Thomas Rietzschel / 05.03.2018 / 17:35 / 8 / Seite ausdrucken

Gesehen, gelesen, gehört, verpasst: Ein Oscar ohne Penis

Wenn es noch eines Beweises bedurfte, dass uns mit der #metcaroo-Debatte nichts als das inszenierte Spektakel einer lebensmüden Gesellschaft geboten wird, dann hat ihn die diesjährige Oscar-Verleihung geliefert. Bewusst oder unbewusst traf der Moderator Jimmy Kimmel, von Haus aus Comedian und Produzent einer Game Show, den Nagel auf den Kopf, als er mit Blick auf die goldene Trophäe erklärte: „Dieser Mann hält seine Hände so, dass sie zu sehen sind. Er sagt nie ein unhöfliches Wort, und vor allem hat er keinen Penis. Das ist die Sorte Mann, die Hollywood jetzt braucht.“

Das sollte vielleicht ein Witz sein, ein Gag zur Aufmunterung des Publikums. Vor allem aber war es eine sprachliche Fehlleistung, die sich Sigmund Freud nicht verräterischer hätte ausdenken können. Denn wer den Mann ohne Penis – und sei es zum Spaß – als das männliche Idealbild der Zukunft preist, hat jegliches Interesse an der Reproduktion der menschlichen Gattung verloren. Er kommt gar nicht mehr auf den Gedanken, sich darüber Gedanken machen zu müssen.

Eine verblödete Meute

Vielmehr befeuert er die skurrilen Phantasien einer dekadenten Gesellschaft, die ihrer selbst überdrüssig ist. Bedient wird die Sensationsgier einer hedonistisch verblödeten, scheinheilig moralisierenden Meute, der alles zupass kommt, was sie aus ihrer Lethargie aufstöbert. Wo es auf eine ernsthafte Auseinandersetzung ankäme, verwandelt sich das Leben in einen Blockbuster, bei dem jede und jeder mitspielen kann. Hauptsache, es juckt sie oder ihn, irgendwie aufzufallen.

Weil sie das Interesse an der Zukunft, dem Fortbestand der Welt über ihre eigenen Tage hinaus verloren haben, ergötzen sich die moralisch Erwachten an einer Kampagne, die ihnen den Nervenkitzel kämpferisch auftrumpfender Prüderie verspricht. Wie der Hungerkünstler, den das Essen ekelt, nachdem er es im Übermaß genossen hat, spielen sie mit der Vorstellung des Mannes ohne Penis.

Alles übertrieben, die überzogene Ausdeutung einer schlichten Show? Ja, insofern niemand, der dem Unsinn lachend applaudierte, die Umsetzung des Gedankens in die Tat ernsthaft erwägen würde. Dafür macht die Sache dann doch zu viel Freude. Man muss ja nicht von allem, was man öffentlich verteufelt, selbst die Finger lassen.

Auch die Samenbanken müssten schließen

Ebenso richtig ist freilich, dass sich die prominenten Spießer in Hollywood anlässlich anderer Preisverleihungen, bei denen sie gern in trauerschwarzer Haute Couture auftreten, berufen fühlen, der Welt als Sittenwächter „ein Beispiel“ zu geben. Beim Oscar konnten die Worte nicht groß genug sein. „Was hier passiert, ist Geschichte“, stellte Jimmy Kimmel gleich zu Beginn der Gala.

Würden wir den moderierenden Clown beim Wort nehmen, dem peinlichen Spektakel mehr Glauben schenken, als es der gesunde Menschenverstand erlaubt, müssten wir davon ausgehen, dass uns in der vergangenen Nacht schlichtweg das Ende der Geschichte verheißen wurde. Denn welche Nachkommen wären von dem zum Idealbild des Mannes erhobenen, dem penisfreien Oscar zu erwarten? Am Ende würden sogar die Samenbanken ihre Schalter schließen.

Soweit mag es nicht kommen, schon gar nicht in Hollywood. Den Zeiten der inszenierten Enthaltsamkeit sind noch immer die der ausgelassen Sinnenfreude auf den Fuß gefolgt. Bleiben wir also gespannt auf die Oscar-Verleihung 2019, auf die nächste Sau, die dann über den Sunset Boulevard getrieben wird, verfolgt von Millionen Fernsehzuschauern rund um die Welt. 

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Leserpost (8)
Dirk Jungnickel / 05.03.2018

Der Massenmensch braucht den infantilen Starrummel wie die Mücke das Licht. Die “inszenierte Enthaltsamkeit” ist eine Gegen - Dekadenz die wiederum dekadent ist. Dem Vernehmen nach soll die Oscar - Figur umgestaltet werden. Der abwesende Penis könnte immerhin von Gender - Protagonistinnen   “vereinnahmt”  werden. Um fortan keine Unklarheiten mehr aufkommen zu lassen , soll ein Torso geschaffen werden, dem die Grapschhände fehlen.  Diese Symbolik hätte allerdings zur Folge, dass Filme mit einschlägigen Sequenzen gar nicht erst nominiert werden dürfen, bzw. dort eine rotiernde Oscarfigur eingeblendet werden sollte. Den erhobene Zeigefinger wird der Zuschauer ja noch   dazu phantasieren können.

Viola Heyer / 05.03.2018

Der Feminismus ist völlig aus der Spur geraten und dreht sich nur noch hysterisch um sich selbst. Mir nehmen diese Aktivistinnen die Lust auf Kino und verleiden mir mein liebstes Hobby. Da bin ich nachtragend und werde diesen selbstgerechten “Frauenrechtlerinnen”, samt ihrer unerträglichen Klage- und Opferkultur, nie verzeihen. Ich kenne wirklich keine Frau, die diesen Kampagnen, auf denen Hollywoodstars seit Monaten reiten, etwas Positives abgewinnen kann. Ich erlebe diesbezüglich immer nur Kopfschütteln, Spott und Verachtung.

Ralf Hühn / 05.03.2018

Sollen sie sich doch in Sack und Asche Hüllen. Diese “falschen” Moralapostel braucht kein Mensch, ebensowenig wie die ganze verlogene Show. Ist da irgendetwas von wahr? Ist doch nur die Glitzertraumwelt, die der Fantasie entsprungen ist, oder?

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