Katharina Szabo / 21.08.2017 / 13:07 / Foto: Tim Maxeiner / 15 / Seite ausdrucken

In drei Schritten zur Gleichgültigkeit

Das Drama eines islamistischen Terroranschlags in Europa hat immer drei Akte. Im ersten Akt fahren Muslime - in der Regel Einwanderer aus islamischen Ländern oder, wie im Fall des Attentäters vom Berliner Breitscheidplatz, Anis Amri, muslimische Migranten, die im Zuge der deutschen Grenzöffnung eingreist sind - im Namen Allahs ein Fahrzeug in eine Menschenmenge. Es gibt Tote und Verletzte.

Dann folgt Akt zwei. Politiker, Spin Doctors und Nudging Experten eilen an die Front, um Stellung zu beziehen. Gegen eine Interpretation des Terroranschlags, die den politischen Machthabern gefährlich werden könnte. Erstes und einziges Ziel ist es nun, jede Verantwortung seitens der Regierung vom Tisch zu fegen und Imageschäden abzuwenden. Niemand darf auf den Gedanken kommen, dass die von der Bundesregierung seit Jahren gewährte Narrenfreiheit für den Islam, Imame und Islamverbände, die von Merkel durchgesetzte Einreise Hunderttausender Männer ohne Pass aus islamischen Ländern oder das Dictum vom Islam, der zu Deutschland gehöre, im Zusammenhang mit dem islamistischen Terror gesehen werden könnte. 

Bis zum Anschlag am Berliner Breitscheidplatz  im Dezember 2016 galt die Vorgabe, dem Medienkonsumenten und Wähler unmittelbar nach dem Terrorakt einzubläuen, dass der Islam nichts mit dem Islamismus zu tun habe. Dass es also eine strikte Trennung zwischen einem guten Islam gäbe, der Unterstützung durch die Bundesregierung erfahre, und einem schlechten Islamismus, der mit Ersterem nichts zu tun habe. 

Gibt es eine Verbindung zwischen Islam und Islamismus?

Kritiker dieser Doktrin, die einwenden, dass der Islam und seine fundamental-islamischen Organisationen sehr wohl etwas mit dem Islamismus zu tun haben, galt es mittels der Anschuldigung, sie wollten alle Muslime diskreditieren, vom Diskurs auszuschließen. Dies funktionierte eine Weile ganz gut, doch mit jedem Terroranschlag meldeten sich weitere Spielverderber zu Wort, die eine Verbindung zwischen Islam und Islamismus belegen konnten. 

Inzwischen ist bekannt, dass die der Regierung nahe stehenden Islamverbände Ditib und Zentralrat der Muslime nicht die lupenrein weiße Weste haben, die ihnen bescheinigt wird. Die Ditib etwa erfüllt im Wesentlichen die Aufgabe, die Interessen des islamofaschistischen Autokraten Erdogan in Deutschland durchzusetzen. Der Zentralrat der Muslime beherbergt unter seinem Dach Organisationen wie die Atib, eine Abspaltung der türkischen, faschistischen Grauen Wölfe, und die IGD, einen Ableger der islamistischen Muslimbrüder.

Die Behauptung, der Islam habe nichts mit dem Islamismus zu tun, war also nicht mehr ohne weiteres haltbar. Eine neue Strategie musste her, um jede Verantwortung der Regierung am sich auch in Deutschland ausbreitenden Islamismus zu negieren. Sie kam erstmals nach dem Terrorakt vom Berliner Breitscheidplatz zum Einsatz. In ihrer Stellungnahme zum Anschlag spricht Merkel nun von einer „grausamen und unbegreiflichen Tat“, die den Opfern „das Leben geraubt“ habe, von einem „Schlag“ ist die Rede, der besonders „schwer zu ertragen wäre“, so führt sie weiter aus, „wenn sich herausstellen sollte, dass ein Mensch diese Tat begangen habe, der in Deutschland um Schutz und Asyl gebeten hat“. „Dies wäre besonders widerwärtig gegenüber den Menschen, die in der Flüchtlingshilfe engagiert“ seien. Man wolle nicht damit leben, dass uns die „Angst vor dem Bösen“ lähme. Die Wörter „Islam“ oder „Islamismus“ kommen nicht mehr vor. 

Die mediale Nachbereitung

Der Terror hat jetzt weder etwas mit dem Islam noch mit dem Islamismus zu tun. Eine totale Entkoppelung ist vollzogen. Terrorakte, so erklärt Merkel, seien Naturkatastrophen, die über uns hereinbrechen, vielleicht auch ein abstraktes Böses. Verantwortung trage niemand, weder der Attentäter, ein Mensch, der Schutz suchte, also ein Verzweifelter, noch die Kanzlerin und ihre Politik der bedingungslosen Grenzöffnung. Diesem Sound schlossen sich die Vertreter aller im Bundestag vertretenen Parteien an. Auch im Falle des Terroranschlags von Barcelona wurde so verfahren. Etwas ist passiert, das uns betroffen macht. Islam? Islamismus? War da was? 

Im dritten und letzten Akt eines jeden islamistischen Anschlags erfolgt schließlich die mediale Nachbereitung. Wir lesen und hören, dass wir lernen müssten, „mit dem Terror zu leben“, dass wir uns an ihn „gewöhnen“ sollten, wie etwas, das einfach vom Himmel fällt. Niemand trage Verantwortung, niemand ist in der Lage, etwas gegen den Terror zu unternehmen, schon gar nicht die Regierenden.

Die Toten, die weder Gesicht noch Namen erhalten, hätten einfach Pech gehabt: Sterben Menschen nicht auch bei Autounfällen oder Flugzeugabstürzen? Warum also Trauer oder gar Wut empfinden, warum überhaupt noch etwas empfinden? Erste staatsbürgerliche Pflicht und höchste moralische Tugend sei es nun, so lernen wir, Ruhe zu bewahren, die zerfetzten Kinderkörper und abgerissenen Gliedmaßen der anonymen Pechvögel zur Kenntnis zu nehmen, als betrachteten wir einen zertrampelten Käfer. Auf Abstumpfung, so berichtet "Welt Online" am Tag nach dem Anschlag von Barcelona, baue auch Merkel für den Tag X, den Tag des nächsten islamistischen Anschlags in Deutschland. 

Ist der Bürger also erst einmal an Terror gewöhnt, hat sich der Wähler einmal jedes menschliche Mitgefühl abtrainiert, ist ihm die seelenlose Gleichgültigkeit endlich zur zweiten Haut geworden, dann macht er auch nicht mehr Merkel für das Geschehen verantwortlich. Nicht für die Grenzöffnung, nicht für das Hofieren fundamental-islamischer Verbände, nicht für die mangelnde Terrorabwehr und auch nicht für die fehlende Feststellung der Identität nach wie vor in großer Zahl nach Deutschland einreisender Migranten. Ein wahrhaft teuflischer Plan.

Foto: Tim Maxeiner
Leserpost (15)
Marcel Seiler / 21.08.2017

Aus der Psychotherapie ist bekannt, dass Menschen, die bestimmte Gefühle verdrängen wollen, oft statt der eigentlich angemessenen, aber verdrängten/verleugneten Gefühle andere Gefühle zeigen. Das macht sie gegenüber ihrer Umwelt unsympathisch, weil die anderen spüren, dass etwas nicht stimmt. – Und genau das tut im Moment das offizielle Deutschland sowie all die Gleichgeschalteten, die Frau Merkel folgen: statt des eigentlich angemessenen Zorns als Reaktion auf die nicht nur tödlichen, sondern auch unverschämten islamischen Morde zeigt man “Trauer”. Für einen einigermaßen natürlich empfindenden Menschen sind diese “Trauer”-Bekundungen auch deshalb so unerträglich, weil sie eine glatte Lüge sind. – Natürlich, für jemanden der Angehörige oder Freunde verloren hat, ist Trauer ein angemessenes Gefühl. Aber für die Politik, die in größeren Bezügen denken und fühlen muss, nicht. Hätte Churchill angesichts der Nazi-Verbrechen “traurig” sein sollen? Nein, er war zornig, entschlossen, und er hat zurückgekämpft, bis die Nazis vernichtet waren. Das, und nur das ist die angemessene Reaktion auf die islamischen Machtanmaßungen und den islamischen Terror. “Trauer” ist pure Heuchelei.

Karla Kuhn / 21.08.2017

Ich glaube nicht, daß der “teufliche” Plan aufgeht.  Mein Familien-Freundes- (kein Facebook) und Bekanntenkreis, alle liegen mit mir auf einer Linie. Keiner von uns wird sich daran gewöhnen und Frau Merkels “Untaten” werden auch nicht vergessen werden.  Als was für eine Kanzlerin sie später mal in die Geschichte eingehen wird, kann sich jeder an seinen zehn Fingern abzählen.  “Erstes und einziges Ziel ist es nun, jede Verantwortung seitens der Regierung vom Tisch zu fegen und Imageschäden abzuwenden. Niemand darf auf den Gedanken kommen, dass die von der Bundesregierung seit Jahren gewährte Narrenfreiheit für den Islam, Imame und Islamverbände, die von Merkel durchgesetzte Einreise Hunderttausender Männer ohne Pass aus islamischen Ländern oder das Dictum vom Islam, der zu Deutschland gehöre, im Zusammenhang mit dem islamistischen Terror gesehen werden könnte.”  SEHR GUT analysiert. Ich bin zudem überzeugt, daß die Politkaste wirklich glaubt, uns Sand in die Augen streuen zu können,  den offensichtlichen Widerstand nehmen wahrscheinlich nur die wenigsten Politiker zur Kenntnis. Er wird abgebügelt mit dem abgelutschten (und falschen) Wort Nazi.  Auf die Idee, daß dadurch noch mehr Öl ins Feuer gegossen wird, kommen sie anscheinend nicht. Das zeigt einmal mehr, daß eine Regierungszeit DRINGEND auf maximal zwei mal vier Jahre begrenzt werden muß. Sonst wird jede Bodenhaftung verloren wie auch das Video der Politikerin Högl, mit ihrem Desinteresse zeigt. Der Gipfel, statt sich einfach zu entschuldigen (wobei es keine Entschuldigung gibt von so einem schlechten Benehmen), drückt sie Betroffenheit aus. Sie möchte doch in keinem Fall in einem schlechten Licht erscheinen, so kommt das bei mir rüber. Entsetzlich. Genau wie die immer gleichen Floskeln nach Terroranschlägen.  Also für mich ist keiner von ihnen wählbar.

Bernhard Freiling / 21.08.2017

Dieser Irrsinn ist ja nicht auf Deutschland begrenzt. In Marseille fährt ein “Mann” (oder war es doch nur ein “Renault Master”?) innerhalb einer Stunde in 2 Bushaltestellen und tötet dabei eine Frau. Ein terroristischer Hintergrund ist “nicht ersichtlich” - der “Mann” (warum eigentlich nicht das Auto?) hatte gleich ein Entschuldigungsschreiben einer psychiatrischen Anstalt in der Tasche. Ganz Europa ist wohl nicht mehr zu helfen. Muß vielleicht der Friedensnobelpreisträger auch einfach nur auf die Couch?

Paul Mittelsdorf / 21.08.2017

Aber wie blöd muß man als Wähler sein, diese Frau (und ihre Helfer aus den anderen Parteien) erneut zu wählen? Diese Dummheit und Gleichgültigkeit macht neben dem Terror, den Vergewaltigungen und den Totschlägen am meisten Angst.

Frank Stricker / 21.08.2017

Sehr geehrte Frau Szabo, ihr beschriebenen drei Schritte zur Gleichgültigkeit sind ja bereits überholt. Es sind ja nur noch zwei Schritte, der letzte Schritt, die mediale Aufarbeitung findet ja gar nicht mehr statt ! Bestes Beispiel gleich heute bei “Hart aber fair”, obwohl es sicherlich zum grausamen Attentat von Barcelona noch reichlich Gesprächsbedarf gibt, kümmert sich Frank Plasberg tatsächlich heute lieber um “Faszination Adel”.  Andere Probleme scheint es ja in Deutschland nicht zu geben…........

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