Gunter Weißgerber / 02.06.2017 / 12:00 / Foto: Bundesarchiv / 8 / Seite ausdrucken

Interviewen gegen rechts?

Es ist immer wieder das Gleiche: Vor allem die Linken in der gleichnamigen Partei, in der SPD und bei den Grünen rufen gern zur Einheit im Kampf gegen die rechte Gefahr. Damit liegt man immer richtig, andere Gefahren darf man dann relativieren und übersehen und sind fürs gelegentliche politische Zusammengehen zudem sinnstiftend.

Der neueste Hit in dieser Kampagne heißt bekanntlich „Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit in Ostdeutschland – Ursachen, Hintergründe, regionale Kontextfaktoren“ und wurde von der Bundesbeauftragten für Ostdeutschland, Iris Gleicke (SPD), als wissenschaftliche Studie vorgestellt.

An und für sich ist die Problematik Rechts- und Linksextremismus in Deutschland auf jeden Fall wissenschaftlicher Untersuchungen wert. Beide extremen Spielarten stehen in tödlicher Gegnerschaft zur freiheitlichen parlamentarischen Demokratie. Beide richten täglich Schaden an Leib und Leben unserer Mitbürger an. Das "Pack" von Heidenau, welches beim Jagen von Flüchtlingen zuschaute und die Brennsatzwerfer von Leipzig-Connewitz und der Rigaer Straße in Berlin genauso. Ich für meinen Teil vermag das nicht zu unterscheiden. Verbrecher sind Verbrecher.

Es ist leider eine offenkundige Einseitigkeit, eine nahezu SED-identische Einseitigkeit, mit der die bundesdeutsche Gesellschaft in dieser auf Ostdeutschland bezogenen Studie durchleuchtet wird. Beinahe alles außerhalb des linken Spektrums ist irgendwie rechts. Wer die Gesellschaft nur durch die Brille von Linken betrachtet, liefert das Bild, dass Linksaußen von Allen hat, die nicht Linksaußen wählen. Das ist so klar wie Kloßbrühe. Keine Sorge, das überblickt der gemeine Wähler. 

Es ist die „Studie“ selbst, die sich ad absurdum führt. Das Ergebnis stand eigentlich schon vorher fest: Sachsen ist rechtsextrem und das liegt an der CDU, Thüringen ist weitgehend sauber und das liegt an Rot-rot-grün in Erfurt. Diese Sicht kann nicht wirklich verwundern. Wer aus extrem unterschiedlichen Rot-Farben, das eine Rot ist Blutigrot, das andere Freiheitsrot, eine gemeinsame rote Soße mixt, der hat es selbst noch nicht verstanden, wofür er/sie steht. 

Nun ist an dieser Stelle schon darüber geschrieben worden, dass sich die Studie nur auf 40 Interviews gründet, von denen die meisten aus dem linken Spektrum kommen, nur wenige namentlich genannt werden und von diesen Namen waren dann auch noch etliche gar nicht existent. Die Autoren rechtfertigten sich, sie hätten auch mit falschen Namen Interviewpartner anonymisiert. Aber auch das, was die zweifelsfrei Interviewten über die Interviews erzählen, lässt an der „Studie“ zusätzlich zweifeln. Ich erlaube mir, zu zitieren, was Michael Panse auf Facebook schreibt:

Fünf Dinge sind dazu aus meiner Sicht einzuwerfen:
1. Ich war einer der 40 Gesprächspartner (im Rahmen eines Telefoninterviews). 
2. Mit mir wurde nicht darüber gesprochen, ob ich anonymisiert werden möchte, oder nicht - es wurde offensichtlich von den Verfassern eigenverantwortlich entschieden. 
3. Mir wurde nicht gesagt, dass es bei der Studie u.a. um den Herrenberg in Erfurt geht, stattdessen wurde nach allgemeinen politischen Einschätzen zum Thema Rechtsextremismus gefragt.
4. Die von mir zitierten Sätze sind eine stark verkürzte Wiedergabe. Der daraus folgenden Einordnung und Wertung widerspreche ich ausdrücklich.
5. Nach Lektüre der Studie habe ich den Eindruck, dass das Ergebnis bereits vor den Interviews feststand und dazu gezielt nach verstärkenden Zitaten und Argumenten gesucht wurde.

Welch eine wissenschaftliche Herangehensweise.

Foto: Bundesarchiv CC BY-SA 3.0 de via Wikimedia
Leserpost (8)
Karin Bußler / 02.06.2017

Sehr geehrter Herr Weißgerber, mit Frau Gleicke als Bundesbeauftragte für den Osten hatte ich das “Vergnügen” im letzten Oktober 2016. Meine Anliegen war es, die gesetzwidrigen Handlungen der Bundesregierung und die damit verbundenen katastrophalen sozialen Auswirkungen der deutschen- deutschen Flüchtlinge zu thematisieren. Die Antwort, die ich von ihr erhielt zeugte von Geschichtsvergessenheit und von Unkenntnis des Grundgesetzes. Das Agieren der so genannten Elite beleidigt nicht nur meine bescheidene Intelligenz, sondern auch so manchen Zeitgenossen. Deswegen ist dieses Machwerk, getarnt als Studie für mich nicht erstaunlich, mehr geht einfach nicht bei dem Personal und genau deswegen bekommt die SPD auch bei der nächsten BTW die Quittung dafür und das zu Recht. Frau Gleicke verlässt im September gut versorgt den Bundestag und den Schaden, den sie angerichtet hat, müssen eben wieder Andere ausbaden. Wer fällt mir da sofort ein, na die AFD oder wenn es ganz schlimm kommt, die Ossis. Ganz ehrlich, die Ossis haben meinen Respekt, denn die wissen wo Demokratie aufhört und Diktatur anfängt, genau wie ich als ehemalige Ossi. Meine Bewunderung haben Sie persönlich trotzdem, auch wenn ich nie wieder in meinem Leben SPD wählen werde, denn Sie nennen das Kind noch beim Namen. Die Bezeichnung Pack von Hr. Gabriel habe ich als Steuerzahlerin und kritische Bürgerin der Bundesrepublik als persönliche Beleidigung empfunden und ist mit einer profanen Entschuldigung nicht wieder gut zu machen.

Martin Müller / 02.06.2017

Die Gefahr droht von rechts und links. Nur darf man das als in der Mitte stehender nicht sagen.

Frank Stricker / 02.06.2017

Sarkastisch könnte man ja mal bei Frau Gleicke ( SPD) nachfragen, was sie denn so eigentlich beruflich macht? Wahrscheinlich würde sie antworten :” Irgendwas mit Medien”. 40 hanebüchende und verfälschte Interviews sollen also der letzte Beweis sein, dass der Osten aus dem zweiten Weltkrieg nix gelernt hat. Na Bravo, mit der gleichen, wissenschaftlichen herangehendsweise könnte man auch Nordkorea als Demokratie des Jahres verkaufen….......

Leo Lepin / 02.06.2017

Angesichts der Gefahr von rechts sei an ein Gedicht von Jandl erinnert: Manche meinen, lechts und rinks kann man nicht velwechsern - werch ein Illtum.

Edgar Timm / 02.06.2017

Zur Gewaltbereitschaft von Rechten, Linken und Salafisten gibt der aktuelle “Verfassungsschutzbericht Hamburg 2016” (so googeln) interessante Informationen. Danach gab es in 2016 140 rechte, 650 linke und 670 salafistische gewaltorientierte Täter in Hamburg. Die extremistischen Gewalttaten summieren sich rechts auf 28, links auf 126. Einen kurzen Überblick gibt der aktuelle Artikel aus dem Abendblatt.

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