Thilo Thielke / 17.03.2016 / 18:00 / 3 / Seite ausdrucken

Irrwitz mit Ansage

Ich habe zwei kleine Kinder. Gut, sie selbst sehen das wahrscheinlich anders. Sie sind neun und elf Jahre alt und also schon sehr erwachsen, aber ich fühle mich dennoch immer noch für sie verantwortlich.In den letzten Wochen habe ich mich oft gefragt: Wenn wir, also meine Frau, die Kinder und ich, vor einem Krieg geflohen und endlich in Sicherheit wären
– hätte ich dann gesagt: Los ihr drei, jetzt riskieren wir noch mal alles, bezahlen mit dem letzten Ersparten ein paar Kriminelle und gucken, ob wir es bis nach Griechenland schaffen – von einem kriegsfreien Land also in ein anderes kommen. Nur so. Durchs Mittelmeer. Wird schon gutgehen.

Wir ziehen uns auch ein paar Schwimmwesten aus Eierkarton an und schmeißen unsere Pässe fort, und wenn wir dann pleite sind, wird schon irgendwer die Zeche für uns bezahlen. Und dann habe ich mich gefragt – wenn das gutgegangen wäre, hätte ich dann gesagt: Na gut, Kinder, wir haben es bis nach Griechenland geschafft, obwohl wir fast im Mittelmeer ersoffen wären, jetzt waten wir alle mal durch einen reißenden Strom. Es gibt dort ein Norbert-Blüm-Kommando, das fordert uns dazu auf. Ich mache vorher auch ein bißchen Randale am Zaun. Vielleicht kommen wir ja durch.

Später hätten sie uns irgendwo festgesetzt, und dann hätten irgendwelche Linksradikalen gesagt: Näh‘ Dir doch mal den Mund zu und schmeiß ein paar Steine auf die Bullen! Hätte ich das dann gemacht? Vielleicht noch meiner Frau gesagt: Heb‘ die Kinder hoch fürs Fernsehen! Das gibt im Tränengasnebel erstklassige Bilder? Die Antwort ist ziemlich klar:
Niemand, der Verantwortung für seine Familie trägt, macht so etwas.

Die Frage: Wie verzweifelt muß man sein, so etwas zu tun? ist etwas für Blöde. Die richtige Frage lautet: Wie verantwortungslos ist man, so etwas zu tun? Daß Merkel das nicht versteht, wundert mich nicht. Daß sie kinderlos ist und deshalb diesen natürlichen Impuls, Verantwortung zu übernehmen, nicht hat, kann es allein nicht sein. Sie ist auch sonst
jenseits von Gut und Böse – ein Wesen, von dem man hofft, es habe sich bloß auf die Erde verirrt und würde irgendwann auf seinen Planeten der Prinzipienlosigkeit zurückkehren, wo man mit geistlosem Geschwätz Berge versetzen und Grenzen öffnen kann.

In der CDU und in der Regierung insgesamt denkt man, man habe ein Kommunikationsproblem und deshalb die Wahlen in den drei Bundesländern so grandios in den Sand gesetzt. Aber ich bin nicht sicher, ob das stimmt. Eher haben die Regierenden doch ein Problem damit, verantwortungsvolle Politik für diejenigen zu machen, von denen sie bezahlt werden. Sie behandeln das Volk wie ein Feudalherr. Aber ein Kommunikationsproblem?

Überall lese ich zum Beispiel etwas von der „europäischen Lösung“, die Merkel vorgibt anzustreben. Die wenigsten Medien stellen diesen Begriff in Frage. Dabei strebt Merkel doch eine europäische Lösung gerade nicht an. Wenn ich das richtig verstanden habe, soll in Zukunft die Türkei entscheiden, was für Araber nach Europa umsiedeln dürfen. Das hat Merkel weitgehend mit dem Sultan von Ankara ausgehandelt. Es liegt aber nur ein klitzekleiner Teil der Türkei in Europa, der weitaus größte in Vorderasien. Im Prinzip ist das also eine vorderasiatisch-arabische Lösung unter der Führung einer Deutschen, die ganz alleine um ihre Macht im Kanzleramt bangt und deshalb die abstrusesten Verbündeten sucht.

Die Europäer, die das alles ziemlich offensichtlich nicht wollen, sollen nach Merkels Willen dazu gebracht werden, das autoritäre Regime in der Türkei zu finanzieren und die Kontrolle darüber abzugeben, wen sie ins Land lassen: Türken am liebsten visafrei und andere so, wie Ankara sich das vorstellt.

Das also ist der Wunsch der Europäer und soll in ihrem Sinn sein? Bislang haben sich Franzosen und Briten im Westen, die Länder im Osten sowieso und die entlang der Balkanroute auch eher so verhalten, als wollten sie selbst ganz gerne entscheiden, wen sie in Zukunft als Nachbarn haben.

Am Ende soll das „Kommando Steuerzahler eines Landes, das 2000 Milliarden Euro Schulden, aber sonst keine Sorgen hat die irrwitzige Operation bezahlen.

 

Leserpost (3)
Andreas Rochow / 19.03.2016

Wir erfahren immer wieder, dass Handy oder Smartphone das “tägliche Brot der Flüchtenden” sind. Hierüber erhalten sie Routenempfehlungen und Informationen aus aller Welt. Auch dass die Überquerung des Mittelmeeres lebensgefährlich sein kann, dürfte den Migranten nicht entgangen sein.  Sich dennoch mit der ganzen Familie in Seenot zu begeben ist in höchstem Maße verantwortungslos. Bei aller Tragik sind die Schuldzuweisungen an “Europa” kurzschlüssig und lösen das Problem nicht.

Josef Kneip / 17.03.2016

Irrsinn ist das richtige Wort. Mit dem “Bekenntnis”, dass sie im September 2015 mit ihrem Willkommenszirkus dem Imperativ der Humanität gefolgt sei, hat sie alle Gutmenschen und die Medien auf ihre Seite gebracht. Mit diesem Bonus kann sie auch heute noch wuchern, obwohl sich herausgestellt hat, wie verlogen diese Aussage war. Vor allem unsere “Leitmedien” haben die Merkel’sche Irrsinnspolitik unkritisch, ja sogar wohlwollend, begleitet. Indem sie ihre Politik als alternativlos deklarierte, war sämtliche Kritik verpönt. Wer doch kritisierte, galt als rechts oder rassistisch. Merkel musste aus dem von ihr angerichteten Chaos unbeschadet wieder heraus kommen. Die europäische Lösung besteht nun darin, dass nicht Europa, sondern die Türkei plötzlich Herr der Lage sein soll. Merkel verschachert Deutschland und Europa an den Türken-Pascha. Alle haben Bauchschmerzen dabei, aber alle machen mit. Erdogan kassiert Milliarden für Flüchtlinge, die Europa ihm abnimmt. Der helle Wahnsinn. Eigentlich müsste es umgekehrt sein. Aber was ist unter Merkel noch normal?

Joerg Schule / 17.03.2016

Sehr richtig, niemand den ich kenne, würde im Winter mit seinen Kindern einen 5 m breiten, reißenden Gebirgsbach durchwaten. Aber: In der Familie des kleinen Jungen der 2015 ertrunken am Strand lag, hatte nur der Vater eine Schwimmweste an (die Mutter ist übrigens auch ertrunken). Das zeigt doch sehr deutlich wie weit entfernt diese Leute von unseren Werten sind und damit auch wie inkompatibel und dauerhaft unintegrierbar.

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