Gideon Böss / 31.10.2012 / 13:48 / 0 / Seite ausdrucken

Ilse Aigner und die Datenkrake Deutschland

Ilse Aigner, die trockene Facebookerin, hat sich in ihrer Amtszeit als Verbraucherschützerin mehrmals darüber beschwert, dass die Deutschen ihre Daten nicht genug schützen, dass sie zu wenige Bio-Produkte kaufen und nicht immer aufessen, was auf den Tisch kommt. Sie glaubt, die Menschen in diesem Land vor sich selbst schützen zu müssen, offenbar hat sie das Wort Verbraucherschützerin falsch verstanden.

Besonders wichtig scheint ihr der Kampf gegen Datenkraken zu sein. Google und Facebook mag sie nicht, weil diese Konzerne so viel über ihre Kunden wissen. Wer daraus jedoch ableitet, dass sie generell ein Problem damit hat, wenn zu viele Daten gesammelt werden, liegt aber falsch. Aigner geht nämlich nach der Devise vor: Alle Datenkraken sind gleich, nur eine ist gleicher.

Deswegen startet das Verbraucherministerium auch keine medienwirksamen Kampagnen gegen die GEZ, obwohl diese nun wirklich Daten in einer Fülle sammelt, die jeden ehrlichen Datenkrakenbekämpfer alarmierend müsste. Die GEZ ist ohnehin ein gutes Beispiel dafür, wie wenig sich die Verbraucherschützerin überhaupt für die Belange der Verbraucher einsetzt. Zwangsabgaben an ein Fernseh- und Radiosystem, das sich die Parteien, Kirchen und Gewerkschaften untereinander aufgeteilt haben und peinlich darauf achten, dass auch immer „ihre“ Leute die wichtigsten Jobs in diesem Apparat bekommen, müssten etwas sein, wogegen jeder Verbraucherschützer vorgeht. Aigner macht das nicht, stattdessen kämpft sie gegen Facebook und Google. Zwei Unternehmen, die kein Geld von ihren Nutzern erzwingen, aber durch ihre Innovationen das Leben sehr vieler Menschen bereichert haben. Eigentlich sollte eine Verbraucherschützerin sich freuen, wenn die Verbraucher zufrieden sind, und sich mit Dingen beschäftigen, bei denen das nicht der Fall ist. Aigner geht den umgekehrten Weg, sie nervt herum, wo alles in Ordnung ist und schweigt, wo sie nerven sollte.

Offenbar misstraut sie Privatunternehmen und vertraut dem Staat. Warum eigentlich? Schneidet Deutschland in Sachen Datenschutz so gut ab? Zur Erinnerung: Zwischen 1933 und 1945 hat Deutschland die ihm zur Verfügung stehenden Daten genutzt, um Menschen in Konzentrationslager zu deportieren und zwischen 1949 und 1989, um ein ganzes Volk um seine Freiheit zu bringen. Facebook hingegen verwendet die Nutzerdaten vor allem für personenbezogene Werbung, die so genau ist, dass sie Wintermuffeln einen Skiurlaub im Ötztal und Israelhassern den Kauf von Jaffa-Orangen empfiehlt. Kann man natürlich auch schlimm finden…

Ilse Aigner müsste also dafür arbeiten, dass der Staat und seine Zuarbeiter so wenige Informationen wie möglich über seine Bürger besitzen und die GEZ wäre da aus mehreren Gründen das ideale Angriffsziel. Aber so tickt sie nicht, sie stellt die größte Datenkrake nicht in Frage, denn sie ist im Grunde ihr eigener Arbeitgeber. Offenbar geht es ihr im Kampf gegen Facebook und Google vor allem darum, lästige Konkurrenz loszuwerden, denn die Daten der Bürger will der Staat für sich alleine. Bei ihm sind sie ja in besten Händen, wie die deutsche Geschichte eindrucksvoll beweist.

Gideon Böss schreibt für Die Welt den Blog “Böss in Berlin” (http://boess.welt.de/) und twittert unter https://twitter.com/GideonBoess

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