den Haaren herbeigezogen. Auch von einer „Apartheidmauer“ kann keine Rede sein: Der Sicherheitszaun wurde wegen des Terrors notwendig, und die Anzahl der Terroropfer nahm nicht zuletzt seinetwegen ab.

Wer allein gegen den jüdischen Staat einen Boykott verkündet, muss sich die Beschuldigung gefallen lassen, antisemitische Hetze zu betreiben. Doch wenn schon die AIK solch einen Boykott gegen Israel erklärt, dann sollten wenigstens die AIK-Mitglieder und ihre Sympathisanten diesen Boykott auch ernst nehmen und den Boykott nicht auf österreichische Geschäfte beschränken, die israelische Waren verkaufen.

Zunächst einmal sollten AIK-Mitglieder keine Tabletten, Pillen oder Tinkturen benutzen, die von Abic oder Teva erzeugt wurden. Wer von ihnen also an einer Grippe oder Verkühlung erkrankt, sollte dies beherzigen. Und wenn wir schon bei der Medizin sind, dann darf man nicht den Beitrag vergessen, den israelische Ärzte und Wissenschaftler leisten, dann dürfen AIKler auch nicht den einfachen Bluttest mitmachen, mit dessen Hilfe man zwischen einem milden und einem schweren Fall von Multipler Sklerose unterscheidet, denn dieser Test wurde von einer israelischen Firma entwickelt. Das heißt, wenn ein AIK-Mitglied oder -Sympathisant an Multipler Sklerose erkrankt ist, dann sollte ihm dringend geraten werden, den Boykott höher zu stellen als die eigene Gesundheit und auf diesen Test zu verzichten.

Zudem gibt es einen in Israel produzierten Apparat, der hilft, eine gelähmte Hand zu benutzen, der elektrisch die Handmuskeln stimuliert und so vielen, die an einem Gehirnschlag bzw. an einer Verletzung des Rückgrats leiden, Hoffnung gibt. Wenn sie also auf diese Hoffnung auf ein besseres Leben verzichten wollen, dann sollen sie Israel boykottieren.

Kleine Kinder, die Atmungsprobleme haben, können dank einer israelischen Haube besser schlafen. Diese Erfindung ersetzt die Inhalationsmaske mit einer verbesserten Zufuhr von Medikamenten, die Kindern und ihren Eltern das Leben erleichtert. Wenn sie also den Boykott ernst nehmen, dann sollten sie den betroffenen Eltern mitteilen, dass der Boykott Israels Vorrang hat.

Dies sind nur einige wenige Beispiele, wie Menschen auf der ganzen Welt vom Fortschritt der israelischen Wissenschaft profitieren.

Im Joseph Sangol Neuroscience Center im Sheba Medical Center in Tel HaShomer forschen Wissenschaftler, was gegen Schädigungen des Gehirns, Depressionen und die Alzheimer-Krankheit getan werden kann. Einem Forscher an der Ben-Gurion-Universität in Beer Sheva ist es gelungen, menschliche Antikörper zu erzeugen, die den sehr ansteckenden Pockenvirus neutralisieren, ohne die gefährlichen Nebenwirkungen der existierenden Impfung.

2004 erhielten zwei israelische Ärzte, Aaron Ciechanover und Avram Hershko, sowie der Amerikaner Irwin Rose den Nobelpreis für Chemie für ihre Entdeckung des durch Ubiquitin vermittelten Proteinabbaus. Dies spielt eine große Rolle bei der Reparatur des DANN- und des Abwehrsystems. Ein Movement-Disorder-Surgery-Programm am Hadassa Medical Center hat bei einer ausgewählten Gruppe von Patienten die physischen Erscheinungsformen der Parkinson-Krankheit eliminiert.

Ich könnte fortsetzen mit Entdeckungen im Bereich der Medizin. Doch es gibt noch andere Gebiete.

Die meisten Windows-Systeme wurden von Microsoft Israel entwickelt. Daher gebe ich den AIK-Mitgliedern und -Sympathisanten den guten Rat, Computer wegzuwerfen, die mit Windows laufen. Doch damit nicht genug: Auch die Pentium-NMX-Chip-Technologie wurde von Intel in Israel entwickelt. Der Pentium-4-Mikroprozessor wurde in Gänze dort produziert. Das gleiche gilt für die Voice-Mail-Technologie. Wenn diese Leute also Israel wirklich boykottieren wollen, dann könnte ihre Gesundheit Schaden erleiden, und die meisten müssten ihre Computer auf dem Müll werfen. Doch auch das ist noch nicht alles – sie müssten auch ihre Mobiltelefone weggeben, denn deren Technologie wurde ebenfalls in Israel entwickelt, nämlich von der Firma Motorola, die ihr größtes Entwicklungszentrum in Israel betreibt. Überhaupt wurde die Mobilfunktechnologie überwiegend von israelischen Wissenschaftlern entwickelt.

Die meisten dieser technischen Erfindungen entstanden übrigens, weil Israel sich gegen Terroristen schützen muss, die von der AIK unterstützt werden.

Israel gehört weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Prozentsatz an Universitätsabsolventen; dort werden pro Kopf mehr wissenschaftliche Arbeiten geschrieben als anderswo, und im Land gibt es außerhalb des Silicon Valley die größte Konzentration von Hi-Tech-Firmen.

Der von der AIK dämonisierte Staat Israel leistet einen großen Beitrag zur Medizin und Kommunikation für die ganze Welt, eingeschlossen die Palästinenser und viele Araber aus Staaten, die Israel feindlich gegenüberstehen und die trotzdem die Behandlung in israelischen Krankenhäusern bevorzugen. All das interessiert die AIK jedoch nicht; sie betätigen Tag für Tag die antiisraelische Gebetsmühle: Apartheid, Zionismus, Rassismus etc. Denn sie glauben, dass die „Zionisten“ und der jüdische Staat das Haupthindernis bilden, um ihre kruden Theorien in die Praxis umzusetzen. Was sie dabei vergessen: Die zweisprachigen Ortstafeln, die in Kärnten trotz internationaler Verträge nicht aufgestellt werden können, weil bräunliche Elemente dies verhindern, sind in Israel längst Realität. Doch die Hauptsorge der AIK gilt nicht den Zuständen im eigenen Land, sondern Israel. Die Existenz eines jüdischen Staates raubt ihnen den Schlaf.

n.

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