Henryk M. Broder / 29.12.2012 / 00:26 / 0 / Seite ausdrucken

Im Rausch der Solidarität!

Wenn die tagesschau über die “GEZ-Neuordnung” berichtet, dann hört sich das so an, wie sich früher die Berichte des ND über die letzte Sitzung des ZK lasen: alles soll besser, schöner und transparenter werden. Schauen Sie hier ab ca. 9.20 min.

Allerdings, irgendwo da draußen soll es noch ein paar Einsiedler geben, die nicht fernsehen, Außenseiter, die möglicherweise lieber Bücher lesen als an einer “Kreuzfahrt ins Glück” mit Jessica Boehrs und Marcus Grüsser teilzunehmen, Dissidenten und Deserteure, die man in Beugehaft nehmen sollte, bis sie “Die 50 beliebtesten Weihnachtslieder der Nordrhein-Westfalen”, die Chronik der “Lindenstraße” und den Lebenslauf von Florian Silbereisen auswendig gelernt haben. Bis dahin freilich müssen sie die neue “Haushaltsabgabe” bezahlen, denn es handelt sich, sagt der Intendant des NDR, um einen “Solidarbeitrag…, das ist wie bei Schulen, bei Kindergärten oder auch bei Universitäten, das müssen auch die finanzieren, die es selbst nicht nutzen”.

Womit der Intendant des NDR zugibt, dass es sich nicht um eine Benutzungsgebühr, wie bei einer Bahnhofstoilette, sondern um eine Steuer handelt. Ob die zulässig ist, darüber wird demnächst das Bundesverfassungsgericht entscheiden.

Fürs Erste trösten wir uns damit, dass wir einen “Solidarbeitrag” leisten. Einen Solidarbeitrag zum Jahresgehalt des BR-Intendanten von 310.000.- Euro. Einen Solidarbeitrag zum Jahresgehalt der WDR-Intendantin von 308.000.- Euro. Einen Solidarbeitrag zum Jahresgehalt des NDR-Intendanten von 286.000.- Euro. Einen Solidarbeitrag zum Jahresgehalt der RBB-Intendantin von 220.000.- Euro. Einen Solidarbeitrag zu den etwa zehn Millionen Euro, die Günter Jauch von der ARD für die Produktion seiner sonntäglichen Talk-Show bekommt. Einen Solidarbeitrag zu den etwa 120 Millionen Euro, welche die ARD und das ZDF jedes Jahr an die Deutsche Fussball Liga zahlen, wobei allein die Sportschau an einem Bundesligawochenende mit etwa drei Millionen Euro Lizenzgebühren zu Buche schlägt.

Da ist Solidarität gefragt. Für 17.98 Euro monatlich pro Haushalt sind Sie dabei. Ob Sie fernsehen oder nicht. Und rechnen Sie damit, dass Sie demnächst auch zur Zahlung einer Abgabe verpflichtet werden, wenn sie an einer Metzgerei vorbei gehen, egal ob sie Fleisch mögen oder nicht. Aus Solidarität mit denjenigen, die sich gerne im eigenen Saft wälzen.

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