Henryk M. Broder / 23.07.2009 / 15:01 / 0

Feigenblatt des schlechten Gewissens

Felicia Langer ist keine “Israel-Kritikerin”, wie ihr immer wieder bescheinigt wird, sie ist eine notorische Israel-Basherin, die ihre Selbstinszenierung als einsame Stimme der Vernunft und der Menschlichkeit auf dem Rücken der Palästinenser betreibt. Sie sind nicht das Objekt ihres Mitgefühls, sondern die Figuren auf dem Schachbrett ihrer Eitelkeit. Sie betreibt emotionalen Kolonialismus. Würde es ihr um die Palästinenser gehen, müsste sie ab und zu auch ein Wort über die Grausamkeiten verlieren, die Fatah und Hamas einander antun oder über die miese Behandlung der Palästinenser in den arabischen Ländern, die ihre “Gäste” als Faustpfand gegen Israel benutzen.

Und was hat die Botschafterin der Menschlichkeit in den letzten 20 Jahren, seit sie ihre Anwaltslizenz zurückgegeben hat, geleistet? Hat sie eine Suppenküche aufgebaut, Kriegswaisen bei sich aufgenommen oder alten Leuten im Krankenhaus vorgelesen? Sie hat ein paar Bücher geschrieben. Das tun viele. Sie wurde ausgezeichnet, weil sie “als eine massiv vom Holocaust Betroffene” eine volkstherapeutische Aufgabe erfüllt, indem sie den Deutschen hilft, über ihre Schuldgefühle gegenüber den Opfern des Holocaust hinweg zu kommen. Gerade die Deutschen, die aus der Geschichte gelernt hätten, sagt Felicia Langer immer wieder, müssten die Israelis davor bewahren, die gleichen Fehler zu wiederholen. Bei der Mutation der Täter von gestern in die Bewährungshelfer von heute sind “Überlebende des Holocaust” als moralische Feigenblätter sehr willkommen. http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,637765,00.html

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