Peter Grimm / 29.08.2017 / 14:27 / 5 / Seite ausdrucken

Frau Dr. Merkel auf dem heißen Stuhl

Was sich einige deutsche Fernsehverantwortliche so ausgedacht haben, hätte so schön sein können: Zwei TV-Duelle zwischen Kanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Martin Schulz - eines bei den Öffentlich-Rechtlichen, eines bei den Privatsendern und vielleicht sogar vor Publikum, das spontan reagiert. Doch Angela Merkel bestand darauf, dass es nur eines geben dürfe. Man liest und hört von einiger Empörung über diese "Erpressung" durch das Kanzleramt.

Dabei vertritt die Kanzlerin schon lange den Standpunkt, dass nicht  nur die Redaktionen in den Sendern über die Sendeinhalte entscheiden sollten: „Jeder Zuschauer sollte zu einem mündigen Zuschauer erzogen werden und dazu sollte er Mitspracherechte haben und heute ist es so, dass keinerlei Gremien existieren, in denen die Zuschauer Mitspracherechte haben, außer dass geguckt wird, wie hoch die Einschaltquoten sind und danach orientieren sich die Sendeanstalten, weil sie der Meinung sind, da wo am meisten Einschaltquote ist, in der Richtung muss man weitermachen und das ist aus meiner Sicht eine ziemlich verwerfliche Entwicklung, wenn man sich allein daran orientiert“, sagte Angela Merkel – allerdings vor 25 Jahren.

Damals gab es einen Merkel-TV-Auftritt, der – das klingt für viele heute vielleicht unvorstellbar – nicht  einschläfernd wirkte. Die damalige Bundesministerin für Frauen und Jugend saß damals bei RTL auf dem heißen Stuhl und diskutierte darüber, wie sich Gewalt im Fernsehen begrenzen ließe. Vor Publikum, das spontan reagiert. Mag der Erkenntnisgewinn übersichtlich sein, der Unterhaltungswert der Sendung ist nach 25 Jahren wahrscheinlich ungemein gewachsen. Oben zitierten Satz sagt sie übrigens bei ca. 37:37. Und bei 23:40 sieht man, was sie sich schon 1992 von einem Studiogast anhören musste: „Deshalb meine ich, dass Sie ein Verfassungsrisiko sind“.

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Leserpost (5)
Roland Stolla-Besta / 29.08.2017

So, also die Zuschauer (damals), die Menschen, “die schon länger hier leben” (heute) müssen erzogen werden! Endlich sagt sie mal ehrlich was ihrer Meinung nach die Aufgabe der Politik sein soll! Danke für dieses alte entlarvende Video!

Hjalmar Kreutzer / 29.08.2017

Die Zuschauer sollten v.a. ein Mitspracherecht haben, was sie zu zahlen bereit sind, bzw. dann nicht zu zahlen, wenn sie ö.r. Propaganda, wie Plasberg und alle Gäste gegen Gauland, nicht anschauen wollen. Wer sich gern Dokus über das Liebesleben des Maikäfers im Hunsrück im ausgehenden 18. Jahrhundert anschauen möchte, kann dafür zahlen, auch gern für die Lindenstraße, ob per Flatrate oder Einzelverbindung, sollte sich jeder aussuchen dürfen.  Aber ich muss nicht per staatlicher oder ö.r. Order mit Medien “grundversorgt” werden. Hier gehe ich etwas weiter, als meine Partei, die da wa von “Grundversorgung” schreibt. “Ich entscheide persönlich, ob ich mit oder ohne Ente bade.” (Loriot) Wahrscheinlich würde dann ein ö.r. Sender mit Regionalprogrammen ausreichen und viel mehr wohlbestallte Leute müssten sich auf dem freien Arbeitsmarkt für Journalisten und Künstler tummeln.

Karla Kuhn / 29.08.2017

Herr Oser und Herr Kneip haben alles gesagt, danke.

Wolfgang Oser / 29.08.2017

Oh ja, und was für ein Verfassungsrisiko sie ist, damals schon und heute um so mehr! Nur, wer merkt es?

Sepp Kneip / 29.08.2017

„Deshalb meine ich, dass Sie ein Verfassungsrisiko sind“. Ja, das ist sie. Es hat wohl noch nie einen Regierungschef gegeben, der das Grundgesetz in der Weise missachtet, ja mit Füßen getreten hat, wie Merkel. Sie regiert an Recht, Gesetz und am Bürger vorbei und hebt die Gewaltenteilung auf, indem sie das Parlament einfach umgeht. Aber scheinbar sitzt darin keiner mit einem A… in der Hose, weil man sich das gefallen lässt. Seehofer hat die Dinge, so wie sie sind, angesprochen. Aber Merkel, das Verfassungsrisiko, hat ihn in den Senkel gestellt. Mit dem TV-Duell wird offensichtlich, wie Merkel auch die Medien manipuliert. Nikolaus Brender, ein wirklicher Mann der freien Medien, zeigt sich entsetzt. Aber - schadet das Merkel? Nein. Die Medien werden genau so klein gemacht, wie Seehofer. Hoch lebe die Meinungsfreiheit.

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