Vera Lengsfeld / 08.01.2016 / 13:47 / 6 / Seite ausdrucken

In Hamm gilt ein Erpel mehr als ein Bosnier

In Hamm hat ein Unbekannter vor ca. zwei Wochen einen Erpel mit einem Blasrohr verletzt. Dieses tragische Ereignis wurde breit im Westfälischen Anzeiger berichtet. Die Meldung schaffte es sogar bis in die Schlagzeilen von NTV. Das Schicksal des Erpels wurde von den Lokaljournalisten einfühlsam begleitet. Sie berichteten von der erfolgreichen Operation und Genesung des Tieres.

Kurz darauf wurde ein bosnischer Mitbürger an Silvester im Hammer Bahnhof krankenhausreif geschlagen. Erst sechs Tage später wurde von diesem Ereignis in einer kleinen Meldung im Lokalteil berichtet. Der Bosnier hatte das Pech, von einer Gruppe nordafrikanischer Asylbewerber attackiert worden zu sein. Die online- Redaktion des Anzeigers hat auf Proteste der Leserschaft wegen der verspäteten Berichterstattung des Verbrechens vom Silvestertag wie folgt reagiert:

„Bei allem Verständnis dafür, dass der zeitliche Verzug zwischen Tatzeitpunkt und Veröffentlichung kritisiert wird: Niemand aus unserer Redaktion kann immer überall dabei sein, wenn Straftaten begangen werden und dann brandaktuell darüber berichten. Wir sind wie jede andere Redaktion bundesweit darauf angewiesen, was die Pressestellen beispielsweise von Bundespolizei mitteilen. Wenn das erst mit diesem Zeitverzug passiert, liegt die Schuld für eine vermeintlich späte Berichterstattung nicht bei uns. Sie wurde nicht bewusst zurückgehalten, sondern erst dann möglich, als die Infos kamen. Was welche Pressestelle wann publiziert, liegt nun wirklich nicht in unserer Macht.“

Preisfrage: Hätte der Anzeiger auch verspätet und nur nach öffentlichem Druck berichtet, wenn der Bosnier von vermuteten Rechten attackiert worden wäre?

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Leserpost (6)
Michael Principato / 09.01.2016

Gut zu wissen, dass es in Deutschland professoral-beglaubigt keine Lügenpresse gibt. Die L-Presse ist “nur” die Langsam-Presse, bei der es im Kleinen Tage und Wochen dauert, bis wir die Wahrheit erfahren. Im Großen dürfte es beim heutigen Personal Jahrzehnte dauern.

Gernot Meyer / 08.01.2016

Die “Preisfrage” läßt sich ganz leicht beantworten. Selbstverständlich hätte die Zeitung sofort über den Vorgang berichtet. ABER: möglicherweise aus exakt demselben Grund, weswegen sie sich in obigem Falle zu entschuldigen können glaubte. Hamm liegt nicht weit von Herford und der Herforder Polizei hat Joachim Steinhöfel dreistes Orwell-Neusprech, um nicht zu sagen eine fette Lüge nachgewiesen. Aus Gründen der politischen Korrektheit meldete die dortige Pressestelle der Polizei, eine Helferin sei in einer Asylunterkunft von einem Migranten sexuell bedrängt worden, habe den Angriff jedoch erfolgreich abgewehren können Tatsächlich handelt es sich um eine Vergewaltigung, die eine Aufnahme in einem Krankenhaus erforderlich machte. https://www.steinhoefel.com/2015/10/polizei-und-presse-manipulation-taeuschung-verhoehnung-der-opfer.html#more-4820

Andreas Hausler / 08.01.2016

Danke, verehrte Frau Lengsfeld. Wenn ich so etwas lese, möchte ich immer lauter den sogenannten Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft frei nach Cicero entgegenrufen: “Quo usque tandem abutemini patientia nostra?” Nemesis hat stets menschliche Überheblichkeit bestraft; die Frage ist halt immer, wieviele zuvor noch ins Gras beißen müssen.

Andreas Bretzler / 08.01.2016

Liebe Frau Lengsfeld, Woher wissen wir, dass die Angaben des Westfälischen Anzeiger nicht stimmen. Hamm liegt ebenso in NRW wie Köln (Zuständig: Innenminister Jäger). Fragen Sie doch mal bei der Hammer Polizei nach, ob sich die Richtlinien zur Behandlung migrantenabträglicher Nachrichten seit dem 1. Januar geändert haben. Das könnte eine heiße Spur sein. P.s. Keine Redaktion erfährt automatisch von jedem Mordanschlag. Dazu braucht es wirklich Polizeimeldungen. Freundliche Grüße Andreas Bretzler

Wolfgang Schmid / 08.01.2016

Ich fürchte, Sie klagen hier den Falschen an: Die Frage ist doch vor allem, ob die Bundespolizei die Meldung bewußt (!) zurückgehalten hat. In der Pressemitteilung der Bundespolizeidirektion St. Augustin (verantwortlich für NRW) (http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/70116/3215086) sind zwar einige Vorfälle genannt, die Körperverletzung in Hamm aber nicht. Andere Meldungen, bei denen Nicht-Deutsche beteiligt waren (u.a. eine pöpelnde Italienerin) wurden auch gebracht. Ebenfalls eine Schlägerei zwischen Afghanen und Syrern. Auch Vorfälle mit Jugendlichen wurden gemeldet. Auch im Presseportal der Polizei Hamm, in denen z.B. über eine laute Party in Hamm berichtet wird, (http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/65844/3216874 ) ist nichts zu finden. Aus der Sicht der Hammer Polizei “handelte es sich um eine arbeitsreiche Silvesternacht ohne besonders herausragende Ereignisse” (Polizeipräsidium Hamm POL-HAM: Einsatzzahlen zum Jahreswechsel 2015 / 2016 im Bereich des Polizeipräsidium Hamm 01.01.2016 – 07:23) Andererseits kann es ja wohl nicht so schlimm sein, einen Mann krankenhausreif zu prügeln, denn… “...die aus Marokko und Tunesien stammenden Heranwachsenden gebärdeten sich gegenüber den Beamten äußerst renitent, so dass auch die Hammer Polizei zur Unterstützung hinzugezogen wurde. Nach Feststellung ihrer Personalien wurden die vier aus Bielefeld stammenden Jugendlichen wieder entlassen beziehungsweise ihren Betreuern übergeben. ” (wa.de vom 6.1.2016) Folgenlos entlassen, genauso wie ein Taschendieb, der zweimal am Tag festgenommen wurde - die Polzei fängt ihn, die Staatsanwalt lässt ihn laufen: “Beamte der Bundespolizei haben am Sonntagmorgen einen 16-jährigen Taschendieb auf frischer Tat gestellt. (...) Auf der Wache wurde bekannt, dass der 16-Jährige bereits bei der Bundespolizei in Düsseldorf wenige Stunden zuvor wegen Handgepäckdiebstahls vorläufig festgenommen wurde. Hier wurde er nach seiner Beanzeigung an eine Jugendhilfeeinrichtung weitergeleitet. Dies schreckte ihn wenig später nicht davon ab, weiter auf Diebeszug zu gehen. In Aachen wurde er erneut wegen Diebstahls und des unerlaubten Aufenthaltes beanzeigt, da er keinen Aufenthaltsstatus in Deutschland vorweisen konnte. Der Sachverhalt wurde der zuständigen Staatsanwaltschaft vorgetragen, ausreichende Haftgründe lagen nicht vor. Der Jugendliche wurde an eine Jugendhilfeeinrichtung in Aachen weitergeleitet.” http://www.presseportal.de/blaulicht/pm/70116/3216443 Noch Fragen zum Staatsversagen?

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