Thomas Rietzschel / 04.12.2016 / 18:00 / 3 / Seite ausdrucken

Guter Rat ist teuer, kalter Kaffee auch

Vor fünf Wochen haben wir hier darüber geschrieben, dass die Unternehmensberatung McKinsey sich bereit erklärte, der Bundesregierung bei der Bewältigung der Flüchtlingskrise unter die Arme zu greifen. Im Auftrag des BAMF, des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (derzeit 6.500 Mitarbeiter plus 1.000 befristet Angestellte), und der BA, der Bundesagentur für Arbeit (derzeit ca. 96.300 Mitarbeiter) sollten die Berater eine Strategie für die konsequentere Rückführung abgelehnter Asylbewerber entwickeln.

Der übernommene Auftrag wurde zügig erledigt. Bereits in der abgelaufenen Woche lagen die Ergebnisse vor. Zusammenfassen lassen sie sich in vier Punkten.

Erstens: Abgelehnte Asylbewerber müssen schneller als bisher zurückgeführt werden, da die Zahl der Ausreisepflichtigen auf bald 500.000 angewachsen ist.

Zweitens: Von der Möglichkeit der Abschiebehaft muss öfter Gebrauch gemacht werden, um stärkeren Druck auf die Sitzenbleiber auszuüben.

Drittens: Wer keine gültigen Ausweispapiere vorlegen kann, soll nichts Bares auf die Hand bekommen, stattdessen mit Sachleistungen abgefunden werden, ebenso wie alle jene, die sich krankmelden, um nicht abgeschoben zu werden. Denn nur so könne, man lese und staune, „die finanzielle Flexibilität … verringert werden“.

Viertens: Wer nicht zur Klärung seiner Identität beiträgt, indem er sich bei dem angegebenen Verlust des Passes um die Beschaffung eines neuen oder ein Ersatzdokument kümmert, soll mit einer Kürzung der gewährten Leistungen zur Ordnung gerufen werden.

Das ist doch kalter Kaffe, nichts Neues, sagen Sie? Richtig. Das alles hätte die Bundesregierung ebenso von Lieschen Müller und dem kleinen Mann auf der Straße erfahren können - umsonst, ohne dass es den Staat einen Cent gekostet hätte. Nicht zu reden von den Millionen, die er jetzt berappen muss, um sich von externen Beratern sagen zu lassen, was die Spatzen von den Dächern pfeifen.

Allein, was ist der beste Rat wert, wenn er nicht aus dem Mund eines „Experten“ kommt. Nichts, jedenfalls nichts für die Repräsentanten der monarchischen Demokratie. Lieber besprechen sie sich mit ihren Buddys. Lieber gehen sie mit einer „Expertise“ auf Nummer sicher, als dass sie auf "die Menschen draußen im Lande" hören, auf die Bürger, deren Steuergelder so erfreulich sprudeln, auf das Volk, den „großen Lümmel“, auf das „Pack“ und den „Mob“, dem nicht zu trauen ist.

PS. Rainer Wendt, Vorsitzender der Deutschen Polizeigewerkschaft, zu der McKinsey-Beratung: „Den Bericht hätten Bundes- und Landesbehörden genauso gut erarbeiten können. Das ist ein  Schlag ins Gesicht der Beamten."

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Leserpost (3)
Peter Hansal / 05.12.2016

Sehr geehrter Herr Rietzschel, werden Sie nicht müde, solche Schildbürgerstreiche anzuprangern. Es ist unglaublich was sich unsere Beamten erlauben. Ist es Denkfaulheit, Dummheit, Desinteresse - oder liegt das ganze einfach im System, dass nur Erkenntnisse, welche sehr viel Geld kosten, auch etwas Wert auch wenn sie noch so trivial sind. Ist feststellbar, wessen Unterschrift unter dem Auftrag am McKinsey steht? Wer hat das veranlasst? Oder war es die Abteilung “Keiner&Niemand;”  ?  Frau Merkel selbst? Dann wird Sie mit dem Ergebnis nicht zufrieden sein und auch die ARD wird davon nichts berichten.

Claudia Schneider / 05.12.2016

Lieber Herr Rietzschel, nicht das BAMF hat diese Studie zum Preis von 1,8 Millionen Euro bei McKinsey in Auftrag gegeben, sondern Herr Weise. Derselbe Herr Weise, der mindestens sechs (!) Beraterfirmen zu horrenden Stundensätzen ohne die vorgeschriebene Ausschreibung (!) im BAMF beschäftigt hat, um feststellen zu lassen, was bereits sein Amtsvorgänger wusste und auch mantraartig laut sagte und dem BMI schrieb: dass die Flüchtlingszahlen steigen und nicht genügend Personal da ist. Herrn Wendt ist also nur zuzustimmen - hätte man die gefragt, die seit Jahrzehnten damit befasst sind, hätte man die gleichen Erkenntnisse unentgeltlich bekommen. Zum Teil liegen die Pläne schon seit Jahren in den Schubladen, ohne realisiert worden zu sein. Das trifft auch für andere Projekte zu: der von Herrn Weise als Innovation angepriesene “Ankunftsnachweis” war schon vor mehr als zehn Jahren vom BAMF als “Asylcard” projektiert worden. Diese Selbstbedienungs- und Klüngelmentalität wird nur noch getoppt von der sogenannten Dienst- und Fachaufsicht; das wären dann Herr de Maiziere, Frau Merkel und - ach ja, was macht eigentlich Herr Altmaier gerade? Alle diese Personen samt einiger Bundestagsabgeordneter wissen davon und unternehmen nichts gegen die öffentliche Geldverbrennung eines Herrn Weise. Politisch gewollte Kontrollaufgabe des Staates also.

Detlef Dechant / 05.12.2016

Es ist doch viel wirkunvoller, eine solche Studie zu Tagessätzen von teilweise mehreren tausend Euro von einer renommierten Unternehmensberatung erstellen zu lassen, als die eigenen Mitarbeiter zu Tagessätzen von ca. 300 Euro damit zu beschäftigen. Eine Fremdstudie kann man diskutieren, kritisieren und auch in der Schublade verschwinden lassen. Eigene Mitarbeiter sind hartnäckiger, fragen nach,  berufen sich auf die Arbeit, sind lästig! Und das kann unangenehm werden. Und zu den Kosten - wir haben es ja! !!!

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