Vera Lengsfeld / 13.08.2013 / 17:30 / 5 / Seite ausdrucken

Geschützter Antisemitismus

In Berlin wird Antisemitismus polizeilich geschützt. Zu dieser bitteren Schlussfolgerung mussten die Gegendemonstranten kommen, die sich unlängst am Joachimsthaler Platz versammelt hatten, um gegen die Al-Quds-Demonstration der Hisbollah zu protestieren, die , wie schon seit Jahren, auf dem Kudamm stattfand. Im Jahr 1979 war dieser Marsch am Al-Quds–Tag von Ajatollah Khomeini als weltweites Signal zur „Befreiung“ Jerusalems und zur Vernichtung Israels ausgerufen worden.

In diesem Jahr folgten dem Aufruf der Hisbollah in Berlin etwa 1000 sehr disziplinierte, meist junge Extremisten, streng getrennt nach Geschlechtern. Die meisten dieser jungen Menschen sprachen akzentfrei Deutsch, scheinen also hier geboren worden zu sein. Ihre Indoktrination hat also auch hier in Deutschland stattgefunden, höchstwahrscheinlich in einer der Moscheen, in denen offen Hass gepredigt wird.
Vorbei an vielen Stolpersteinen marschierte der Zug auf dem einst von Goebbels stolz als „judenrein“ bezeichneten Kurfürstendamm, mit Rufen wie: „Kindermörder Israel“ und „Deutschland wach auf!“ Weder bei diesen Rufen, noch beim Anblick der Fahne des verbotenen militärischen Armes der Hisbollah, wurde die Polizei tätig. Sie ließ auch zu, dass, entgegen der Auflagen,  Hisbollah-Fahnenträger gezielt aus dem Demonstrationszug ausscherten und sich unter die Passanten mischten.

Wer allerdings, wie ich beobachten konnte, mit einer Israel- Fahne den Cordon sanitaire, den die Polizei um die Gegendemonstration gebildet hatte, verlassen wollte, wurde gehindert aufgefordert, die geplante „Provokation“ zu unterlassen. Auch ein Hinweis auf die Extremisten, die in Sichtweite Parolen rufend und Fahne schwenkend sich in Richtung Zoo bewegten, half nicht. Antisemitische Parolen, die fatal an Nazi-Sprüche erinnern und verbotene Fahnen sind keine Provokation, die israelische Fahne schon. Merkwürdig tendenziös war auch die Berichterstattung im „Tagesspiegel“. Dort wurde moniert, dass Israelfreunde versucht hätten, den Marsch durch „seitliche Begleitung“ zu stören, während die Ordner der Hisbollah die „Hitzköpfe“ in ihren Reihen daran hinderten, auf die Gegendemonstranten loszustürmen.

Als wäre das nicht schon genug, sollte am 16. August in der Berliner Bildungseinrichtung Urania eine „Kulturveranstaltung“, der Botschaft der Islamischen Republik Iran stattfinden. Schon aus der Einladung ging hervor, dass sich diese Veranstaltung gegen die Existenz Israels richtet, denn im Text wird von „sieben Jahrzehnten Besatzung“ gesprochen. Das war den Verantwortlichen in der Urania nicht aufgefallen, oder es ließ sie kalt.

Die Urania hat schon früher bewiesen, dass sie keine Berührungsängste mit Extremisten zu haben scheint. Sie hat in den vergangenen Jahren der linksextremistischen „Jungen Welt“ ihre Räume zur Verfügung gestellt und sich nicht darum geschert, dass vor ihrer Tür ehemalige politische Gefangene der DDR von vermummtem Antifa- Schlägern zusammengetreten wurden.

Nun sollte neben anderen deutschen und palästinensischen Israelhassern der Islamist Yavzuz Özoĝuz, dessen Internetportal „Muslim-Markt“ für die Hisbollah- Terroristen Propaganda macht, seine Agitation auf dem Urania-Podium betreiben dürfen. Nur energische Bürgerproteste haben dies verhindert. Die Frage bleibt, welches Verständnis die Verantwortlichen der Urania von ihrer Aufgabe haben, Bildungsarbeit zur Förderung von Demokratie zu leisten. Es bleibt auch die Frage nach der Haltung der verantwortlichen Politiker in Berlin.

Auf der Gegendemonstration zum Al - Quds-Tag ist unmissverständlich die Forderung nach einem Verbot von Hisbollah-Demonstrationen erhoben worden.Die Politik sollte darauf hören und solche antisemitischen Veranstaltungen nicht mehr zulassen.

Leserpost (5)
Franz Meersdonk / 14.08.2013

Wo ist der Thierse, wenn man ihn als Sitzblockierer braucht? Gegen gewalttätige Moslems machen sich die gratismutigen Antifas in die Hose, dieses feige Pack.

Christoph Andreas / 13.08.2013

Wenn auf einer von der Hisbollah organisierten Demonstration, die das Existensrecht Israels verweigern, am Rande Israelische Fahnen geschwenkt werden, ist das natürlich eine ungeheure Provokation. Dass hier deutsche Ordnungskräfte quasi deeskalierend eingreifen, hat nun schon Tradition. Es sei an eine antiisraelische Demonstration von Milli Görüs in Duisburg 2009 erinnert, wo die Polizei eine Wohnung stürmte, um zwei Israelische Fahnen abzuhängen, durch die sich die Demonstranten provoziert fühlten. Man möchte vor Scham versinken.

Jemeljan Pugatshow / 13.08.2013

Im vergangenen Jahr war ich auch auf der Gegenkundgebung und es fiel auf, dass die “große Politik” durch Abwesenheit glänzte. Das war ja wohl in diesem Jahr wieder genauso. Bezeichnend. Auch von mir angesprochene und angeschriebene, ausgewiesene “Linke” diverser Parteien haben sich für das Thema “wie stoppen wir die Anti-Israel-Propaganda ?” nicht erwärmen können. Wie ich mittlerweile weiss, wohl mit gutem Grund, da sie lieber mit den diversen Radikalen sympathisieren, die im Staat Israel als solchem das Nahost-Problem sehen wollen. Trotzdem ist die Gegendemo, sind ihre Plakate, Parolen und Teilnehmer wichtig. Wichtig, damit wir wenigstens als Stadt noch einen Rest Anstand wahren können und uns nicht endgültig vor Scham verkriechen müssen.

Werner Scholz / 13.08.2013

Es gibt Momente, in denen man sich moralisch verpflichtet fühlt, etwas zu sagen, aber was? Was soll zu diesem abartigen Szenario noch gesagt werden? Vielleicht ... dass es einen jüdischen Humanismus gibt, aufgrund dessen diese Präsens der vollständigen Perversion aller Werte jeglichen Geistes sozusagen “friedlich” verlaufen ist. Es sind keine Autobomben explodiert, es gab keine Agenten des israelischen Geheimdienstes, die Koffer- oder Taschenbomben gezündet haben ... Eben DAS ist der feine Unterschied. Ansonsten kann man sich bestenfalls noch fremdschämen, dass so etwas ÜBERHAUPT stattfinden kann.

Ali Hassan / 13.08.2013

Erwähnenswert wäre vielleicht auch noch, dass es auch zu gewaltsamen Übergriffen auf Gegendemonstranten kam (wie eigentlich jedes Jahr)

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