Wolfgang Mayr, Gastautor / 20.05.2018 / 16:00 / Foto: R4BIA.com / 7 / Seite ausdrucken

Herr Erdogan und sein Gespür für Nazis

Erdogan, ein Humanist, ein besorgter Staatschef, der Schwächeren zu Hilfe eilt? Der türkische Staatspräsident teilt kräftig aus. Erdogan, der Kriegsherr, wirft Israel vor, mit Nazi-Methoden gegen protestierende Palästinenser in Gaza vorzugehen. Erdogan und die islamische Staaten plädieren für eine Schutztruppe zugunsten der Palästinenser. Erdogan wirbt für eine Islamo-Front gegen Israel.

Erdogan wird immer mehr zum Islamo-Faschisten. Mit verbündeten syrischen Islamisten ging die auch mit deutschen Waffen hochgerüstete Nato-Armee gegen die Kurden im syrischen Afrin vor. Türkische Soldaten und ihre islamistischen Verbündeten terrorisieren die Bevölkerung. Ihr Ziel: Afrin ethnisch zu säubern, es soll kurdenfrei werden. Mehr als 200.000 Kurden sind vor den Truppen unter dem Halbmond geflohen.

In Afrin etablierten nach der türkischen Besetzung die syrischen Verbündeten das islamische Scharia-Recht. „Frauen und nicht-sunnitische Volksgruppen müssen sich nun den strengen Regeln eines radikalen Islam unterwerfen“, berichtet Kamal Sido von der Menschenrechtsorganisation „Gesellschaft für bedrohte Völker".

Mehr als 6.000 Kurden wurden von den neuen Machthabern verschleppt. Afrin wird türkisiert und islamisiert. In Afrin herrscht Angst, die Menschen wagen sich kaum noch auf die Straße oder ihre Felder. Die türkischen Besatzer eliminieren alles Kurdische: Denkmale werden abgerissen, Friedhöfe geschändet, Schilder mit kurdischer Aufschrift entfernt, Dörfer erhalten türkische Namen.

Deutsche Waffen morden mit

Die Besatzer plündern mit gezielten Raubzügen die Zivilbevölkerung, landwirtschaftliche und andere Fahrzeuge werden geraubt und in die Türkei abtransportiert. Das nennt man ethnische Säuberung.

Die türkische Armee zählt im Nahen Osten zu den schlagkräftigsten. Auch wegen der deutschen Waffen. 2017 erhielt der Nato-Partner Rüstungsgüter im Wert von 55 Millionen Euro. Zwischen Dezember 2017 und Januar 2018 wurden nach Angaben des Bundeswirtschaftsministeriums 31 Rüstungsexporte in die Türkei genehmigt.

Der Rüstungskonzern Rheinmetall soll die 354 Leopard-2-Panzer, mit der Deutschland die türkische Armee schon vor Jahren hochgerüstet hat, modernisieren. Die deutschen Waffen dienten und dienen nicht dem Kampf gegen den Islamischen Staat, sondern im Krieg gegen die Kurden. Mit deutschen Waffen schoss sich die türkische Nato-Armee den Weg frei in das einst kurdisch verwaltete Afrin in Nordsyrien.

Erdogan praktiziert in seinem Krieg gegen die Kurden Nazi-Methoden. Seine Armee wütet auch immer wieder im nördlichen Irak, in der autonomen kurdischen Region. Dort bekämpft er angeblich kurdische Terroristen der Arbeiterpartei PKK. Die türkischen Truppen im Nord-Irak ließen 2014 den IS vergewaltigen und morden. Der IS vertrieb fast eine halbe Million kurdisch sprechender Yeziden aus dem Sinjar im irakischen Nordwesten, viele Frauen wurden verschleppt, versklavt und vergewaltigt. Die türkische Armee stand abseits, ließ die sunnitisch-islamistischen Verbündeten gewähren.

Am Anfang ging es gegen die Armenier

Auch im eigenen Land, in der Türkei, bekämpft der Islamist Erdogan die kurdische Bevölkerung. Ganz in der Tradition der jungtürkischen Revolutionäre während des Ersten Weltkrieges. Zwischen 1915 und 1917 ermordeten die Jungtürken um Kemal Attatürk mit Hilfe des deutschen Kaiserreiches mehr als 1,5 Millionen Armenier. Später folgten weitere christliche Bevölkerungsgruppen.

Kurden dienten den Jungtürken als Söldner gegen die anderen „Türken“. Nach dem erfolgreichen Krieg gegen die verschiedenen christlichen Bevölkerungsgruppen wandte sich die Türkei gegen sunnitischen Kurden. Unter dem Deckmantel des Anti-Terror-Kampfes „säuberte“ das Militär die südöstliche Türkei, das Land der Kurden. 4.000 Dörfer wurden zerstört, mehr als 40.000 Kurden getötet, 17.000 kurdische Bürger werden seit dem Krieg der Armee gegen die PKK vermisst.

Nach dem angeblichen Putsch der islamischen Gülen-Bewegung gegen Präsident Erdogan verschärfte die islamistische Regierung ihre Gangart gegenüber den Kurden. Bereits ein Jahr vor dem „Putsch", also 2015, zettelte das türkische Militär in Türkisch-Kurdistan seinen schmutzigen Krieg an. Das Militär und die Sicherheitskräfte gingen gegen kurdische Organisationen vor, besonders die prokurdische Partei HDP. Mehr als 7.000 Mitglieder, Funktionäre und Mandatare der Partei wurden verhaftet. Um freie Hand zu haben, keine Augenzeugen für den Staatsterror, siedelte das Militär eine halbe Million Kurden um. Das sind Nazi-Methoden!

Nach dem gescheiterten Putsch 2016 wurden landesweit mehr als 100.000 Personen verhaftet. 120.000 Beamte, Staatsanwälte und Richter wurden entlassen, 2.000 Schulen und 200 Medien geschlossen, darunter auch 15 kurdische Medien. Religiöse und ethnische Minderheiten wie die Aleviten, Yeziden, Christen, Armenier, Assyrer/Aramäer und Griechen werden unterdrückt. Europa weiß über alles Bescheid und unternimmt – nichts.

Foto: R4BIA.com

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Leserpost (7)
Gottfried Meier / 20.05.2018

Die Türken, die Erdogan unterstützen, unterscheiden sich nicht von den Deutschen, die Hitler gewählt haben. Dass über 70 Jahre nach Nazideutschland, Faschisten, dieses Mal in muslimischer Ausprägung, in Deutschland mehr oder minder unbehelligt ihr Unwesen treiben dürfen, ist unglaublich.

Patricia Hillemann / 20.05.2018

Diese Bigotterie der deutschen Regierung um Angela Merkel ist einfach nur übel, nicht ethisch, nicht menschlich. Der Flüchtlingsdeal mit der Türkei, wirtschaftliches Gewinnstreben, also reiner Opportunismus führt Angela Merkel zu Gewissenlosigkeit und Käuflichkeit. Nicht zu vergessen die Millionen Türken/Muslime hier in Deutschland. Ist es Angst vor den Unberechenbarkeiten und Gewalttätigkeiten der fanatisierten muslimischen Migraten, gerne auch in 2. oder 3. Generation hier lebend? Wo bleibt die Stellungnahme/deutliche Kritik der deutschen christlichen Kirche zum Gebaren Erdogans? Es verwundert mich sehr, dass die Türkei noch Beitrittshilfen im Rahmen der EU-Eingliederung bekommt. Was macht es mit Erdogan, das Verhalten, besser Nichtreagieren der Deutschen? Es bestätigt ihn in seinen Ansprüchen und Vorgehensweisen? Dieser Despoten kann nicht mit Verständnis, Reden und Wegducken eingehegt werden. Die einzige Sprache die er versteht: „Tacheles reden“ und notfalls handeln. Alles andere wird als Schwäche ausgelegt.

C. Bellechamps / 20.05.2018

Lustig ist: Deutsche Vorzeigepolitiker und Journalisten fürchten dabei, während sie Hand in Hand mit Erdogan gehen, um die Rechtstaatlichkeit in - na? - Polen. Warum nur erinnert das immer mehr an Kaiser Wilhelm oder das 3. Reich??? Oder beklagen den Antisemitismus in - Polen. Bin gerade da. Vor der Synagoge stehen hier keine Polizisten.

F. Hoffmann / 20.05.2018

Merkel braucht ihn halt. Man erwarte von ihr keine Moral. Sie ist amoralisch, Machterhalt ist ihr jeden Preis wert.

Emmanuel Precht / 20.05.2018

Europa unternimmt nichts - Das sind die Werte für die wir stehen oder Herr Junker, Frau Merkel? Was berichten die Slomka Medien? Ach, Trump hat verschiedenfarbige Socken an, Skandal! Wohlan…

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