Gastautor / 20.05.2016 / 06:19 / Foto: Carodejnice Pikovicich / 2 / Seite ausdrucken

Glyphosat und die Bio-Pharisäer

Von Hans-Jörg Jacobsen.

Keine Marketinglüge hält sich so hartnäckig wie die der Bio-Lobby, „Biobauern würden nicht spritzen“. Wer sich darüber informieren will, welche Stoffe im Biolandbau erlaubt sind und eingesetzt werden, wird hier fündig. Nehmen wir als Beispiel einmal die Pyrethrine, Inhaltsstoffe aus Chrysanthemen, die als „biologische“ Insektizide eingesetzt werden. Auf der Website eines Herstellers kann man hier mehr erfahren. Klickt man sich durch, dann liest man unter der Rubrik  "Health and Safety" folgendes lesen:

„Pyrethrins are not readily absorbed into the skin of mammals.  If pyrethrins are introduced into the body of mammals through breathing or ingestion, the body will quickly metabolize pyrethrins causing them to degrade and break down into non-toxic metabolites.  Excretion of the parent compounds and metabolites occurs through the urine and feces. When used in products according to the directions for use, humans are exposed to such very low levels of pyrethrins, orders of magnitude lower, than levels that show adverse effects in animal testing.“

Komisch, denkt man sich, bei Glyphosat gilt eigentlich dasselbe, dabei muss Glyphosat nicht einmal metabolisiert werden, um keine Schäden anzurichten, sondern wird gleich ausgeschieden. Daten, wie sie von den Grünen unter Federführung des Bundestagsabgeordneten Harald Ebner mit untauglichen Methoden irgendwie fabriziert und rausposaunt worden waren, die angeblich Glyphosat in sehr niedrigen Konzentrationen in Muttermilch nachzuweisen behaupteten, erwiesen sich als die übliche Panikmache: Ein 4 kg schwerer Säugling müsste täglich 2700 l Muttermilch zu sich nehmen, um an einen definierten Grenzwert zu kommen, nachzulesen hier.

Die Fakten stehen in einem gigantischem Widerspruch zu dem Riesenklamauk, den der Bio-Komplex veranstaltet, um Glyphosat verbieten zu lassen. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die akute Toxizität der Pyrethrine. Betrachtet man ein Sicherheitsdatenblatt eines Herstellers eines „garden friendly“-Pyrethrums, so stellt man fest, dass man angeblich fast keine genauen Kenntnisse über dieses Produkt hat. Vergleicht man andere Quellen, so stellt man fest, dass die Risiken von Pyrethrinen bei den „grünen“ Herstellern dieses „natürlichen“ Insektizids immer runtergespielt werden, bei den seriösen Anbietern hingegen Daten vorliegen: So liegt die letale Dosis, bei der 50 Prozent der Ratten sterben, die mit Pyrethrinen gefüttert werden, bei 200 mg 2,6 g pro Kilogramm Körpergewicht. Bei Glyphosat liegt diese letale Dosis um das doppelte höher, Glyphosat ist also akut nur halb so toxisch, als die ach so schönen Naturprodukte aus Chrysanthemen, die die Biobauern (hoffentlich mit Atemschutz, denn die Pyrethrine können Asthmaanfälle auslösen) gegen Insektenbefall spritzen dürfen.

Dieser Befund legt natürlich nahe, sich mit dem „Naturverständnis“ der gemeinen Germanen zu befassen, wie es der Wissenschafts-Autor  Florian Aigner so hervorragend gemacht hat. Also, die Damen und Herren Hendricks, Gabriel und Maas (oder wer sonst in der SPD noch versucht, die Grünen irgendwie in schwammigen Feldern zu überholen): Lasst eure ReferentInnen mal rechercherieren, geht in Euch und ermuntert sie, Euch nicht nach dem Mund zu reden und lasst sie dann eine Strategie erarbeiten, wie ihr aus der selbst gestellten Falle wieder rauskommt.

Professor Hans-Jörg Jacobsen war Leiter der Abteilung Pflanzenbiotechnologie am Institut für Pflanzengenetik der Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover.

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Leserpost (2)
Hans-Peter Hammer / 20.05.2016

Sie wollen aus der Falle garnicht wieder rauskommen! Sie haben nämlich noch nicht mal bemerkt, daß sie in einer sitzen!

Werner Lange / 20.05.2016

Sorry, liegt die letale Dosis nun bei 200mg oder bei 2,6g? Wäre schon irgendwie wichtig denn es ist ja “nur” ein Faktor 13….. Bitte um Aufklärung - danke

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