Henryk M. Broder / 15.09.2017 / 11:59 / Foto: Billdarciv Pieterman / 0 / Seite ausdrucken

Es werde Frieden! Mutti pfuscht Gott ins Handwerk

Also sprach die große Vorsitzende zur Eröffnung des Weltfriedenstreffens in Münster: „Religionen haben den Auftrag zum Frieden. Und deshalb kann es keine Rechtfertigung von Krieg und Gewalt im Namen einer Religion geben.“

Man muss weder Theologie noch Philosophie, nicht einmal Religionsgeschichte studiert haben, um zu erkennen, dass diese Aussage so absurd ist wie der Auftritt eines Osterhasen, der sich als Weihnachtsmann verkleidet hat, um bei Germany's Next Top Model mitmachen zu können. Der Satz übertrifft an Sinnlosigkeit alles, was die Kanzlerin im Laufe ihrer zwölfjährigen Regentschaft gesagt hat, einschließlich der drei Worte, die ihr Vermächtnis sein werden: „Wir schaffen das!“

Erstens: Wer soll den Auftrag erteilt haben? Gott, Moses, Jesus, Mohammed, Margot Käßmann? Zweitens: In den Zehn Geboten ist von Frieden keine Rede. Drittens: Weder das Judentum noch der Islam sind Friedensreligionen, allein das Christentum könnte einen solchen Anspruch erheben, wenn seine Praxis in der Vergangenheit der Theorie nicht entgegenstünde.

Waren es katholische Pfadfinder oder evangelische Veganer?

Die Behauptung der Kanzlerin ist zwar sinnlos, aber nicht zweckfrei. Das Problem, das sich im Islam manifestiert, soll generalisiert, auf die anderen Mono-Religionen übertragen werden. Irgendwie sind sie alle gleich, nicht wahr? Und deswegen spielt es keine Rolle, welcher Konfession ein Terrorist angehört.

Dummerweise gehen die Terroranschläge der letzten Zeit – in London, Brüssel, Nizza, Paris, Berlin, Turku, Manchester, Hamburg, Mailand – nicht auf das Konto katholischer Pfadfinder, evangelischer Veganer oder jüdischer Diabetiker, sondern auf das von fanatischen Muslimen, die sehr wohl davon überzeugt sind, im Namen ihrer Religion zu handeln.

Ihnen zuzurufen: „Ihr versteht eure Religion falsch, euer Auftrag ist Frieden!“ zeugt zum einen von einer gründlichen Unkenntnis des Objekts, zum anderen von einer grenzenlosen Anmaßung. Aber inzwischen ist in Berlin alles Chefsache - die Energiewende, die Lösung der Flüchtlingskrise und neuerdings auch die Rolle der Religionen.

Die Kanzlerin regiert schon eine Weile am Parlament vorbei. Und jetzt pfuscht sie auch noch Gott ins Handwerk. Allmächtiger, unternimm was!

Zuerst erschienen in der Zürcher Weltwoche

Foto: Bildarchiv Pieterman
Leserpost (0)

Leserbrief schreiben

Leserbriefe können wir meist nur während der ersten 24 Stunden nach Veröffentlichung eines Artikels annehmen.

Verwandte Themen
Henryk M. Broder / 14.10.2017 / 16:05 / 16

Kleine Anfrage an den Intendanten des ZDF

Was macht eigentlich mehr Spass: No News oder Fake News? Guten Abend, lieber Herr Bellut, erlauben Sie mir bitte zwei Fragen: 1. Warum wurde der…/ mehr

Henryk M. Broder / 13.10.2017 / 18:00 / 0

Bedeutende Denkerinnen und Denker des 21. Jahrhunderts

Heute: Lamya Kaddor, Lehrerin, Autorin, Theologin, Islamwissenschaftlerin, Mitbegründerin des Liberal-Islamischen Bundes, Teilnehmerin des Integrationsgipfels bei Angela Merkel, 1. Vorsitzende im „Verein der LehrerInnnen für Islamkunde in…/ mehr

Henryk M. Broder / 08.10.2017 / 18:35 / 0

Schäubles ganzer Stolz

Es ist noch nicht lange her, dass Edmund Stoiber vor einer "Durchrassung der deutschen Gesellschaft" gewarnt und die CDU mit dem Slogan "Kinder statt Inder"…/ mehr

Henryk M. Broder / 06.10.2017 / 12:05 / 14

Alles auf Anfang!

Der Ossi ist wieder da, jenes rätselhafte Wesen, das uns immer wieder ins Staunen versetzt. Er ist unberechenbar, unbedarft, unbotmäßig, unbehaust und vor allem: undankbar.…/ mehr

Meine Favoriten.

Wenn Ihnen ein Artikel gefällt, können Sie ihn als Favoriten speichern.
Ihre persönliche Auswahl finden Sie Hier
Favoriten

Unsere Liste der Guten

Ob als Klimaleugner, Klugscheißer oder Betonköpfe tituliert, die Autoren der Achse des Guten lassen sich nicht darin beirren, mit unabhängigem Denken dem Mainstream der Angepassten etwas entgegenzusetzen. Wer macht mit? Hier
Autoren

Unerhört!

Warum senken so viele Menschen die Stimme, wenn sie ihre Meinung sagen? Wo darf in unserer bunten Republik noch bunt gedacht werden? Hier
Achgut.com