Quentin Quencher / 06.01.2017 / 10:00 / Foto: Stougard / 4 / Seite ausdrucken

Ich und mein Moped: Profiling oder Kontrollquote?

In den zwei Jahren (2014/15) in denen ich hauptsächlich mit einem kleinen Motorroller unterwegs war (50 Kubikzentimeter/ 45kmh), wurde ich bestimmt zehn mal von der Polizei angehalten und kontrolliert. Das ist ungefähr doppelt so oft, wie in den zusammen über dreißig Jahren als Autofahrer. In den späten achziger Jahren wurde ich mindestens vier bis fünf Jahre überhaupt nicht kontrolliert. Das weiß ich deswegen so genau, weil in dieser Zeit, nach meiner Scheidung, ich praktisch nie nüchtern war. Der Lappen wäre mit Sicherheit weg gewesen.

Die Polizisten zeigten sich oft recht überrascht, als sie mich, mit dem Roller unterwegs, mal wieder anhielten und feststellten, dass da ein alter Sack so ein Gefährt steuert. Gut, manchmal hatte ich auch noch ein Zigarillo im Mund, hatte mir extra einen solchen Helm zugelegt, der es mir ermöglichte, auch beim Mopedfahren zu rauchen. Nur besoffen war ich nie, dem Alkohol musste ich schon vor langer Zeit, nach einer Bauchspeicheldrüsenentzündung, entsagen. Die Ärzte legten es mir nahe, und da ich noch ein wenig leben, mir das Leben nach der Trennung von meiner ersten Frau wieder zurück erobern wollte, habe ich ausnahmsweise mal auf deren Rat gehört. 

Was aber auffällt, ist das Missverhältnis der Kontrollen von Auto und Moped. Mit letzterem war ich so alle zwei Monate fällig, mit dem Auto mur alle fünf bis sechs Jahre. Wenn wir die gefahrenen Kilometer als Vergleich nehmen, dann wird das Missverhältnis noch größer. Allerdings müssten dann die Autobahnen und Bundesstraßen heraus gerechnet werden, denn dort wird man sowieso nie kontrolliert und mit dem 50er Moped darf man da nicht drauf. Aber egal was wir noch hinein oder heraus rechnen, die Gefahr als Mopedfahrer von der Polizei angehalten zu werden ist um ein vielvielfaches größer, auch wenn man berücksichtigt, dass ich meist langweilige Kombis gefahren bin, einen Passat, mehrere Opel, einen Ford, einen Volvo, zur Zeit einen Chrysler. Und Firmenautos natürlich, meist Transporter.

"Es sind halt die Ergebnisse von gemachten Erfahrungen"

KfZ-Profiling gibt es also schon lange. Bestimmte Fahrzeugtypen werden häufiger kontrolliert als andere, manche sogar auf Autobahnen. So geschehen in Bayern als ich mit einem Transporter unterwegs war und mich die Polizei heraus winkte. Der Beamte entschuldigte sich  nach der Kontrolle, mit den Worten: „In Autos wie diesen werden auf dieser Strecke oft illegale Einwanderer geschmuggelt.” Das war vor etwa zwanzig Jahren, hat also mit der derzeitigen Flüchtlingswelle nichts zu tun. Wahrscheinlich kommt das heute auch kaum noch vor, ist gar nicht notwendig, nach Merkels Einladung an alle Welt, nehmen die einfach die Bahn. Vermute ich mal.

Natürlich habe ich, als ich mal wieder mit dem Moped angehalten wurde, den Polizisten vorgeworfen, dass ich es als ungerecht empfinde, nun ständig in ihrem Fokus zu sein, während die Autofahrer weitestgehend ihre Ruhe haben. „Es sind halt die Ergebnisse von gemachten Erfahrungen“, ließ man mich wissen. Genauer wurde es nicht begründet, war auch nicht notwendig, ich weiß ja auch dass die Mopeds gern frisiert werden, vielleicht auch gestohlen wurden, oder kein Führerschein vorhanden ist. Außerdem brauchen die Dinger keinen TÜV, weshalb oft mit mangelndem technischen Zustand gerechnet werden kann.

Profiling jeglicher Art, ob Autos betreffend, oder Menschen, oder Häuser, geschieht ständig. Diese erste grobe Sortierung ist so alltäglich wie mitunter ungerecht.

Für jeden Typ Kraftfahrzeug eine Quote!

Was mich allerdings etwas verwundert, bislang hat noch niemand eine Kontrollquote gefordert um dieser empfundenen Ungerechtigkeit entgegen zu wirken. Die Polizei muss nachweisen, dass sie prozentual alle Verkehrsteilnehmer gleich behandelt. Für jeden Typ Kraftfahrzeug gibt es dann eine Quote die erfüllt werden muss. Ist die Quote für Mopeds erfüllt, werden nur noch Autos kontrolliert. Oder, hat eine Bank Kredite an zehn Personen im Grunewald vergeben, sind jetzt mindestens genausoviele in Neuköln dran. Und so weiter und so weiter.

Nachdem nun in Köln so viele Migranten arabischer Herkunft überprüft wurden, wäre es an der Zeit die Quote für deutsche Frauen zu erfüllen. Wer weiß schon, was die in ihren Handtaschen herumtragen?

Das kommt ihnen idiotisch vor? Klar doch, ist es auch, sind Quoten immer. Dass ich mit dem Moped so oft kontrolliert wurde, hatte ja berechtigte Gründe, auch wenn ich es als ungerecht empfand. Profiling ist ein bisschen wie das sortieren in Schubladen, wichtig bei Sortierungen dieser Art ist nur, dass einzelne falsch einsortierte Personen rechtzeitig wieder raus genommen werden. So wie der eine Polizist, der, als er erkannte, dass er einen über fünfzigjährigen Mopedfahrer angehalten hatte, sich nicht die Mühe machte zu kontrollieren und mich einfach weiter fahren ließ.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Quentin Quenchers Blog Glitzerwasser hier

Leserpost (4)
Caroline Neufert / 06.01.2017

Profiling macht schon Aschenputtel “Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen” ... “Die Polizei muss nachweisen, dass sie prozentual alle Verkehrsteilnehmer gleich behandelt. ” Was halten Sie davon, wenn die Polizei ihre Kontrollen auf Null reduziert. Wär doch auch “Gleichbehandlung” - Nullquote quasi und ganz im Sinn der Freiheit. “Dass ich mit dem Moped so oft kontrolliert wurde, hatte ja berechtigte Gründe, auch wenn ich es als ungerecht empfand.” Die DDR hat Sie fügsam gemacht und die Bundesrepublik freut es. Wegen solcher Sichten, gab’s hier keine Revolution ....

Georg Dobler / 06.01.2017

Das von bestimmten Kreisen gescholtene Social-Profiling ist in völlig normaler Vorgang zu allen Zeiten. Die Fahnder in Grenznähe werden immer die zwei nach Balkan aussehenden jungen Männer im teuren BMW kontrollieren anstatt dem Rentnerpaar im Passat dahinter. Der Zoll, der Schwarzgeld sucht, wird an der Grenze zu Luxemburg wiederum eher das Rentnerpaar im Wohnmobil ins Auge fassen , weil die Beamten bei diesem Personenkreis schon entsprechende Fahndungserfolge machten. Die Beispiele ließen sich unendlich weiterführen (Wer wird bei Flügen aus Südamerika bevorzugt kontrolliert?)

Jochen Brühl / 06.01.2017

Was, der hat sie weiterfahren lassen, weil sie erkennbar über 50 waren. Das ist altersdiskriminierend für alle, die erkennbar unter 50 sind. Das geht gar nicht. Frau Peter von den Grünen: Kümmern sie sich darum!

Werner Liebisch / 06.01.2017

Vielleicht sind die Gefährder häufig auf Rollern unterwegs. Spass beiseite, allgemein gibt es eine Diskrepanz, zwischen dem was kontrolliert werden sollte und kontrolliert wird, vermute ich. Strafen zahlen werden künftig nurmehr die mit einer Identität und solche die ordentlich gemeldet sind. Heute lese ich, dass in Köln einer 96jährigen, demenzkranken Altenheimbewohnerin Zwangsgeld droht, weil sie nicht am Mikrozensus teilnimmt. Also wundern sie sich nicht, dass vermehrt Rollerfahrer kontrolliert werden, denn da gibts wenn, noch was zu holen.

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