Geht Trump im Rostocker Stadthafen unter?

Dem Tenor der deutschen Presse folgend, stürzt der derzeitige amerikanische Präsident morgen. Und das täglich. Eigentlich. Manchmal auch übermorgen. Auf Donald Trump lastet ja so einiges: Derzeit die Iran-Atom-Geschichte. Kurz zuvor begann eine Affären- oder Vergnügungsschweigegeldangelegenheit. Dann diese leidigen Russland-Kontakte, die neuerdings mit besagter Zahlung im Zusammenhang stehen sollen. Nicht schön.

Aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Und mitunter versteckt er dieses sogar. Die Ostsee-Zeitung („Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland“) mutmaßt zwar nicht direkt über politischen Genickbruch im Weißen Haus, aber etwas Trump-beschmutzt ist sie schon, die Sache mit der „Stephan Jantzen“. Die liegt im Rostocker Stadthafen und ist – herbe Enttäuschung, aber „Stephan“ war schon ein Hinweis – keine weitere Damenbekanntschaft des mächtigen Amerikaners (dessen geistige Zurechnungsfähigkeit die Frankfurter Allgemeine schon einmal hinterfragt), sondern ein bereits in der DDR Dienst tuender Eisbrecher. Seit einigen Jahren ist das Schiff im Ruhestand. Benannt ist es nach einem wirklich bemerkenswerten und verdienstvollen Warnemünder Seemann, der als Loste und Retter von Schiffbrüchigen schon zur Legende geworden war, bevor er im Juli 1913 einen Tag vor seinem 86. Geburtstag verstarb.

Über das weitere Schicksal des Eisbrechers beziehungsweise über die Besitzrechte gibt es seit einer Reihe von Jahren unerquickliche Auseinandersetzungen. Nunmehr wurde die Zwangsversteigerung in Gang gesetzt. So weit, so lokal. Dass es der Eigentümer mit einigen Zahlungen nicht so genau nahm, was letztendlich die Versteigerung  zur Folge hatte, ist nur bedingt spannend und schlagzeilenträchtig.

Die Ostsee-Zeitung aber hat den Finger in der eigentlichen Wunde. Wer bitte ist denn der Eigner des angerosteten Schiffs? Ein „Trump-Freund“! Paolo Zampolli. Eine „einflussreiche Persönlichkeit“. Melania, heute verheiratete Trump, „soll“ jener Zampolli als „Inhaber einer Modelagentur… 1996 in die USA geholt und später mit dem [!] Donald Trump bekannt gemacht haben“. Pfui. Aber wir haben in Deutschland bekanntlich einen Rechtsstaat und können daher aufatmen: „All dies dürfte die Justiz und die Verantwortlichen in Rostock herzlich wenig stören, wenn die ‚Stephan Jantzen‘ unter den Hammer kommt.“

Unser Rechtsstaat zeigt klare Kante! Und die Ostsee-Zeitung zeigt den Zeitgenossen, denen das Herstellen von Zusammenhängen etwas schwerer fällt, wo der Hase im Pfeffer liegt, bzw. wo der amerikanische Potentat der 2010er Jahre schlechthin überall seine dreckigen Finger im Spiel hat. Und sei es durch Freunde. Aber da sind sie eben auch verborgen, die Fallstricke für den (Artikel vor Namen sind einfach zu schön, siehe Ostsee-Zeitung) Donald Trump. Die lauern sogar in Mecklenburg. Und er wird stürzen. Morgen. Sicher. Oder übermorgen. Oder überübermorgen?

Erik Lommatzsch ist Historiker und lebt in Leipzig.

Foto: Bildarchiv Pieterman

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Leserpost (2)
Stefan Riedel / 10.05.2018

Es gibt nur einen Menschenschlag, den Linke noch mehr haßen als Konservative, e r f o l g r e i c h e Konservative nämlich.

Marcel Seiler / 10.05.2018

Ja, die Ostsee-Zeitung! Das ist investigativer Journalismus!! Mutig die Mächtigen da stören, wo es weh tut!!! Ich bin so stolz, ein Deutscher zu sein.

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