Ralf Schuler / 10.04.2016 / 12:02 / 2 / Seite ausdrucken

Ich brauche keine Leute, die mich mit Provokationen auf Offenkundiges hinweisen wollen

Man kann, wie Mathias Döpfner, das Schmähgedicht von Jan Böhmermann als Entlarvung der deutschen Bücklings-Diplomatie gegenüber Ankara sehen, allerdings widerlegt sich der Künstler bei dieser Lesart selbst, wenn er ausgerechnet beim Kanzleramtsminister um Beistand nachsucht. Man kann die Aktion des JB auch als Offenlegung von zweierlei Maß bei Schmähung des Christentums und Schmähung des türkischen Präsidenten verstehen. Man kann aber auch schlichtweg das eine wie das Andere für überflüssig halten.

Um es klar zu sagen: Ich brauche keine Leute, die mich mit Provokationen auf Offenkundiges hinweisen wollen. Diese postpubertäre Ästhetik hat sich mit den Jahren etwas abgenutzt. Hauptberufliche Aufrüttler und Spiegelvorhalter genügen vor allem sich selbst. Ich brauche niemanden, der mir sagt, dass Deutschland sich mit dem Türkei-Deal von der Erdogan abhängig macht. Nachrichten hören/sehen/lesen reicht völlig, um das zu wissen.Ich brauche niemanden, der mir erklärt, dass es in der Türkei demokratische Defizite gibt.

Ich brauche künstlerisch verbrämte Test-Schmähungen des Christentums ebensowenig wie solche des Islams. Kritische Auseinandersetzung wäre Herausforderung genug. Ich brauche keine bereinigten Mediatheken. Wer etwas ausstrahlt, soll auch dazu stehen. Ich brauche keine Kanzlertelefonate über einen Spaßmacher, der zum Lachen in den Quotenkeller geht.

Und eigentlich brauchen wir auch keine Neuauflage der alten Debatte: Kunst darf alles, aber sie muss es – verdammt noch mal – nicht.

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Leserpost (2)
Bärbel Schmidt / 12.04.2016

Ein Gutes hat diese Geschichte für mich. Ich erfahre bald,  wie die Mehrheit der Deutschen denkt, denn danach wird Merkel sich in ihrer Entscheidung richten, vermute ich.

Winnfried Gardner / 11.04.2016

KUNST ? Ich kannte einen Dorfdepp (geistig Geforderter) dessen größtes Vergnügen ein Witz war der immer mit “do hot er in die Hosen gschissen” endete. Für Ihn war das Humor vom Feinsten. Natürlich ist in Kunst und Satire alles erlaubt. Für mein Verständniss gibt es aber eine Grenze zwischen Satire und Diffamierung.  Auch das verbreitende Medium ist zu berücksichtigen. Sollte wirklich alles erlaubt sein? Darf ich dann auch KZ Insassen mit Magermodels vergleichen? Wie wäre es mit einem Kustgedicht über eine dicke Grüne mit “Rotze und Fotze” Reimen? Wer intelektuell nicht in der Lage ist zwischen Beleidigungen und Satire zu Unterscheiden sollte sich vielleicht Überlegen was der Satz bedeutet: “Die Würde des Menschen ist Unantastbar”. Ich glaube dies gilt auch für Despoten. Für geistig Geforderte Künstler sollte gelten, wie Dieter Nuhr es ausdrückte: “Einfach nur die Fresse halten”

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