Rainer Grell / 02.12.2017 / 16:09 / Foto: Markytronic / 13 / Seite ausdrucken

Eurabia: Wachsende Einsicht

Das Pew Research Center in Washington D.C. hat am 29. November 2017 eine demographische Studie mit dem Titel ”Europe’s Growing Muslim Population“ veröffentlicht. Darin heißt es unter anderem:

Even if all migration into Europe were to immediately and permanently stop – a ‘zero migration’ scenario – the Muslim population of Europe still would be expected to rise from the current level of 4.9% to 7.4% by the year 2050.”

Selbst bei einer sofortigen und dauerhaften Null-Einwanderung ist ein Anstieg der muslimischen Bevölkerung Europas von derzeit 4,9 Prozent auf 7,4 Prozent im Jahr 2050 zu erwarten. In Deutschland gar von 6 auf 8,7 Prozent. Wie ist das möglich? Muslime sind im Schnitt einfach jünger und fruchtbarer als Europäer. „Wir erobern Europa mit den Bäuchen unserer Frauen", soll ein Imam in England laut Zeit Online prophezeit haben.

Autoren wie in Deutschland beispielsweise Thilo Sarrazin oder Gunnar Heinsohn wurden für solche Erkenntnise noch aus dem Club der Gutmeinenden ausgeschlossen,  jetzt steht das einst ketzerische Gedankengut brav auf Zeit Online.

Vor mehr als zehn Jahren (Nr. 160/161) schrieb ich:

„Mehrmals stand ‚der Islam‘ schon vor den Toren Europas und versuchte mit militärischen Mitteln, sich Zutritt zu verschafften. Jedes Mal wurde er zurückgeschlagen (wobei die Araber ‚al-andalus‘, also die iberische Halbinsel, erst 1492 nach fast 800 Jahren verließen). ... eine weitere Offensive erleben wir gegenwärtig. Aber dieses Mal sind die Muslime klüger: Sie verzichten auf Waffen und versuchen es mit Hilfe des ‚langen Marsches durch die Institutionen‘. So hat z.B. Mehmet Sabri Erbakan, der [damalige] Vorsitzende von Milli Görüs, am 15. April 2001 erklärt: ‚Die Europäer glauben, dass die Muslime nur zum Geldverdienen nach Europa gekommen sind. Aber Allah hat einen anderen Plan.‘“

Damals musste ich noch den beißenden Spott des am 5. Juli 2017 verstorbenen zeitweiligen KBW-Mitglieds Fritz Güde (Sohn des Generalbundesanwalts Max Güde) über mich ergehen lassen, der diese Passage (am 6. Februar 2007) in der „Stattzeitung für Südbaden im Internet“ so kommentierte:

„Im Nachwort scheut er [Grell] sich nicht, selbst in die Reihe der großen Abwehrer der islamischen Wogen zu treten, die bisher schon das Abendland bedrohten. Karl Martell – Graf Starhemberg vor Wien – usw.: und jetzt er.“

Wer diesen Link heute anklickt, stößt auf den durchaus treffenden Hinweis: „Der von Ihnen gesuchte News-Beitrag ist veraltet und wurde deshalb gelöscht.“

Die Hauptsäulen für Eurabien

Egal. Denn die Erkenntnisse der PEW-Studie, so verdienstvoll diese auch ist, sind keineswegs überraschend. Die britische Autorin Gisèle Littman schrieb bereits 2005 unter dem Pseudonym Bat Ye’or ein Buch mit dem programmatischen Titel ”Eurabia. The Euro-Arab Axis“ (bei Amazon zu erwerben. Deutsche Übersetzung hier. Wer Englisch versteht, kann sich auch hier auf YouTube informieren (wobei es kein Verlust ist, die etwas spröde Einführung von Max Singer, Senior Fellow am Hudson Institute, zu übergehen und erst bei Minute 6:00 zu starten, bis 39:00, dann folgt eine ausführliche Diskus­sion).

Littman benennt fünf Hauptsäulen für Eurabia (Seite 147):

  1. Die Schaffung einer menschlichen, wirtschaftlichen und politischen euro-arabischen Symbiose, angetrieben durch europäische Gier und Angst.
  2. Ein gemeinsames Ziel wirtschaftlicher Entwicklung als Quelle menschlichen Fortschritts und Erfolgs.
  3. Der feste Glaube, dass das mittelalterliche muslimische Andalusien ein beispielhaftes Modell für die Schaffung von Eurabia im 21. Jahrhundert ist.
  4. Die Herabwürdigung und der Untergang Israels als Schlüssel der euro-arabischen Aussöhnung.
  5. Feindschaft gegenüber Amerika und Eindämmung seines Einflusses im Nahen Osten.

“European economic interests in the Arab world required a lax and complacent policy toward the Muslim immigration streaming into Europe“ (Seite 164). Frei übersetzt: Bei der musli­mischen Einwanderung ist (zu) viel Öl im Getriebe.

Für ihre Andalusien-Säule konnte sich Littman noch nicht auf Dr. Mustafa Cerić berufen, der als Großmufti von Bosnien und Herzegowina erst zwei Jahre später auf der Wiener Konferenz „Islam in Europa“ 2007 von einer „das Christentum ablösenden islamischen Ära“ in Europa gesprochen und das maurische Spanien (al-Andalus) sowie das osmanische Südosteuropa von einst als Zukunftsmodelle hingestellt hat.

Die Theodor-Heuss-Stiftung war davon offenbar so begeistert, dass sie ihm am 12. Mai 2007, zusammen mit der Bundestagspräsidentin a. D. Frau Prof. Dr. Rita Süssmuth, den 42. Theodor-Heuss-Preis verliehen hat, wie ich aus persönlicher Zeugenschaft berichten kann (die Laudatio hielt Frau Prof. Dr. Gesine Schwan, zweimalige SPD-Kandidatin für das Amt des Bundespräsi­denten).

Tatsächlich war wohl Cerićs Schrift ”Islam: A Declaration Of European Muslims“ dafür ausschlaggebend. Derselbe Cerić hat übrigens einen Aufsatz über „Die Herausforderung einer einzigen Muslim-Autorität in Europa“ geschrieben und zwar ausgerechnet in der Zeitschrift ”European View“, die der Europäischen Volkspartei und damit der CDU nahe steht (SPON zitiert ihn zwar noch, die angegebene Seite existiert aber nicht mehr).

Die seinerzeitige CDU-Islamexpertin Kristina Köhler (heute „Welt“- Kolumnistin) hat in Welt Online darauf hingewiesen, dass Cerićs Forderungen darauf hinaus liefen, „dass alle Muslime in Europa unter einem gemeinsamen politischen und geistigen Führer und unter der Herrschaft der Scharia leben – und der Staat soll diese Parallelwelt auch noch per Vertrag garantieren“. In der Konsequenz führe das „zu einem europäischen Kalifat“. Und es gab noch eine Ehrung für Mustafa Cerić: 2008 erhielt er den Eugen-Biser-Preis, da half auch der Protest von Hartmut Kraus unter Hinweis auf den Scharia-Aufsatz nichts. Die Festrede hielt übrigens der damalige Innenminister Dr. Wolfgang Schäuble.

Es kann auch mal zu spät sein

Wem Gisèle Littman „zu wissenschaftlich“ ist, der kann sich auch an die großartige Oriana Fallaci halten, der ich bereits auf der Achse die nötige Referenz erwiesen habe. Sie schrieb im  Februar 2005 in der ihr eigenen Kompromisslosigkeit:

Europa ist nicht mehr Europa, es ist Eurabien‘, eine Kolonie des Islam, wo die islamische Invasion nicht nur physisch voranschreitet, sondern auch auf geistiger und kultureller Ebene. Unterwürfigkeit gegenüber den Invasoren hat die Demokratie vergiftet, mit offensichtlichen Konsequenzen für die Gedankenfreiheit und für das Konzept der Freiheit selbst.

Diese „Unterwürfigkeit“ und all die sonstigen Informationen und Bewertungen hat der französische Schriftsteller Michel Houellebecq in seinem visionären Roman ”Soumission“ (Unterwerfung, Dumont, 2. Aufl. 2015) verarbeitet, in dem bei der Präsidentschaftswahl 2022 der Muslimbruder Mohamed Ben Abbes gewählt wird und der freigeistige Protagonist, der Literaturwissenschaftler François, am Ende über seine Konversion zum Islam nach­denkt.

Ob nun 2022 bei Houellebecq oder 2050 bei PEW: Die Muslime sind in Europa auf dem Vormarsch. Ob dieser aufzuhalten ist, kann niemand sagen. Ansgar Graw hat in der „Welt“ vom 30. November 2017 (Seite 8) über die PEW-Studie berichtet und dabei auch mit deren Hauptautor Conrad Hackett gesprochen. Dieser meint, die (drei) Szenarien der Studie (zero, medium, high Muslim migration) „können politische Entscheidungsträger und die Öffent­lichkeit nutzen, um ein besseres Gespür dafür zu entwickeln, wie restriktive Migrationspolitik die muslimische Bevölkerung in Europa beeinflussen würde“.

Sein Wort in das Ohr aller Verantwortlichen. Doch dazu müssten diese lernfähig sein. Diese Fähigkeit aber, so lässt Hans Magnus Enzensberger seinen Herrn Zett sagen, haben leider nur Individuen. „Kollektive dagegen lernen äußerst ungern. Sie kapieren erst dann etwas, wenn der Druck derart zunimmt, dass ihnen kein anderer Ausweg mehr übrig bleibt“ (Herrn Zetts Betrachtungen, Seite 199). Doch dann kann es auch mal zu spät sein.

Foto: Markytronic CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons

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Leserpost (13)
Winfried Sautter / 03.12.2017

Wer Houellebecq gelesen hat, weiss, dass die Islamisierung Europas für anpassungsfähige indigene Männer nicht nur Schrecken bereit hält. Im Gegenteil. Frauenrechtlerinnen, Emanzen, Feministinnen - wappnet Euch!

Dieter Hitzek / 03.12.2017

Retten wir auch unsere Schreibkultur :-). Hier ist statt Referenz sicher “Reverenz” gemeint.

Peter Gentsch / 03.12.2017

Die tatsaechliche Situation in Deutschland ist noch viel besorgniserregender als in der Pew Studie wiedergegeben. Asylsucher, deren Antrag wahrscheinlich abgelehnt wird oder schon abgelehnt ist und die sich trotzdem weiterhin legal oder illegal im Land aufhalten (also der groesste Teil der Migranten in Deutschland, Stichwort Bleiberecht, mangelnde Abschiebung usw.) werden in der Pew Studie gar nicht beruecksichtigt.

Rudolf George / 03.12.2017

Kollektive sind sehr wohl lernfähig. Ich glaube, dass eine Mehrheit der Deutschen die Zeichen der Zeit erkannt haben. Das Problem sind jene, die sich für die Lichtgestalten des sozialen Fortschritts halten und in den Parteien und Redaktionen das Sagen haben. Sie breiten ihren Tugendterror über das Land aus und verbieten das Ansprechen der wahren Probleme, im Glauben damit die eigene Macht perpetuieren zu können.

Geert Aufderhaydn / 03.12.2017

90% der von Ihnen aufgeführten Politdarsteller lassen mir das Blut in den Adern gefrieren. Da ich aber den Artikel zu Ende lesen wollte, mußte ich das irgendwie hinnehmen. Im TV habe ich es leichter: ich zappe inzwischen in einem atemberaubenden Tempo in andere Sender (Reaktionszeit max eine halbe Sekunde), ja, ich habe sogar meine Sehgewohnheiten drastisch geändert.  Ich sehe alternierend 2 oder 3 Sendungen, die Fernbedienung immer auf dem Oberschenkel. Darauf bin ich ziemlich stolz. Allerdings muß ich auch große persönliche Niederlagen einräumen, z.B.: ich hatte gerade Schäuble weggezappt, was mir aber Göring-Eckhardt auf den Bildschirm brachte; ich schaltete routiniert, nun aber auch ein wenig hektisch weiter, dann kam der Beelzebub: ich hörte noch “... ist das nicht mehr mein Deu…”,  dann gab der von mir vom Sideboard getretene Fernseher keinen Ton mehr von sich. Ich habe jetzt einen neuen; gelohnt hat es sich trotzdem.

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