Gerd Buurmann, Gastautor / 21.06.2017 / 13:08 / 3 / Seite ausdrucken

Frau Maischberger, warum geben Sie sich für so etwas her?

Von Gerd Buurmann.

Liebe Sandra Maischberger,

In den letzten Jahren haben die öffentlich-rechtlichen Sender mehrmals einseitige Berichte und Lügen über Israel gesendet. Einige Aussagen waren so offensichtlich falsch, dass später öffentliche Entschuldigungen getätigt werden mussten. In dem Artikel „Ich klage an!“ habe ich eine lange Liste journalistischer Fehlleistungen dokumentiert. Wenn es um Israel geht, wurden falsche Zahlen, Behauptungen und Unterstellungen gesendet, die im Nachhinein korrigiert werden mussten. Jedoch wurde in keinem Fall eine der großen Talkshows genutzt, um über diese anti-israelischen Fahrlässigkeiten zu diskutieren.

Die Dokumentation „Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ von Joachim Schroeder und Sophie Hafner enthält keine falschen und einseitigen Anschuldigungen gegen Israel. Arte weigerte sich, den Film zu senden. Nach langen Protesten, auch von meinem Blog Tapfer im Nirgendwo, sendet nun der WDR diese Dokumentation, aber nicht ohne im Anschluss eine Talkshow folgen zu lassen, in der lang und breit erklärt wird, welche angeblichen handwerklichen Mängel dieser Film aufweisen soll, obwohl bisher nicht auch nur ein Fehler nachgewiesen werden konnte, der so eklatant ist, wie all die diversen Fehler, die in israelkritischen Artikeln von öffentlich-rechtlichen Sendern veröffentlicht wurden, ohne dass jemals darüber in großen Talkshows geredet wurde.

Liebe Sandra Maischberger,

Warum machen Sie sich zur Komplizin dieser doppelmoralischen Sonderbehandlung von Israel?

Die Dokumentation „Auserwählt und Ausgegrenzt – Der Hass auf Juden in Europa“ zeigt in neunzig Minuten den Judenhass Europas, wie er sich in den frühen Zeiten des Christentums verfestigt hat, durch Luther brutalisiert und durch Philosophen, Schriftsteller und Komponisten in Europa gerechtfertigt wurde und schließlich von den Nazis zur industriellen Massenvernichtung von Menschen gemacht wurde. Den Fokus aber richtet die Dokumentation auf den mörderischen Judenhass des 21. Jahrhunderts in Europa und kommt zu einem erschreckenden Ergebnis:

Die Dokumentation zeigt, wie Judenhass von Europa in die arabische Welt exportiert wurde, um dann mörderisch nach Europa zurückzukehren und zwar in Form einer brutalen und durch europäische und christlichen Organisationen finanzierten Kritik an Israel, die sogar vor Verfolgung und Mord nicht mehr zurückschreckt. Nachdem man die Dokumentation gesehen hat, versteht man die letzten Sätze der Dokumentation:

„Niemals, ich bin überzeugt, niemals wären die Araber in Frankreich den Juden gegenüber gewalttätig geworden, hätte man sie nicht überzeugt, dass es ihre Pflicht ist, sich mit ihren Glaubensbrüdern in Palästina solidarisch zu zeigen. Sie hätten das sonst nie gemacht. Aber man hat ihnen eingeredet, dass das notwendig ist und da ein Teil derer, die Macht haben, sich so etwas erlaubt haben, hat das für sie die Attacken gerechtfertigt und sie unterstützt.“

Die Leute, die diesen Menschen den Hass eingeredet haben, sind Menschen aus Europa, Christen von „Brot für die Welt“ und „Misereor“, linke und rechte Aktivisten, Politiker der Europäischen Union, aber auch Journalisten und Redakteure der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten. Die Dokumentation macht deutlich, dass die bisherige Art, wie die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten über Israel berichtet haben, in einer Form einseitig und unausgewogen war, dass dadurch judenfeindliche Ressentiments geschürt wurden.  

Hier geht es weiter.

Sie lesen gern Achgut.com?
Zeigen Sie Ihre Wertschätzung!

via Direktüberweisung
Leserpost (3)
Markus Knust / 21.06.2017

Warum soll sie sich nicht dafür hergeben? Man merkt doch in ihren Sendungen regelmäßig, wie sie politisch ausgerichtet ist und welche Agenda sie verfolgt. Der politische Gegner wird immer hart ran genommen, ständig unterbrochen und dergleichen. Bei allen anderen ist die Dame auf Kuschelkurs. Und wenn ein Thema mal interessant zu werden droht, dabei aber nicht genehme herauskommen, dann feuert sie schnell die nächste Frage ab und lenkt in eine bessere Richtung. Also besser für linksgrün.

Marcel Seiler / 21.06.2017

“...wie Judenhass von Europa in die arabische Welt exportiert wurde,...” Nach meinem Wissen hat der Islam seinen eigenen Antisemitismus (schon im Koran), so dass man den nicht aus Europa nach Arabien exportieren musste. Möglicherweise hat der Antisemitismus Europas in Arabien verstärkend gewirkt, aber dass es ihn ohne Europa im Islam nicht gegeben hätte, das ist m.W. verkehrt.

Andreas Kuhn / 21.06.2017

Als ob Maischberger die Them der Sendungen interessiern würden ....

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können nur am Erscheinungstag des Artikel eingereicht werden. Die Zahl der veröffentlichten Leserzuschriften ist auf 50 pro Artikel begrenzt. An Wochenenden kann es zu Verzögerungen beim Erscheinen von Leserbriefen kommen. Wir bitten um Ihr Verständnis.

Verwandte Themen
Gerd Buurmann, Gastautor / 16.05.2018 / 10:00 / 15

Ich-AG-Invasoren auf Selbstmordmission

Im Journalismus gibt es die Übereinkunft, über Selbstmorde nicht zu berichten und, wenn es unvermeidbar ist, weil ein öffentliches Interesse besteht, dies in sehr sensibler…/ mehr

Gerd Buurmann, Gastautor / 12.05.2018 / 17:59 / 19

Panorama hat einen an der Klatsche

Was im Jahr 2018 beim NDR passiert, ist Wahnsinn. Der NDR wird von moralisch Verwahrlosten geleitet. Das Schlechteste der deutschen Gesellschaft hat sich durch die…/ mehr

Gerd Buurmann, Gastautor / 04.05.2018 / 15:50 / 11

Kollegah in Auschwitz

Farid Bang und Kollegah besuchen Auschwitz. Die beiden Rapper haben die Einladung des Internationalen Auschwitz-Komitees zu einem Besuch der KZ-Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau angenommen. Ich frage mich allerdings, ob…/ mehr

Gerd Buurmann, Gastautor / 23.04.2018 / 16:10 / 6


Natalie Portman: Peking ja, Jerusalem nein

Seit 2012 wird in Israel von einer privaten Organisation der Genesis Prize vergeben. Der Preis geht an jüdische Menschen, die auf ihrem Gebiet exzellentes erreicht…/ mehr

Gerd Buurmann, Gastautor / 13.04.2018 / 10:00 / 19

Sie haben die Wahl: Davidstern oder Hakenkreuz?

Ausgerechnet am 20. April 2018 findet im Theater Konstanz die Premiere von George Taboris „Mein Kampf“ in der Inszenierung von Serdar Somuncu statt. In der…/ mehr

Gerd Buurmann, Gastautor / 26.02.2018 / 08:57 / 50

Die Essener Tafel ist ein Ort des Bürgerkriegs

„Mir läuft es eiskalt den Rücken runter. Essen nur für Deutsche. Migranten ausgeschlossen.“ Dies schrieb Sawsan Chebli via Twitter über die Essener Tafel. Sawsan Chebli…/ mehr

Gerd Buurmann, Gastautor / 13.02.2018 / 06:29 / 38

Ein Film aus der Erziehungsanstalt

Der Film „Aufbruch ins Ungewisse“, der am 14. Februar 2018 auf der ARD gezeigt wird, ist eine Ansammlung all dessen, was den deutschen Film so schlecht…/ mehr

Gerd Buurmann, Gastautor / 09.02.2018 / 10:00 / 10

Weiberfastnacht im Iran

Gestern war Weiberfastnacht oder, wie es die Kölnerinnen zu sagen pflegen: Wieverfastelovend. An diesem Tag beginnt in Köln der sogenannte Straßenkarneval. Alle geraten völlig außer…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com