Antje Sievers / 14.06.2016 / 14:01 / Foto: Tim Maxeiner / 5 / Seite ausdrucken

Wenn das Essen zweimal hochkommt: Shitstorm im Ramadan

Miriam Koch, die Flüchtlingsbeauftragte der Landeshauptstadt Düsseldorf ist stocksauer: „Rassistische, fremdenfeindliche, sexistische, verleumderische oder beleidigende Inhalte werden von uns gelöscht, die Userin oder der User werden von uns gesperrt und bei Facebook gemeldet.“ Hoppala, was war da denn los? Ein Shitstorm war über die Grünen-Politikerin hereingebrochen, nachdem Sie am letzten Wochenende das hier auf ihrer Facebookseite gepostet hatte:

„Die Johanniter suchen auf der Roßstr. fürs Wochenende helfende und starke Hände! Jeweils um 11 Uhr und 4 Uhr morgens muss das Essen vom EG in die 5te Etage gebracht werden. Wer sich körperlich fit fühlt und unterstützen möchte, schickt mir eine PM mit Rufnummer. Frei nach dem Motto ›wer zuerst kommt, malt zuerst‹ werden die ersten 10 Personen dann direkt durch die Leitung vor Ort kontaktiert und kommen zum Einsatz!“

Inzwischen ist der Essenbringdienst für ramadangeschwächte Flüchtlinge Geschichte, es hat genügend freiwillige Helfer gegeben, und der Post, der soviel Unmut hervorgerufen hat, wurde von der Seite der Düsseldorfer Flüchtlingsbeauftragten entfernt, weshalb es sinnvoll ist, ihn hier noch einmal für die Nachwelt sicherzustellen.

Auf RP online äußerte die Flüchtlingsbeauftragte empört, sie habe es satt, immer wieder zu erklären, dass die Flüchtlinge bereits genug mithelfen würden und für die Essensausgabe nun einmal ein Gesundheitszeugnis nötig sei. Also, wie jetzt? Liebe Frau Koch, wieso stand davon so gar nichts in der Jobbeschreibung? Hatten die freiwilligen Helfer alle so schnell ein Gesundheitszeugnis? Und wann und wie wurde ein solches für diejenigen, die zuerst kommen und „malen“ („mahlen“, Frau Koch!),  zwischen 11:00 abends und 4:00 Uhr morgens ausgestellt? Mahl im Ernst, Frau Koch, haben Sie nicht wenigstens ein klein wenig damit gerechnet, dass das blöde Stimmvieh gegen die Zumutung, gesunden jungen Männern im Ramadan das Essen hinterher zu tragen, aufbegehren könnte?

Geben Sie es zu, diese behämmerte Schutzbehauptung ist doch totaler Bullshit. Denn seit 2001, also seit fünfzehn Jahren, ist für Personen, die Essen ausgeben, höchstens noch eine gesundheitliche Belehrung erforderlich. Aber diese Äußerung ist in etwa auf dem Niveau ihrer Replik gegenüber einem ihrer ehrenamtlichen Helfer, der seine Arbeit in den Schmutz gezogen sah, nachdem ein Düsseldorfer Flüchtling wegen Puddingmangels die Unterkunft abgefackelt hatte und sie dieses Verbrechen als „Einzelfall“ verniedlicht haben.

Aber ich lasse lieber eine von denen zu Wort kommen, von denen Sie wünschen, sie würde die Klappe halten: „Ich bin Migrantin und würde mich schämen wenn andere mir mein Essen die Treppen hochschleppen müssten ausser sie würden dafür bezahlt und auch da würde ich nur schwer verstehen warum ich es mir nicht selber von unten holen soll.“ So eine rassistische, fremdenfeindliche, sexistische, verleumderische Beleidigung.

Foto: Tim Maxeiner
Leserpost (5)
Jens Fröhlich / 15.06.2016

Ich habe auch kein Gesundheitszeugnis. Da stellt sich die Frage: Darf ich mir mein Essen in der Mittagspause noch selber holen - oder muss ich es mir ab sofort von jemandem mit Gesundheitszeugnis bringen lassen? Das wäre mir recht. Gleich heute Mittag werde ich meinen Chef darauf ansprechen.

Florian Bode / 15.06.2016

Super finde ich, wie die Angestellten der Sozialindustrie aus dem linksgrünen Millieu um Ehrenamtliche zum Aussaugen werben.

Romana Blechschmidt / 15.06.2016

Liebe Frau Sievers, Ihre Beiträge verdienen alle ein “Chapeau, Madame!”. Dieser hier ist aber besonders gelungen.

Jürgen Fleischer / 15.06.2016

Mich regt nicht so sehr das Verhalten der Flüchtlinge auf, weil sie förmlich in diese Rolle gedrängt werden, die ihren gewohnten heimatlichen Lebensverhältnissen entspricht. Viel mehr regt mich auf, dass heute in zunehmendem Maße Menschen in Funktionen gelangen, meistens sind es politisch determinierte, die nicht einmal die Mindestanforderungen an dieses Amt erfüllen. Frau Koch ist Flüchtlingsbeauftragte. Sie müsste es als Ihre dringendste Aufgabe ansehen, den Flüchtlingen die Integration in unsere gesellschaftlichen Verhältnisse zu ermöglichen. Was tut sie? Das genaue Gegenteil. Sie ermöglicht den Flüchtlingen die Fortführung ihrer Sitten und Gebräuche durch Dienstleistungen freiwilliger Helfer. Darüber soll ich mich nicht aufregen? Herzlich, Jürgen Fleischer

Matthias Friedemann / 14.06.2016

Herrlich, auch wenn man nicht weiß, ob man lachen, weinen oder schreien soll. Diese kleine Epsiode ist exemplarisch für so vieles, was in unserer Gesellschaft verquer läuft.

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