Hurra, ich gründe eine Briefkastenfirma!

Eins ist klar: Wer eine Briefkastenfirma gründet, will etwas verbergen. Aber was? Spontan fällt einem Steuerhinterziehung ein, beschönigend auch Steuerersparnis genannt. Das ist verwerflich und überdies strafbar (§ 370 Abgabenordnung).

Aber ist das der einzige Grund? Nehmen wir an, ich sei Millionär oder, besser noch, Milliardär und möchte mir eine Yacht zulegen. Die dafür notwendigen 100 Millionen zahle ich aus der Portokasse. Aber das ruft Neider auf den Plan. Besser ist, ich miete die Yacht, das wirkt bescheidener. Also errichte ich eine Briefkastenfirma in Panama, die die Yacht kauft und mir vermietet. Der Mietpreis spielt keine Rolle, denn den zahle ich ja in meine eigene Tasche. Alles mit versteuertem Geld, selbstverständlich.

Ist das strafbar? Nein. Ist es moralisch verwerflich? Darüber mögen die Linken, die Grünen oder meinetwegen auch der Bundesjustizminister urteilen. Denen kann man es sowieso nicht recht machen.

Oder ich möchte Gutes tun, aber nicht als Wohltäter in Erscheinung treten. Warum? Das ist meine Sache. Also gründe ich noch eine Briefkastenfirma, natürlich wieder in Panama, statte sie mit (versteuertem) Geld aus, und lasse sie eine Stiftung gründen oder regelmäßig zur Bekämpfung von Aids in Afrika spenden. Verwerflich? Na hör mal!

Ich bin Unternehmer – was sonst als Milliardär? – und möchte die Marktchancen für mein Hauptprodukt (sagen wir Schrauben oder Dübel) im asiatischen Raum erkunden. Zu diesem Zweck gründe ich eine Briefkastenfirma, nein diesmal nicht in Panama, sondern in Bangladesch, die den Markterkundungsauftrag einem renommierten Unternehmen vor Ort (in Singapur oder Seoul) erteilt. Legal und wohl auch legitim.

Zugegeben, das dürfte nicht jeden Tag passieren. Aber möglich wäre es. Oder? Sicher fallen fachkundigen Lesern der Achse noch weitere Beispiele ein.

Sind das nun alles Schwindler, die in den „Panama Papers“ stehen? Kann sein, muss aber nicht. Dazu muss man die Klärung der Details abwarten. In einer Zeit, in der Geschwindigkeit alles ist, nicht nur in der Formel 1, fällt uns aber nichts schwerer als warten. Warten, bis gesicherte Ergebnisse vorliegen, die dann schon keinen mehr interessieren, weil es eine neue Spekulationsblase gibt. 

Foto: Bildarchiv Pieterman
Leserpost (1)
Alexander Zeiler / 10.04.2016

“Oder ich möchte Gutes tun, aber nicht als Wohltäter in Erscheinung treten. Warum? Das ist meine Sache.” Das können sich unsere Spezialisten aus der grünlinken Ecke nun mal so gar nicht vorstellen.

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