Gastautor / 02.10.2017 / 06:21 / Foto: Tomasz Sienicki / 15 / Seite ausdrucken

Katrin Göring-Eckardt: Inventor of Darkness

Von Christian Weiss

Im Endspurt des vergangenen Bundestagswahlkampfes trat die grüne Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckardt zusammen mit Kolleginnen und Kollegen am 22. September in Erfurt kräftig in die Pedale.  Mit Man- respektive Woman-Power strampelten die Vorreiter für "alternative Energien" auf festmontierten Drahteseln, um mit der gewonnen Energie eine Kaffeemaschine zu betreiben. Gute Idee, könnte man meinen. Radfahren ist ja so gesund und umweltfreundlich. Aber: Taugt das Rad auch für die umweltfreundliche Energieproduktion?

Wie wäre es eigentlich, wenn da nicht wackere Kämpferinnen und Kämpfer für eine Zukunft ohne Atome, Gene und chemische Verbindungen, aber eben doch nur Freitzeitradler in die Kurbeln träten, sondern muskelstarke Berufspedaleure mit Radsportvollzeitpensum?

Wie viel Strom können Radsportler erzeugen?

Weltklassefahrer erreichen Spitzenleistungen von über 400 Watt. Wenn sie acht Stunden lang im Sattel sitzen, reduziert sich die Durchschnittsleistung natürlich deutlich. Ein Profiradrennfahrer, der in einer Flachetappe im Feld bei 40 km/h mitrollt und dabei im Windschatten knapp 40 Prozent Kraftaufwand einspart, leistet konstant etwa 200 Watt.

Säße da also nicht nur das Bündnis 90 auf dem Hobel, sondern acht kräftige und durchtrainierte US-Postal- oder Team-Telekom-Sportler, dann könnten die, wenn sie jeden Tag acht Stunden lang auf dem Rad säßen, täglich 12,8 Kilowattstunden (kWh) Strom produzieren. Im ganzen Jahr – inklusive Wochenenden, Feiertage und ohne Urlaub – macht das 4672 kWh.

Leistung hat ihren Preis: Anbauflächen für erhöhten Nahrungsbedarf gesucht

Der Haken an der Sache: Es wird zwar in den Freundeskreisen des »Öko«-Stroms gerne erzählt, dass uns die Sonne keine Rechnung schicke, aber von nichts kommt nichts. Die 4672 kWh Strom gehen mit einem erhöhten Nahrungsverbrauch einher. Nun denken wir natürlich nachhaltig und ressourcenschonend, darum ernähren wir die Radsportler mit dem effizientesten Nahrungsmittel überhaupt: mit Mais. Kein Nahrungsmittel hat ein so gutes Verhältnis von Kalorien zu Anbauflächenbedarf.

100 Gramm Mais geben 374 Kilojoule (kJ) Energie her. In guten Jahren erntet man in Deutschland rund 10 Tonnen Körnermais pro Hektar. 4672 kWh entsprechen 16,8 Millionen kJ. Um diese Energie mittels Mais aufzubringen, wären demnach 0,45 Hektar Anbaufläche nötig. Leider ist der Mensch aber kein Wunderwerk der Effizienz, sondern die Muskeln geben neben der Bewegungsleistung vor allem Wärme ab. Nur rund 20 Prozent der investierten Energie können beim Radfahren in Bewegung umgesetzt werden. Das achtköpfige Radsport-Ökostrom-Team brauchte für diesen Mehraufwand eine zusätzliche Anbaufläche von 2,25 Hektar. Nun reichen die 4672 kWh gerade mal für einen durchschnittlichen Haushalt. Deutschland hat aber einen Stromverbrauch von 525 Terawattstunden (TWh), sprich: 525.000.000.000 kWh. Um diese Energiemenge mit austrainierten Profiradfahrern bereitzustellen, brauchte man nicht deren acht, sondern 900 Millionen.

Die Anbaufläche für den zusätzlichen Energiebedarf dieser wahrscheinlich indischen oder chinesischen Radsport-Armada betrüge über 2,5 Millionen Quadratkilometer. Angesichts dessen, dass Deutschland nur über eine Fläche von 357.000 Quadratkilometern verfügt, ergibt sich ein gewisses Problem. Es wäre zu klären, welche Länder den Gürtel enger schnallen und Agrarflächen zur Verfügung stellen müssten, damit sich der Traum vom "umweltfreundlichen" Zweiradstrom erfüllen liesse.

Teurer Strampelstrom

Ach ja, noch ein Gedanke zum Strompreis (die Kosten für die Fahrräder und die Arbeitgeberbeiträge lassen wir mal weg): Wenn die 900 Millionen Pedaleure den Mindestlohn von derzeit 8,84 Euro pro Stunde kriegen, wären dafür über 2600 Milliarden Euro jährlich nötig. Die Kilowattstunde würde dann 44 Euro kosten.

Fragen, die jetzt noch zu klären wären:

1. Wie viele Liter Diesel wird für die Bewirtschaftung der Anbaufläche benötigt?

2. Welche Auswirkungen hätte die enorme Abwärme der 900 Millionen Radsportler auf das Klima?

3. Könnte man diese Abwärme nutzen, um im Winter »erneuerbar« zu heizen?

4. Wäre im Sommer ein erhöhter Stromverbrauch für Klimaanlagen in Kauf zu nehmen?

5. Wie hoch wäre der Wasserverbrauch des Radteams im Vergleich zu den von den Grünen so geschmähten Rindvieheinheiten?

6. Wie viel Anbaufläche ginge für Bio-Kettenöl drauf?

Christian Weiss ist Journalist und war einige Jahre bei einer Schweizer Regionalzeitung mit den Themenschwerpunkten Energie (Atomendlagerung Zürcher Weinland) und Landwirtschaft angestellt. Inzwischen steht er kurz vor Abschluss seiner Ausbildung zum Primarlehrer.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Nuklearia hier

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Leserpost (15)
Wolf-Dietrich Staebe / 02.10.2017

Mit Zahlen und Physik müssen Sie den Öko-Sektierern nicht kommen, da haben viele der Herrschaft*Innen ein Verständnisproblem - gilt nicht für die Betreiber der hoch subventionierten Windmühlen und ähnlichem Energieversorgungs-Unsinn. Eines interessiert mich doch noch: Haben die Grünen es in Erfurt geschafft, die Kaffeemaschine mit der benötigten elektrischen Energie für die Kaffee-Zubereitung zu versorgen?

Arne Busch / 02.10.2017

Das Dumme an der Politik der Grünen ist nunmal, dass sie nahezu ausschließlich auf Ideologie und fast nie auf Zahlen, Daten und Fakten beruht. Und das Dumme ist ebenfalls, dass es immer noch genug Dumme gibt, die dieser Partei ihre Stimme geben.

Th.F. Brommelcamp / 02.10.2017

Nette Rechnung für unsere Ökohysterikern. Aber mit klarer Logik kommen Sie in Deutschland nicht weiter. Es reicht den meisten, das der gute Cem Özdemir mit einen Sohn geschlagen ist, (wie er selber erzählte),der im alter von 7 Jahren nur die Höhe eines SUV Auspuff erreicht (85cm)deren Gase dem Kind nun ständig in’s Gesicht blasen. Das ist Ökorealität vom Feinsten, die muß man wählen. Sowas bedient die German -Angst. Der plötzliche Kindstod duch SUV Auspuffgase.

Jochen Grünhagen / 02.10.2017

Wie kann man nur so negativ denken? Diesen Strampelstrom brauchen wir nur bei Dunkelflaute und wenn wir uns ein bisschen einschränken und die Generatoren etwas effizienter werden reichen ja vielleicht eine gute Million junger kräftiger Männer aus. Jetzt weiß ich auch warum KGE von Geschenken wertvoller als Gold geredet hat. Genial diese Grünen.

Andreas Rühl / 02.10.2017

Da tut diese Frau das erste Mal in ihrem Leben was Nützliches… Und schon ist es wieder falsch und im Ergebnis sinnloser Mist…. Ich hoffe, dass der Kaffee geschmeckt hat. Vermulich fair trade aus ökoanbau. Auch so ein schmuß, dem man sich hier mal widmen sollte.

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