Christian Ortner / 02.12.2015 / 11:14 / 4 / Seite ausdrucken

Hurra, jetzt werden wir zu Verbündeten des Terrors!

Neues von der moralischen Supermacht: Die deutsche Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hält neuerdings eine militärische Zusammenarbeit des Westens mit der syrischen Regierungsarmee des Despoten Assad in Zukunft für „denkbar“. Nur so zur Erinnerung: Das ist jene Armee, die die eigene Bevölkerung mit Massenvernichtungswaffen angegriffen hat und weiter angreift, die eine Viertelmillion Tote zu verantworten hat und vor der ein Großteil der Syrien-Flüchtlinge flieht. „Es gibt Teile der Truppen in Syrien, die man sehr wohl … hier auch nehmen kann“, meinte Frau von der Leyen in der ZDF-Sendung Berlin direkt danach gefragt, ob die Assad-Armee ein Verbündeter im Kampf gegen den Islamischen Staat sein könnte. Dass Frau von der Leyen dabei ausschließlich an die Militärmusik-Kapelle der syrischen Armee denkt, ist eher nicht anzunehmen.

Die deutsche Bundeswehr an der Seite der Assad-Armee, die ihrerseits wieder enger Verbündeter von Putin-Russland und den Islamofaschisten in Teheran ist – das hat was. Jener unerträgliche moralische Hochmut, mit dem Deutschland seit Ausbruch der Asylkrise den Rest der Welt nervt, jener Moral-Imperialismus der entgleisten ‚Willkommenskultur‘ kriegt da einen ganz eigenartigen Geruch. Am Münchner Hauptbahnhof jenen, die unter anderem vor den Assad-Schlächtern geflohen sind, ‚Welcome‘-Pappen unter die Nase halten – und gleichzeitig eine informelle militärische Allianz mit dem Assad-Militär, Iran und Russland einzugehen, da dürfte der Berliner Regierung ein echtes Meisterwerk an politischer Doppelmoral gelungen sein.

Ein Meisterwerk, das freilich kongenial ergänzt wird durch jene Kooperation, die Europa unter der Führung von Merkel nun mit dem osmanischen Möchtegern-Sultan Erdogan einzugehen im Begriffe ist. Weil Frau Merkels moralintrunkenes „Wir schaffen das“ leider immer mehr zur unfrommen Illusion mutiert, muss nun die Türkei her, um jene Drecksarbeit zu erledigen, für die sich Europas politische Klasse zu gut ist: die sogenannten Schutzsuchenden wieder zum Teufel zu jagen, bevor sie sich auf den Weg nach Germany machen.

Dass Herrn Erdogans Verhältnis zum Islamischen Staat bis heute eher ungeklärt ist, schert Europas moralischen Hegemon da eher wenig, solange er dabei behilflich ist, unschöne Fernsehbilder von der Schengengrenze Süd zu vermeiden.

Jenen moralischen Kredit, den sich die Deutschen möglicherweise in diesem Willkommens-Sommer erarbeitet haben, sind sie angesichts ihrer seltsamen neuen Verbündeten ziemlich schnell zu verspielen im Begriffe.

Mehr zum Thema auf: http://www.mena-watch.com/

Leserpost (4)
Sybille Schrey / 03.12.2015

“Hurra, jetzt werden wir zu Verbündeten des Terrors!”  Ach, wirklich!? Noch nicht bemerkt, daß wir das schon lange…, länger…, am längsten sind? Zeig mir deine Freunde und ich sag dir, wer du bist. Daß die USA mit den Golfstaaten paktieren, welche den IS unterstützen, ist kein Wunder, weil dieser ja auch von den USA protegiert wird. Daß einer der engsten Verbündeten Saudi-Arabien ist, verwundert auch nicht, da die selbsternannten „Wächter des Guten“ ebenfalls eine endlose Spur von Terror und Tod nach sich ziehen. Ein neuer „Freund“ ist die Ukraine, in deren kriegslüsternen, faschistischen Sumpf Europa auf Verlangen der USA Milliarden versenkt, während gegenüber Rußland Sanktionen erhoben werden, die der europäischen Wirtschaft schaden. Aber was macht das schon, wenn dort für die USA eine „Stationierung von Atom-und anderen Massenvernichtungswaffen“ in Aussicht steht, um extern! einen „kleinen Atomkrieg“ zu führen. Und erst die NATO-Freunde. Seit dem Ende des Kalten Krieges hat diese Organisation zwar ihre Daseinsberechtigung verloren, doch sie erfand sich auf Veranlassung der USA neu und agiert nun als Aggressionsbündnis. Nachdem es nicht gelungen ist, mittels Ukraine einen Krieg gegen Rußland vom Zaun zu brechen, soll der US-Rammbock nun in der Türkei in Stellung gebracht werden. Ach ja, die Türkei, die seit Jahrzehnten radikalen Islamismus fördert, diesen mit Hasspredigern nach Europa exportiert, die Kurden vernichten will, dem IS als Rückzugsgebiet dient und dabei gleich das eine und das andere Waffen- und Ölgeschäft mit selbigem abwickelt, ist geradezu prädestiniert für die EU - Mitgliedschaft. Für die westlichen Medien, die dem irrsinnigen Treiben beipflichten und sich dabei in ihrer Hetze gegenüber Rußland überschlagen, während Verbrechen wie der türkische Abschuß eines russischen Kampfjets nicht einmal ansatzweise kritisiert werden, würden vermutlich selbst Karl Kraus die Worte fehlen, der einst schrieb: „Keinen Gedanken haben und ihn ausdrücken können – das macht den Journalisten.“ Denn was sie tun ist schlimmer: sie ersetzen den Mangel an Gedanken durch widerlichste Hasspropaganda. Nicht auszudenkenden wie die Reaktionen wären, wenn Rußland eine solche Tat „vollbracht“ hätte. Von dem Gezeter würde der Orkus erschüttert werden. Und nun will auch noch jeder in Syrien mitmischen, um sich damit bei „Uncle Sam“ weiter „Liebkind“ zu machen. Alle zusammen bilden eine unheilige Allianz, die an moralischer Verkommenheit nicht zu überbieten ist. Die USA, als Führer dieses Syndikats, gehen davon aus, ihr vernichtendes Werk unbegrenzt und selbst unbeschadet auf ewig fortführen zu können. Doch sie sind längst über dem Zenit. Unfähig zur Interpretation der Lage werden sie in absehbarer Zeit den Halys überschreiten und die erhoffte Möglichkeit, den Weltuntergang extern zu zelebrieren wird sich als Trugschluß erweisen. JA - „das hat was.“ Da muß ich Ihnen uneingeschränkt Recht geben!

Jacek Berger / 02.12.2015

Was ist aus moralischer Sicht besser? Mit einem Despoten zu paktieren, der Opposition ins Gefängnis steckt, die Meinung -und Pressefreiheit aufhebt, auf eigene Leute schießen lässt , und die Kurden bombt. Mit einem Despoten, der das Öl von IS kauft und dadurch sie auch finanziert? Oder einen Grenzzaun an der österreichischen Grenze zu bauen ( wie Spanien 2006) einige Flüchtlinge wenn es sein muss auch mit Wasserwerfer und Tränengas abweisen, und der ganzen Welt mehrmals zu erklären, dass niemand der nach Deutschland illegal einreist , eine Chance auf Asyl hat ( wie Australien)?

Florian Hillen / 02.12.2015

Wer ist den schlimmer? Erdogan oder Assad mmh?

Helfried Richter / 02.12.2015

Die Erfahrungen aus Afghanistan betrachtend, wird wohl auch dieser Einsatz nicht das Paradies in Syrien bringen. Über Clanstrukturen, sunnitischen, schiitischen Islam usw., was homogene Großstaaten ohne Repression nicht real erscheinen läßt, wurde schon ausführlich berichtet. Einen überaus einleuchtenden Denkanstoß hat mir der Achse-Beitrag von Thilo Spahl: “Wer Extremisten besiegen will, muss den Kampf der Ideen gewinnen”. Ich stimme zu. Ein sich für Frau Merkel’s Machterhalt eventuell günstig auswirkendes “Kolateral-Ergebnis” sei zuletzt erwähnt: Die sog. “Spaltung der Bevölkerung” in Willkommens-Kulturschaffende und Grenzsicherungs-Freunde könnte zu einer Vierteilung werden: Beide Gruppen werden jeweils Kriegsbefürworter und -gegner haben; -> divide et impera.

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